Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige LS Lederservice Sie suchen einen Spezialisten aus Rhein-Main? Frankfurt am Main 26°C
1 Kommentar

Finanzplatz: Frankfurt hofft auf Brexit-Beute

Von Der Brexit wirbelt Europas Institutionen und Finanzwelt kräftig durcheinander. Der hessische Finanzminister Schäfer macht sich nun auch dafür stark, das sogenannte Euro-Clearing von der Themse an den Main zu holen. Es geht um einen Billionen-Markt.
Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (Mitte) in den Räumen der Eurex Clearing in Eschborn. Dort wickeln 70 Mitarbeiter ein Transaktionsvolumen an Derivaten in Höhe von 200 Billionen Euro pro Jahr ab. Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (Mitte) in den Räumen der Eurex Clearing in Eschborn. Dort wickeln 70 Mitarbeiter ein Transaktionsvolumen an Derivaten in Höhe von 200 Billionen Euro pro Jahr ab.
Eschborn. 

Der Kampf um die Brexit-Beute ist inzwischen voll entbrannt. Europas Finanzmetropole London wird nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nicht nur internationale Banken und Finanzdienstleister verlieren. Auch EU-Institutionen können ab 2019 nicht mehr an der Themse beheimatet sein. Nach der EU-Bankenaufsicht EBA und der Arzneimittelbehörde rückt mehr und mehr das sogenannte Euro-Clearing in den Fokus der wetteifernden Nationen. Auch Frankfurt macht sich Hoffnungen.

Genauer gesagt Eschborn. Dort ist nämlich der Sitz eines großen Clearing-Hauses: Die Eurex Clearing hat ihre Büros im „Cube“ in der Mergenthaler Allee, der Zentrale ihrer Muttergesellschaft Deutsche Börse. Hessens Finanzminister Thomas Schäfer gab gestern vor Ort in diesem spektakulären Gebäude eine Bewerbung für Eurex Clearing als eine Alternative zu Londoner Clearing-Häusern ab.

Hauptkonkurrent in Paris

Dabei zielte seine Ansage mehr in Richtung Paris, wo mit Clearnet SA der Hauptkonkurrent für Eschborn angesiedelt ist. In London werde noch immer versucht, das Szenario einer Verlagerung dieser außerbörslichen Derivat-Geschäfte in Euro zu verdrängen. Schäfer stellt nun die Eurex ins Schaufenster und sagt: Die Eurex sei gut vorbereitet, das Derivate-Clearing aus London zu übernehmen. „Am heutigen Tag wollen wir den Briten zeigen, dass es ein bedeutendes deutsches Unternehmen gibt, das die Clearing-Aufgaben übernehmen kann“, lautet seine Botschaft.

Beim Clearing geht es um einen Billionen-Markt. 90 Prozent des Kuchens wird in London abgewickelt. Seit der Finanzkrise haben Clearing-Häuser an Bedeutung gewonnen. Sie wickeln nicht nur Transaktionen zwischen zwei Handelspartnern ab, sie übernehmen auch die Ausfallrisiken, die dabei entstehen können. In „Schönwetterzeiten sei auch ein Standort außerhalb der EU unproblematisch“, sagte der Finanzminister. Doch in Krisen müsste eine Aufsicht in der Lage sein, eingreifen zu können, und zwar über nationales Recht hinweg. Dies sei nach dem EU-Austritt der Briten eben nicht mehr garantiert. Darum sieht Schäfer eine Verlagerung der Clearing-Aktivitäten für alle Euro-Finanzprodukte weg aus London als wahrscheinlichste Lösung an.

Spezialisten verfügbar

Also bereite sich Hessen drauf vor, eine weitere EU-Institution aus London an den hiesigen Finanzplatz zu lotsen. „Wir sehen uns sehr ordentlich positioniert“, glaubt der CDU-Politiker wohl wissend, dass Konkurrent Paris „sehr offensiv“ in diese Frage unterwegs sei. Schäfer wird nicht müde, die Standortvorteile des Finanzplatzes Frankfurt aufzulisten:

Finanzspezialisten in ausreichender Zahl seien auf dem hiesigen Arbeitsmarkt verfügbar;

Bürofläche zu deutlich günstigeren Mietpreisen als in London sei vorhanden;

vom Flughafen aus seien alle Metropolen Europas in kürzester Zeit erreichbar.

Kündigungsschutz lockern

Das deutsche Arbeitsrecht möchte Schäfer gerne so reformieren, dass Ausnahmen beim Kündigungsschutz geschaffen werden, die es Firmen ermöglichen, Mitarbeiter mit Jahreseinkommen von über 300 000 Euro auch kurzfristig freisetzen zu können. Doch das sei in einem Wahljahr nicht mehr zu realisieren. Er will sich jedoch dafür einsetzen, dass dieser Reformansatz ins nächste Regierungsprogramm einfließt.

Beim Kampf ums Euro-Clearing gehe es der hessische Landesregierung nicht in erster Linie um neue Arbeitsplätze, so Schäfer. Vielmehr will der Finanzpolitiker daran mitwirken am Finanzplatz Frankfurt ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das dessen internationalen Stellenwert weiter erhöht.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse