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Neue Zielgruppen im Visier: Frankfurter Musikmesse kämpft mit Events gegen Ausstellerschwund

Von Der europaweit bedeutendste Musik-Branchentreff stemmt sich gegen den Ausstellerschwund. Die Digitalisierung wälzt den Markt um.
Die traditionsreiche Musikmesse bemüht sich seit 2016 verstärkt um Endkunden, die in den Hallen auch Instrumente ausprobieren können. Foto: PIETRO SUTERA Die traditionsreiche Musikmesse bemüht sich seit 2016 verstärkt um Endkunden, die in den Hallen auch Instrumente ausprobieren können.
Frankfurt. 

Smartphone statt Klavier oder Gitarre, Streaming statt CD-Kauf – die veränderten Lebensgewohnheiten von Jugendlichen setzen die Musikbranche unter Druck. Und damit natürlich auch die Weltleitmesse der Musikinstrumenten-Hersteller, die Musikmesse in Frankfurt. Vergangenes Jahr wagte die Messe Frankfurt einen Neuanfang: Die Veranstaltung wanderte aufs Westgelände (also in die Hallen 8 bis 11) und tauschte damit die Plätze mit dem einstigen Ableger „Prolight+Sound“ für Veranstaltungstechnik. Ein hoher sechsstelliger Betrag wird jährlich in ein Festival und das Rahmenprogramm investiert, das die Schau in die gesamte Stadt tragen soll. Neue Angebote für die Besucher – wie „Drum Camp“ oder die Bühne „Center Stage“ – kamen hinzu, die Schau steht nun an allen Tagen dem breiten Publikum offen. Und der Erfolg? „Die strategische Neuausrichtung trägt erste Früchte“, sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt.

Gefragte Konzerte: die „Center Stage“ auf dem Freigelände Bild-Zoom Foto: PIETRO SUTERA
Gefragte Konzerte: die „Center Stage“ auf dem Freigelände

Allerdings waren im Vorjahr mehrere namhafte Hersteller der Schau ferngeblieben, zum Beispiel Fender oder Gibson. Dieses Jahr sind immerhin Ibanez, Warwick und Sonor wieder mit dabei. Ein Kritikpunkt war auch der geschrumpfte Platz, so dass es vor allem in der Rock-Pop-Halle 11.0 extrem laut wurde und konzentriertes Zuhören fast nur noch mit Kopfhörer möglich war. Braun will mit Schallschutz-Vorhängen und Lärmpausen für mehr Business-Qualität sorgen. Auch will die Messegesellschaft dieses Jahr mit Musikschulen und Musiktherapie neue Zielgruppen erreichen; aus dem bisherigen Programm „Music4Kids“ wird ein eigenes 600-Quadratmeter-Zelt auf dem Messe-Freigelände, wo „Discover Music“ das Ausprobieren von Instrumenten ermöglicht.

Den Besuchern des Branchentreffs sollen alle Stilrichtungen von Klassik bis Punk geboten werden. Insgesamt soll es auf der Musikmesse von Mittwoch bis Samstag rund 1000 Events geben, teilweise mit namhaften Künstlern. In der ganzen Stadt sind rund 50 Festival-Konzerte mit Musikern wie dem Jazztrompeter Till Brönner oder der Soulsängerin Oleta Adams geplant. Die „Prolight+Sound“ öffnet und schließt jeweils einen Tag früher.

In den Vorjahren ist die Musikmesse (bei der 2012 noch mehr als 1500 Firmen teilnahmen) stetig geschrumpft, auf dieses Jahr nur noch 972 Aussteller, erneut 130 weniger als im Vorjahr. Bei der „Prolight+Sound“ sind schon fast ebenso viele Unternehmen dabei, nämlich 950, was erneutes leichtes Wachstum bedeutet.

Boxen und Kopfhörer

Der dramatische Wandel des Marktes zeigt sich auch an den Umsatzzahlen. Zwar wiesen die klassischen Instrumentengattungen im vorigen Jahr immerhin leichte Wachstumsraten aus, wenn auch vor Abzug der Preissteigerungen: Tasteninstrumente um ein Prozent, Saiteninstrumente um 3,4 Prozent. Wesentlich kräftiger legten allerdings Lautsprecher/Beschallung (plus 15 Prozent), Software (plus 12 Prozent oder Kopfhörer zu. Dadurch ist der Anteil „klassischer“ Musikinstrumente (inklusive Blasinstrumente und Schlagzeug) am Gesamtumsatz der Branche von rund einer Milliarde Euro auf nur noch gut ein Drittel gesunken. „Noch vor wenigen Jahren waren sie die marktbeherrschenden Umsatzgaranten – das hat sich komplett verlagert“, sagt der Geschäftsführer des Branchenverbands SOMM, Daniel Knöll. Für das laufende Jahr fürchtet er Umsatzrückgänge für verschiedene Instrumentengruppen, weil das Holzarten-Abkommen CITES den Handel erschwert und der häufig ausfallende Musikunterricht an den Schulen den potenziellen Kunden-Nachwuchs schmälert.

Zudem werden die Trend-Produkte gerne online gekauft: Der Internethandel legt dadurch immer mehr zu, im Fachhandel hingegen schreitet durch den harten Preiskampf die Konsolidierung voran. Das gilt auch für die großen Hersteller, nur acht Unternehmen erwirtschaften mittlerweile rund die Hälfte des Branchen-Umsatzes. Einst waren Exporte aus Deutschland weltweit gefragt; inzwischen importieren wir mehr Instrumente (vor allem aus Asien), als wir selbst ausführen.

Land vor Großstadt

Übrigens wird auf dem Land deutlich häufiger musiziert als in Großstädten: Während laut einer Media-Control-Studie in deutschen Dörfern 42,4 Prozent der Einwohner ein Instrument spielen, sind es in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern nur 28,7 Prozent.

Die Musikmesse hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet an der Tageskasse 40 Euro (ermäßigt 20 Euro) , am Samstag 20 Euro (ermäßigt 8 Euro).

 

Ein Mann auf der Musikmesse in Frankfurt am Main am 06.04.2016. Foto: Boris Roessler
Frankfurter Musikmesse Musikmarkt im Wandel

Messen bilden Märkte ab – nicht mehr und nicht weniger. Ein Kommentar von Thomas Baumgartner.

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