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Familienbetrieb: Familie aus Bad Kreuznach stellt Christbaumschmuck her

Die Machemers sind ein Familienbetrieb, seit über fünfzehn Jahren stellen sie Christbaumschmuck aus unbehandelten Naturhölzern her. Der Betrieb ist für sie mehr als ein zweites Standbein, er ist gelebte Liebe zum Material Holz.
Traditionelle Holzkunst: Klaus Machemer an seinem Stand auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt. Traditionelle Holzkunst: Klaus Machemer an seinem Stand auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt.
Wiesbaden. 

Was Klaus Machemer am meisten liebt am Verkaufen auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt, ist der Kundenkontakt und das internationale Flair. Italiener, Amerikaner, Franzosen und Schweizer – alle kämen sie vorbei an seinem Stand. Er freue sich immer, wie international Wiesbaden ist. Machemer hat früher in der Luxusgastronomie gearbeitet. Daher kann er sich in all diesen Sprachen gut verständigen und genießt das.

Das ganze Jahr über arbeiten er und sein Bruder Steffen, der das Unternehmen führt, in der hauseigenen Werkstatt in Bad Kreuznach. Sie machen dort Christbaumschmuck, Lichterbögen, wie man sie aus dem Erzgebirge kennt, sowie kleine Krippen und Fensterbilder aus verschiedensten Hölzern.

Das Rohmaterial, direkt aus dem Sägewerk als dicke Bretter geliefert, lagert sicher belüftet und trocken auf dem Dachboden über der Werkstatt – oft jahrelang. „Es dauert Jahre, bis das Holz gut getrocknet ist“, meint Klaus Machemer. Meist sind es Edelhölzer aus der Region, Nussbaum, Kirsche, Esche oder Buche, die die Machemers verarbeiten, zu Käsebrettchen oder Tischschmuck mit Teelichtern als Weihnachtsdekoration: Elche, Herzen, Sterne, in verschiedenen Naturfarben. Der dunkle Nussbaum, kombiniert mit hellerem Holz, ergibt ein schönes Muster. Auch erstellen er und sein Bruder kleine Krippenmotive aus Tannenrinde oder Rebholz. Beide haben durch ihre Großeltern noch einen Bezug zum Weinbau. „Als Kinder gingen wir beim Opa in den Weinberg zur Lese“, erinnert sich Klaus. Das Rebholz bekommen sie von Bekannten, es würde sonst entsorgt.

Die Kunst des Laubsägearbeitens beherrscht sein Bruder Steffen. Aus Pappelholz sind Fensterbilder und Lichterbögen sowie der filigrane Christbaumschmuck. Mit einer Feinlaubsägemaschine sägt der Kunsthandwerker die Motive aus Sperrholz, das in sechs Schichten übereinandergelegt wird. Um die Säge einzuführen, müssen vorher Löcher ins Holz gebohrt werden. Je nach Motiv sind manchmal über hundert Bohrlöcher nötig, von denen aus die Säge dann in Feinarbeit die Konturen freilegt. Klaus Machemer zeigt auf ein Fensterbild mit zwei Kätzchen in einem Korb: „Hierfür mussten 124 Löcher gebohrt werden. In Handarbeit. Man braucht deshalb ein gutes Auge und eine ruhige Hand.“

Keine Internet-Präsenz

Die Machemers verkaufen ihre Ware ausschließlich auf Weihnachtsmärkten wie in Wiesbaden und Mainz oder im pfälzischen Bad Münster. Im Internet sind sie nicht präsent. „Das lohnt sich für uns nicht“, sagt Klaus Machemer. Denn in ihrem Geschäft dreht sich alles um die Weihnachtszeit. Man habe es auch mal auf einem Ostermarkt probiert, mit entsprechenden Motiven. „Das läuft nicht“, ist Machemers Erfahrung. Er ist heuer zum zwölften Mal dabei, Bruder Steffen seit über fünfzehn Jahren. Auch in Frankfurt für den Weihnachtsmarkt am Römer hätten sie sich beworben, leider habe es nicht geklappt. „Für uns sind Mainz und Wiesbaden eben auch näher dran.“

Steffen Machemer hat noch einen Teilzeit-Job bei der Stadt Bad Kreuznach. Ansonsten widmet er seine ganze Zeit der Werkstatt, das ganze Jahr über stellt er die Schmuckstücke für Weihnachten her, er beginnt schon im Januar. Und auch wenn die ganze Familie in der Vorweihnachtszeit hilft, der Bruder, die Schwester, Frau, Sohn und Freundin: „Davon leben kann ich nicht“, sagt Steffen Machemer. 30 000 bis 40 000 Euro erwirtschaftet die Familie im Weihnachtsmarktgeschäft. Doch sind die Investitionen hoch: In Wiesbaden kostet alleine der Bau einer drei mal drei Meter großen Hütte durch eine private Firma 6000 Euro. „Ich habe meine Hütte deshalb selber gebaut“, sagt Machemer. Für den Auf- und Abbau und die Lagerung über das Jahr würden durch die Fremdfirma 1500 Euro fällig, hinzu kommen Strom, Standgebühren und die täglichen Fahrtkosten. Wegen der Sicherheitslage auf den Weihnachtsmärkten machen sie sich Sorgen. „Im vergangenen Jahr direkt nach dem Anschlag in Berlin hat man das schon gespürt, die Leute hatten Angst“, erinnert sich Klaus Machemer. Und sein Bruder Steffen befürchtet, dass die gesteigerten Sicherheitsmaßnahmen sich auch in höheren Standgebühren niederschlagen werden. „Man bekommt einen Fünfjahresvertrag, weiter kann man nicht planen“, sagt er.

Lange Tage in der Kälte

Klaus Machemer ist in diesen Tagen oft 13 Stunden täglich unterwegs. Morgens um 10 Uhr öffnet er den Stand, meist geht es bis 21 Uhr, am Wochenende auch länger. Bei jedem Wetter. Ein Rezept gegen kalte Füße? „Außer Winterbaumwollsocken und gefütterten Schuhen gibt es da nicht viel.“ Er hat auch einen Heizstrahler, für alle Fälle. Aber bei kalten Temperaturen sei es oft einfach schmerzhaft. Mit den Kunden zu scherzen lenkt ihn ab. Und kleine Besucher freuen ihn besonders. „Kinder machen oft Laubsägearbeiten in der Schule und wissen, dass das viel Arbeit ist.“

Und dann verrät er noch sein Geheimrezept für einen erfolgreichen Verkaufstag: „Am besten man lässt die Leute kommen. Für manche ist auch ein Hallo schon zu viel, dann haben sie oft das Gefühl, sie müssten was kaufen.“ Kommt es dann zum Kontakt, ist Machemer um keinen Scherz verlegen. „Haben Sie das Wetter bestellt?“, fragt er eine Kundin, als es in Strömen regnet. „Wenn wir auch das noch bestimmen könnten“, antwortet die im Scherz, „das wär nicht gut.“

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