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Finanzindustrie: Euro Finance Week: Mit einem Benefiz-Ball fing alles an

Von Europas größtes Treffen der Finanzindustrie findet diese Woche zum 20. Mal statt. Dass sich seit 1998 jedes Jahr das „Who is Who“ der Branche in der Main-Metropole die Klinke in die Hand gibt, hat der Finanzplatz vor allem dem gebürtigen Iraner Nader Maleki zu verdanken.
Die  „Euro Finance Week“ im Jahr 2007: Während Heide Simonis und Nader Maleki (links) über das Parkett gleiten, kämpft Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Frankfurts OB Petra Roth um die Führung. Die „Euro Finance Week“ im Jahr 2007: Während Heide Simonis und Nader Maleki (links) über das Parkett gleiten, kämpft Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Frankfurts OB Petra Roth um die Führung.
Frankfurt. 

Sollten die anderen doch Recht gehabt haben? Alle haben sie ihn gewarnt: die Vorstandskollegen des International Bankers Forum (IBF), die Kollegen bei der Deutschen Bank und den anderen Frankfurter Großbanken: einen riesigen Benefiz-Ball in der Alten Oper veranstalten, auf eigenes Risiko? Warum den Ball nicht weiterhin gemeinsam im kleineren, preisgünstigen Kempinski in Gravenbruch veranstalten – wie schon die drei Jahre zuvor? Niemand hat ihn bei seiner Idee begleiten wollen. Und Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen, der ihm stets wohlgesinnt gewesen ist, ist seit fast drei Monaten nicht mehr da, um ihn zu unterstützen – ermordet von der RAF. Aber er hat an seiner Idee festhalten wollen, denn er ist überzeugt: Der internationale Finanzplatz Frankfurt braucht einen großen Ball.

Bundesbank als Retter

Und nun sitzt er also da: freigestellt von seinem Job als Kommunikationschef der Deutschen Bank, ohne Gehalt, und muss zusehen, wie er 600 Karten zu je 450 Mark an den Mann bzw. die Frau aus der Welt der Hochfinanz, aber auch der Politik und Kultur bekommt. Lange zerbricht sich Nader Maleki darüber den Kopf. Bis eines Tages sein Telefon klingelt – und sich am anderen Ende der Leitung Gerd Häusler meldet, Assistent des Bundesbank-Präsidenten Karl Otto Pöhl. „Wir werden im Rahmen einer internationalen Konferenz 600 Vertreter von Aufsichtsbehörden aus aller Welt in Frankfurt zu Gast haben und suchen ein würdiges Ereignis zum Abschluss unserer Konferenz. Sie planen doch . . .“

Der Erfinder der „Euro Finance Week“, Nader Maleki, wird am kommenden Wochenende 70. Bild-Zoom
Der Erfinder der „Euro Finance Week“, Nader Maleki, wird am kommenden Wochenende 70.

„So wurde ich auf einen Schlag 450 Tickets los und hatte dann keine große Mühe, auch die restlichen 150 zu verkaufen“, erinnert sich Maleki an das Jahr 1990. „Am Ende wurde es ein rauschendes Fest, das einen Überschuss von 70 000 Mark erbrachte.“ Das Geld reichte der Organisator – ein Jahr nach dem Mauerfall – an das Leipziger Gewandhausorchester von Kurt Masur weiter. Malekis Motto „big is beautiful“ hatte sich ausgezahlt.

„Das war im Grunde die Geburtsstunde der Euro Finance Week“, sagt der gebürtige Iraner heute, „zumindest dessen Nukleus.“ Denn es war auch die Geburtsstunde von Maleki als Zeremonienmeister des Finanzplatzes. Mit zwei Monatsgehältern auf dem Konto beschloss der damals 43-Jährige, seinem Angestellten-Dasein bei der Deutschen Bank Lebewohl zu sagen und aus dem ehemals ehrenamtlichen Engagement seinen Beruf zu machen. Und um im Jahr darauf, auch ohne eine Bundesbank-Konferenz, wieder genug Ball-Gäste für die Alte Oper zusammenzubekommen, erfand Maleki zusammen mit dem von ihm gegründeten IBF einen eigenen Kongress: den eintägigen „European Banking Congress“ (EBC), der dann Jahr für Jahr Finanz-Kapitäne aus aller Welt in Frankfurt vereinte. Später kam in Kooperation mit der Messe Frankfurt die Bank- und Technologiemesse hinzu, die weitere tausende Banker in die Main-Metropole führte.

Überlebt haben weder die Messe noch der Ball. Die Messe fiel 2007 der globalen Finanzkrise zum Opfer und wurde nicht wiederbelebt. Dem Ball – der später zunächst in „Finanzplatz-Gala“ und dann in „Benefiz-Gala“ umbenannt wurde – machten 2014 strengere Unternehmensregeln den Garaus, die sogenannten Compliance-Regeln, die nach den Korruptionsaffären um Siemens und den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff von keinem Unternehmen mehr ignoriert werden konnten. Was besagen diese Regeln? Kurz zusammengefasst: dass alle Angestellten alles zu vermeiden haben, was den Anschein von Bestechung und Bestechlichkeit erwecken könnte. Tödlich für die Benefiz-Gala, die Maleki inzwischen über Sponsoren-Gelder finanzierte.

Aber was mit dem Benefiz-Ball begann, hatte Maleki da längst zum wichtigsten Branchentreff der Finanzbranche in Kontinentaleuropa weiterentwickelt: die 1998 erstmals veranstaltete „Euro Finance Week“, die heute im Congress Center zum 20. Mal ihre Pforten für tausende Banker aus aller Welt öffnet – und den Verlust der Gala verschmerzbar machte. „Die war am Ende nur das Sahnehäubchen obendrauf“, sagt Maleki rückblickend. Inzwischen bildet der „European Banking Congress“ in der Alten Oper den glanzvollen Abschluss des fünftägigen Veranstaltungsmarathons, an dem unzählige Prominente teilgenommen haben.

Denn der geschickte Netzwerker Maleki kennt nun mal jeden – und alle kennen ihn. Ob Finanzminister, Geschäftsbanker, Zentralbanker, Politiker, Nobelpreisträger oder High-Tech-Milliardäre aus dem Silicon Valley – Maleki rief, und alle folgten seinem Ruf. Mit teilweise denkwürdigen Auftritten. Wie dem des charismatischen Microsoft-Gründers Bill Gates, des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet, der bei der Finance Week den Plan einer Leitzins-Erhöhung verriet, oder des US-Notenbank-Chefs Alan Greenspan, der mit seinem Vortrag den zuvor kräftig gestiegenen Dollar-Kurs in Grund und Boden redete.

Die schönste Komposition

Zahlreiche Kongress- und Tagungsformate hat Maleki seit 1991 für die Finanzwelt ins Leben gerufen – sehr viele erfolgreiche und auch einige weniger erfolgreiche. Um Geld sei es ihm dabei nie gegangen, betont das Marketing-Talent, das am kommenden Wochenende 70 wird. „Alle meine Projekte sind wie Melodien, die mir in den Sinn kommen“, so Maleki. „Diese Melodien sind es, für die ich immer gearbeitet habe.“ So gesehen, ist die „Euro Finance Week“, sicherlich seine schönste Komposition. Bislang. Denn müde wird Maleki nie: Inzwischen bemüht er sich vor allem um die Verbesserung der europäisch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen. Mehrere Vereinigungen hat er dafür gegründet; und nun will er sogar eine eigene Bank auf die Beine stellen, um die Finanzierung von Projekten im Iran zu ermöglichen. Gesucht werden 30 Millionen Euro Grundkapital . . .

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