Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Nur 36 Aussteller, aber herausragende Angebote: Frankfurter Antiquariatsmesse öffnet: Raritäten im Altbücherland

Von Die Frankfurter Antiquariatsmesse als Teil der Buchmesse zieht wieder Liebhaber alter und seltener Bücher an. Sie öffnet heute in Halle 4.1.
Die Frankfurter Antiquariatsmesse ist die internationalste in Deutschland. Die Frankfurter Antiquariatsmesse ist die internationalste in Deutschland.
Frankfurt. 

Wenn von heute an wieder Buchliebhaber aus aller Welt aufs Messegelände strömen, müssen sie sich aufs Gucken und Zuhören beschränken; der Bücherverkauf ist auf dem ganzen Messegelände untersagt. Auf dem ganzen Messegelände? Nein, in Halle 4.1 bieten Händler wertvolle und seltene Bände, aber auch preiswertere alte Ausgaben in Hülle und Fülle zum Kauf an. Die Frankfurter Antiquariatsmesse ist seit 2005 ein fester Bestandteil des Branchentreffs – und steht ab heute 11 Uhr nicht nur Fachbesuchern wie zum Beispiel Verlegern oder Buchhändlern offen, sondern auch ganz normalen Kunden – vorausgesetzt, sie haben sich rechtzeitig Karten gesichert.

Zwar steckt die Gebrauchtbuch-Branche seit dem Aufkommen des Internets in der Krise, allein in diesem Sommer haben im Rhein-Main-Gebiet mehrere traditionsreiche Antiquariate für immer geschlossen: Sellner, Stein und Partner in Frankfurt-Sachsenhausen, Wolfgang Sämann in Frankfurt-Höchst oder Karel Marel in Friedberg. Allein zwischen 2010 und 2014 sanken die Umsätze des Antiquariatsbuchhandels in Deutschland um fast ein Viertel auf 56 Millionen Euro (wobei allerdings die vielen kleinen Händler nicht erfasst sind). Die Probleme zeigen sich auch am Rückgang der Messe-Ausstellerzahlen in den vergangenen Jahren. Die Frankfurter Antiquariatsmesse hatte mit 75 Teilnehmern begonnen, zeitweise waren rund 100 Aussteller vertreten; im laufenden Jahr sind es nur noch 36.

Frankfurt sei damit zwar besonders stark vom Teilnehmer-Schwund betroffen, aber keineswegs ein Einzelfall, sagt der Organisator der Messe, Detlef Thursch. Er hat nachgerechnet: Kamen 2005 zu sieben deutschen Antiquariatsmessen noch 439 Händler, so waren es elf Jahre später nur noch 209 Stände auf den vier verbliebenen Veranstaltungen. Frankfurt leide unter der relativ langen Dauer von fünf Tagen mit Öffnungszeiten bis zu neuneinhalb Stunden, so dass der Umsatz viel höher ausfallen müsse als beispielsweise in Stuttgart, damit ein Antiquar zufrieden nach Hause fahren könne, meint Thursch. Er hält aber Antiquariatsmessen – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – keineswegs für ein Auslaufmodell, die diesjährige Schau sei „mit Sicherheit kein Tiefpunkt der Branche. Die meisten der hier angebotenen Titel wird man nicht auf Internetplattformen finden“.

Frankfurt ist zudem die internationalste Messe der Branche, mit Teilnehmern auch aus den Niederlanden, Österreich, den USA und Italien – und auch vielen ausländischen Besuchern. Neben alten Büchern gibt es Grafik und Autographen sowie Kunst- und Fotobände.

Highlights im Angebot

Als Highlight des Angebots hebt Thursch die Sammlung des Heidelberger Händlers Thomas Hatry hervor, der das seltene Programm des Saturn-Verlages (des 1890 in Heidelberg geborenen Dichters Hermann Meister) präsentiert; die 180 Bücher und zahlreichen Briefe sollen 15 000 Euro bringen. Daneben hat Hatry ein herausragendes Angebot deutscher Exilliteratur aus der Zeit des Nationalsozialismus mitgebracht. Geradezu sensationell ist nach Thurschs Worten der von Andreas Moser angebotene Teilnachlass von Ingeborg Bachmann aus ihren Studentenjahren 1945 bis 1950. Dieses Konvolut von über 1200 Seiten Originalhandschriften, Vorlesungsmitschriften, Vorarbeiten zur Dissertation und eigenhändiger Korrespondenz der berühmten Dichterin soll immerhin 400 000 Euro kosten.

Im Katalog finden sich weitere Raritäten: Sibylle Wieduwilt vom Frankfurter „Tresor am Römer“, auch Vorstandsvorsitzende des Verbands Deutscher Antiquare, bietet unter anderem ein von Karl Rossel herausgegebenes Album mit 30 Ansichten von Hessen-Nassau an (1864, 2200 Euro). Reiss & Sohn (Königstein) offerieren beispielsweise ein äußerst seltenes Werk zur hessischen Landesgeschichte: J. J. Winkelmanns „Gründliche und warhafte Beschreibung der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld, samt deren einverleibten Graf- und Herrschaften“ in fünf Bänden (1697, 2500 Euro).

Manfred Nosbüsch (Kuchenheim) hat den allerersten Reiseführer dabei, in dem sich Karl Baedeker unter eigenem Namen als Bearbeiter nennt, und zwar über eine Rheinreise 1849 von Basel bis Düsseldorf (2500 Euro).

Gerhard Gruber (Heilbronn) bietet eine Erstausgabe der Dissertation des hessischen Sozialrevolutionärs Georg Büchner von 1836 an (17 500 Euro). Bei Richard Husslein (Planegg) wiederum gibt es ein Widmungsexemplar des bekanntesten Werks des deutlich jüngeren Revolutionshelden Che Guevara aus dem Jahr 1963 (3400 Euro).

Freikarten erhältlich

Ein Tipp fürs nächste Jahr: Gegen Zusendung des Rückportos kann sich jeder Besucher von Thursch Freikarten zuschicken lassen. Der Veranstalter rechnet dieses Jahr mit bis zu 7000 Besuchern.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse