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Kosmetik: Fair, vegan und nachhaltig: Ehemalige Controllerin entwickelt Körperpflege

Die junge Marokkanerin Amal Boutahar entwirft vegane Kosmetik. Die Rezepturen entwickelt sie in der eigenen Küche, bevor sie in Serie produziert werden. Die gelernte Controllerin will mit Nachhaltigkeit und fairen Arbeitsbedingungen die Konsumenten überzeugen.
Sultana-Cosmetics-Gründerin Amal Boutahar. Bilder > Sultana-Cosmetics-Gründerin Amal Boutahar.
Frankfurt. 

Amal Boutahar hat es von ihrer Großmutter gelernt. Diese zeigte ihr zum Beispiel, wie man Rosenwasser selbst destilliert und so seine Kosmetik selbst herstellen kann. Die eigene Küche wird daher für die junge Marokkanerin mit langer Geschichte in Deutschland schon seit Jahren zum Forschungslabor, was neue Cremes und Düfte angeht. „Es ist ein bisschen wie Plätzchen oder Kuchen backen“, sagt sie und lacht. Jetzt hat sie aus dem Hobby im Nebenerwerb einen Beruf gemacht. Sie entwirft Naturkosmetik mit dem Anspruch, vegan zu sein und auch die Arbeitsbedingungen der Lieferanten zu kennen. Der Name ihres Unternehmens: „Sultana Cosmetics“. Das klingt nach Marokko und nach Hochherrschaftlichkeit. Es soll bei den Produkten nachhaltig und fair zugehen. Das Ganze hat natürlich seinen Preis. Für den Start ihres Unternehmens hat Boutahar zunächst zwei Produkte entwickelt. Ein Hand- und Körperbalsam mit Namen „Hand of Fatima“. 30 Gramm kosten 39,90 Euro. Und ein Lippen- und Gesichtsbalsam mit Namen „Shine of Sina“ für 44,90 Euro je 14 ml. „Es sind Produkte, die nicht für die Masse gedacht sind“, umschreibt Boutahar vorsichtig ihre Zielgruppe.

Frauenkooperative

Die Zutaten für die Balsame sind sehr teuer im Einkauf. Ein Liter von dem Kaktusfeigenkernöl, das in dem Lippenbalsam verarbeitet ist, kostet 800 Euro, weil man eine ganze Tonne Kaktusfeigen braucht, um einen Liter davon herzustellen. Eine Frauenkooperative aus Marokko liefert das Arganöl für das Körperbalsam, was aus Nüssen gewonnen wird. Die Frauen dort müssen die Nüsse selbst knacken und werden pro Kilo bezahlt. Boutahar kennt die Arbeitsbedingungen vor Ort und will die Frauen mit ihrem Unternehmen unterstützen. Sie hat bereits zuvor schon einen Handel mit Naturprodukten aus Marokko gehabt, wie zum Beispiel mit Heilerde aus Marokko, aber der Markt hierfür habe sich verändert. „Ich bin nach Marokko geflogen, habe mir die Hersteller angeschaut. Eineinhalb Jahre habe ich das intensiv betrieben“, erinnert sich Boutahar. Aus dieser Zeit haben sich Kontakte entwickelt, die sie jetzt für ihre vegane Kosmetik nutzen kann: „Ich kenne die Leute, ich weiß, dass sie mir Qualität liefern. In der Kooperative arbeiten rund 60 Frauen, jede von ihnen hat Anteil am Gewinn der Firma“, weiß Boutahar.

Es geht ihr nicht nur um vegane Produkte, sie möchte etwas bewirken in Richtung Nachhaltigkeit. Dabei setzt sie auf marokkanische Zutaten und deutsche Handwerkskunst. Für die Serienproduktion ihrer Rezepturen arbeitet die dreifache Mutter mit einer Kosmetikmanufaktur aus Nordhessen zusammen. „Wir haben kürzlich die Rezeptur nochmal geändert, da stimmte sich die Manufaktur über jede Kleinigkeit mit mir ab“, zeigt sich Boutahar von der vielbeschworenen deutschen Präzision beeindruckt. „In Marokko kann man sich nicht in gleichem Maße auf die Absprachen verlassen, wie gerade hierzulande“, weiß Boutahar aus Erfahrung. Auch bei der Verpackung ist Boutahar nachhaltig konsequent. Ein Kästchen aus Holz mit dem Logo der Firma wird von den Behindertenwerkstätten aus Oberursel hergestellt.

Boutahar ist in Marokko geboren und aufgewachsen. Zum Studium kam sie nach Deutschland, hat in Frankfurt und in Fulda Betriebswirtschaft studiert. „Ich habe in Frankfurt nie das Gefühl gehabt, fremd zu sein“, lobt sie die Stadt. Boutahar spricht akzentfrei Deutsch.

Zertifizierung teuer

Nach dem Studium hat sie lange Jahre in Deutschland im Controlling gearbeitet und sich jetzt während ihrer Elternzeit in die Selbstständigkeit gewagt. Ihre Ansprüche an den Umsatz sind moderat. „50 000 Euro im ersten Jahr sollten es schon sein“, meint sie. „Ich möchte klein anfangen und mich dann langsam steigern.“ Denn für große Margen fehlen auch größere Lagermöglichkeiten.

Für ihre erste Produktlinie hat Boutahar auch ein Mikrodarlehen aufgenommen, bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen. Dazu hat sie selbst noch viel Geld ins eigene Unternehmen investiert. Ihre Produkte sind angemeldete Marken. Für eine Zertifizierung nach ökologischen Standards hat es noch nicht gereicht. „Die Zertifizierung ist sehr teuer, das kann ich mir als Start-up nicht leisten.“

Boutahar wird auf der Vivaness, der Kosmetikfachmesse der Ökofachmesse Biofach in Nürnberg in diesem Jahr an einem Stand für Start-ups aus der Branche präsent sein. Los geht es im Februar. Bis dahin will sie auch ihren Online-Shop starten, wo Interessierte ihre Naturkosmetikprodukte bestellen können. Von Amazon oder eBay für ihren Vertrieb hält die Betriebswirtschaftlerin nicht viel. „Das ist nicht nachhaltig und passt nicht zu meinem Konzept“, sagt sie.

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