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Fraport: Fluglärm nimmt dieses Jahr kräftig zu

Von Der Frankfurter Flughafen eilt von einem Passagierrekord zum nächsten. Der Betreiber erwartet rund 40 000 zusätzliche Flugbewegungen - stärkster prozentualer Anstieg seit 30 Jahren. Muss die Fraport deshalb den Lärmschutz verstärken?
Symbolbild Bilder > Foto: Boris Roessler (dpa) Symbolbild
Frankfurt. 

Wer den Fluglärm im Raum Frankfurt jetzt schon als unerträglich empfindet, würde jetzt wohl am liebsten laut aufschreien: In diesem Jahr werden noch viel mehr schwere Düsenmaschinen ab fünf Uhr morgens mit ausgefahrenem Fahrwerk über Häuser und Gärten einen infernalischen Krach veranstalten. Wie Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte gestern bei der Bilanzvorlage des Konzerns bekanntgab, rechnet der Vorstand für 2018 mit einem Anstieg der Flugbewegungen um satte neun Prozent bzw. 42 798 auf insgesamt 518 335 Starts und Landungen. Einen solch deutlichen prozentualen Anstieg der Flugbewegungen hatte der Frankfurter Airport nach Berechnungen dieser Zeitung zuletzt vor 30 Jahren verzeichnet: 1988 war die Zahl der Starts und Landungen um 9,15 Prozent bzw. 24 635 auf 293 948 in die Höhe gegangen.

Bis zu 68,5 Mio Passagiere

Dass nun wieder so viel mehr Maschinen von und nach Frankfurt fliegen, überrascht – Schulte hat in den vergangenen Jahren immer betont, dass die Flugbewegungen an Deutschlands größtem Airport bei weitem nicht so stark zunehmen würden wie das Passagierwachstum. Dabei hat er stets darauf verwiesen, dass die Fluggesellschaften immer größere Maschinen – wie den A 380 – einsetzen und diese auch immer besser auslasten. Tatsächlich kann sich auch die gestern aktualisierte Prognose für das Passagierwachstum sehen lassen: Das Fraport-Management rechnet damit, 2018 zwischen 67 und 68,5 Millionen Fluggäste begrüßen zu können. Aber das entspricht einem Zuwachs zwischen 3,9 und 6,2 Prozent – und liegt damit deutlich unter dem vorausgesagten Plus bei den Starts und Landungen.

Hintergrund Auslandsgeschäft gibt Konzerngewinn starken Auftrieb

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Noch im vergangenen Dezember hatte Schulte gesagt: „Wir rechnen damit, dass die Zahl der Flugbewegungen in diesem und im nächsten Jahr um etwas mehr als zwei Prozent steigen wird.“ 2017 zählte der Flughafen-Betreiber letztlich 2,7 Prozent mehr Starts und Landungen und 6,1 Prozent mehr Passagiere. Dagegen hatten die Flugbewegungen zwischen 2011 und 2016 Jahr für Jahr tatsächlich abgenommen.

„Effekt nicht dauerhaft“

Dass es sich bei der aktuellen Entwicklung um eine nachhaltige Trendumkehr handeln könnte, schloss Schulte gestern auf Nachfrage aus: „Dieser Effekt wird nicht dauerhaft sein“, versicherte der Fraport-Chef, „zurzeit sind bei den Airlines große Flugzeuge wie der A 380 oder die Boeing 777 nicht mehr so in Zulauf.“ Das werde sich sicherlich wieder ändern. Allerdings trägt auch die zunehmende Zahl der Billigflieger und der Ferienflieger dazu bei, dass die Starts und Landungen überproportional zulegen, wie Schulte einräumte. „Diese Airlines setzen für die kleineren Destinationen, die sie ansteuern, eben kleinere Flugzeugmuster ein“, so der Manager. Für Fraport sei es wichtig, dass der Frankfurter Flughafen möglichst viele Ziele verbinde – große Destinationen ebenso wie kleine. „Das ist nun mal die Funktion des Hubs in Frankfurt.“

Dass der Anteil der Billigflüge am teuren Frankfurter Flughafen in den kommenden Jahren deutlich steigen könnte, schloss Schulte aus: „Das Geschäft mit den Low-Cost-Airlines wird hier immer ein Randgeschäft bleiben“, betonte er. Nach Angaben des Unternehmens entfallen derzeit rund drei Prozent der Flüge auf Ryanair, Easyjet und Wizz Air. Dieser Wert soll im Laufe des Jahres auf fünf Prozent steigen.

Unter Handlungsdruck sieht Schulte nach gestriger Aussage das Unternehmen aufgrund der deutlich steigenden Zahl der Starts und Landungen nicht – auch nicht mit Blick auf die sogenannte Lärmobergrenze, die die Fraport im November mit Hessens Landesregierung, den Airlines und der Frankfurter Fluglärmkommission vereinbart hat. Demnach soll der Dauerschallpegel um 1,8 Dezibel unter den Wert gedrückt werden, der laut Planfeststellungsbeschluss bei bis zu 701 000 Flugbewegungen pro Jahr möglich ist – mehr Flugbewegungen sind in Frankfurt nicht erlaubt. Nach Schätzungen von Experten würde die Belastung damit nur knapp über dem heutigen Niveau eingefroren. Demnach hat die Fraport noch etwa 0,2 Dezibel Spielraum. Ob die Flugzeuge da schon in diesem Jahr leiser werden müssen, blieb gestern offen. „Wir müssen da nichts ändern“, sagte Schulte. Für den Fall, dass die Obergrenze überschritten wird, sind ohnehin keine Sanktionen durch die Landesregierung vorgesehen.

So treiben denn Schulte auch vielmehr die Kapazitätsprobleme um, die mit dem kräftig steigenden Flugaufkommen absehbar werden. Nicht auf der Piste – da ist im Herbst 2011 die Nordwestbahn in Betrieb genommen worden. Aber bei der Passagierabfertigung in den Terminals: An etwa 140 Tagen werde der Flughafen in diesem Jahr mehr als 200 000 Gäste abfertigen, berichtete Schulte gestern. Erleichterung soll der vorgezogene Bau des Flugsteigs G vom Terminal 3 verschaffen. 2020 will Schulte den Flugsteig eröffnen. „Da sind wir voll im Plan“, sagte er. „Mitte des Jahres werden wir wohl mit dem Bau beginnen.“

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