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Finanzzentrum in Kontinentaleuropa: Frankfurt Sieger im Brexit-Rennen

Von Frankfurt könnte nach dem Brexit zum führenden Finanzzentrum in Kontinentaleuropa aufsteigen. Der Deutsche-Bank-Chef und der Bundesfinanzminister sehen die Stadt vorn.
Vom Brexit profitieren: Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat gestern eine Lanze für den Finanzplatz Frankfurt gebrochen. Foto: Marc-Steffen Unger/www.ms-unger. Vom Brexit profitieren: Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat gestern eine Lanze für den Finanzplatz Frankfurt gebrochen.
Frankfurt. 

John Cryan ist keiner, der schon immer Werbung für den Finanzplatz Frankfurt gemacht hätte. „Unser Name ist Deutsche Bank, nicht Frankfurter Bank“, hatte der Deutsche-Bank-Chef noch Anfang des Jahres auf die Frage dieser Zeitung geantwortet, ob das Institut nach dem Brexit Jobs aus London an den Main oder doch an andere deutsche Standorte verlagern werde. Doch nun hat er sich klar positioniert – für die Main-Metropole: „Für mich ist das Rennen eigentlich schon gelaufen, bevor es angefangen hat“, sagte Cryan auf der Tagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt.

Zwar gebe es Wettbewerber wie Dublin, Amsterdam oder Paris – aber keiner dieser Standorte habe Strukturen, um nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU wirklich einen substanziellen Teil des Geschäfts aus London zu übernehmen: „Diese Voraussetzungen bringt nur eine europäische Stadt mit, und das ist Frankfurt. Hier sind die relevanten Aufsichtsbehörden, große Anwaltskanzleien und Beratungsfirmen, es gibt hervorragende Datenleitungen in die ganze Welt, und wir haben einen internationalen Flughafen“, zählte Cryan auf. „All das spricht dafür, an den Main zu ziehen, wenn man die Themse verlassen muss.“

EU-Pass erforderlich

Die britische Lizenz, mit der Banken noch in der ganzen EU Geschäfte machen dürfen, wird mit dem Brexit aller Voraussicht nach ihre Gültigkeit verlieren. Um weiterhin Produkte in den verbleibenden 27 EU-Ländern verkaufen zu können, wird dann ein „Pass“ in einem dieser Staaten erforderlich. Deshalb läuft seit längerem eine Diskussion, in welche Städte die Europa-Zentralen abwandern werden. „Ich kann diese Debatte nicht so ganz nachvollziehen“, sagte Cryan. Nur Frankfurt habe nach dem Brexit die Chance, eine führende Rolle als europäisches Finanzzentrum zu übernehmen.

„Paar hundert Restaurants“

Für Verlagerungen aus London gebe es „natürlich keinen besseren Platz in Kontinentaleuropa als Frankfurt als Sitz der Europäischen Zentralbank“, sagte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Deswegen plädiere er auch dafür, die derzeit noch in London ansässige Europäische Bankenaufsicht (EBA) an den Main zu holen. Zwar gebe es andere Bewerber, aber: „Ich hoffe, wir werden uns mit den besseren Argumenten für den Standort Frankfurt durchsetzen“, sagte Schäuble, merkte jedoch an: „Auch nach dem Brexit wird das Finanzzentrum London wichtig bleiben.“

Die Schätzungen, wie viele Banker aus London nach Frankfurt ziehen könnten, schwanken stark; häufig wird die Zahl 8000 genannt, zum Beispiel von der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen. Der Auftakt verlief vielversprechend, etliche ausländische Banken zum Beispiel aus Japan haben bereits den Antrag auf eine Banklizenz in Deutschland gestellt. Cryan: „Wenn wir, die Deutsche Bank, uns derzeit darauf vorbereiten, mehr Geschäfte außerhalb Londons abwickeln zu können, dann ist Frankfurt für uns die natürliche Anlaufstelle – und für viele unserer Wettbewerber sieht es ähnlich aus.“ Wie viele Stellen das größte deutsche Geldhaus wegen des Brexits von der Themse nach Frankfurt verlagern will, ließ er allerdings offen.

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Banken und Finanzminister Wolfgang Schäuble haben einen raschen Kurswechsel der EZB gefordert. Schäuble sagte, die Geldpolitik der EZB habe zur Überwindung der Krise beigetragen, sei aber nicht mehr

clearing

Doch hätten es Deutschland und Frankfurt selbst in der Hand, wie stark sie vom Brexit profitieren würden – die Main-Metropole konkurriere auch mit internationalen Finanzzentren wie New York oder Singapur. Cryan stellte klar, er rufe weder nach Ansiedlungsprämien noch nach Steuervorteilen und fordere keine laxere Regulierung und auch nicht Änderungen im deutschen Arbeitsrecht. Um internationale Banker anzulocken, seien eher zusätzliche attraktive Wohnviertel, mehr internationale Schulen und Theater und „ein paar Hundert neue Restaurants“ notwendig; daneben müsse ein Netzwerk von Dienstleistern entstehen. „Der Brexit könnte also zu einem riesigen Konjunkturprogramm für Frankfurt werden. Die Stadt und das Land Hessen müssen es nur wollen“, sagte der Deutsche-Bank-Chef – und sie müssten jetzt die nötigen Entscheidungen treffen.

Freilich könnte der Wettbewerb unter Banken in Frankfurt noch zunehmen, wenn die künftigen Europa-Zentralen auch lokales Geschäft akquirieren wollen. Commerzbank-Chef Martin Zielke sieht es allerdings „nicht als Bedrohung, dass Wettbewerber im attraktiven deutschen Markt für Firmenkunden Fuß fassen wollen. Im Gegenteil, es spornt uns an, einfacher, besser und schneller zu werden. Ohne die persönliche Komponente, den Berater, aus den Augen zu verlieren.“

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