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Frankfurter Flughafen: Fraport-Chef verteidigt Terminal 3: Verkehrsprognosen überprüft

Von Die Zeiten, in denen die Ausbaugegner auf den Hauptversammlungen der Fraport AG Vorstand und Aufsichtsrat einheizten, sind längst vorbei. Und so hatte die Konzernführung leichtes Spiel.
Vorstandschef Stefan Schulte stellte den Aktionären für die kommenden Jahre »eine mindestens konstante Dividende« in Aussicht. Foto: Boris Roessler (dpa) Vorstandschef Stefan Schulte stellte den Aktionären für die kommenden Jahre »eine mindestens konstante Dividende« in Aussicht.
Fraport. 

Nein, das wollte sich Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldman (SPD) gestern wohl nicht anhören: Kaum hatte Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte mit seinen Ausführungen zur Existenz-Berechtigung des geplanten Terminals 3 begonnen, stand das Aufsichtsratsmitglied der Fraport AG auf und verließ das Podium. Dabei war er bei der Hauptversammlung des Flughafen-Betreibers in der Jahrhunderthalle – scheinbar demonstrativ – schon verspätet erschienen. Neben dem Grünen-Landtagsabgeordneten Frank-Peter Kaufmann war Feldmann am 16. April der einzige im 20-köpfigen Aufsichtsrat des M-Dax-Konzerns gewesen, der gegen das neue Terminal gestimmt hatte.

„Die Entscheidung für den Bau des Terminals ist fundiert, nach betriebswirtschaftlichen Kriterien und unter sorgfältiger Abwägung von Chancen und Risiken durch Vorstand und Aufsichtsrat getroffen worden“, betonte Schulte. Das Terminal sei „in Relation zu der erforderlichen Passagier-Kapazität die wirtschaftlichste Alternative“ und zudem die „einzig durchgeplante und rechtssichere Alternative“, gab der Vorstandschef mit Blick auf den verworfenen Gegenvorschlag einer Terminal 1-Erweiterung zu bedenken.

Die Angst der Anwohner vor zusätzlichen Lärmbelastungen durch das Terminal 3 versuchte Schulte zu zerstreuen: „Ein neues Gebäude hat zunächst einmal nur wenig mit Fluglärm zu tun. Mehr Passagiere heißt nicht automatisch mehr Fluglärm.“ Der Vorstandschef verwies dabei auf die Entwicklung des vergangenen Jahres, in dem die Zahl der Passagiere zwar um 2,6 Prozent auf 59,57 Millionen stieg – aber „ohne zusätzliche Flugbewegungen“, wie Schulte sagte. Das Unternehmen erwarte, dass dieser Trend „in der Tendenz anhalten“ werde. Genaugenommen war die Zahl der Flugbewegungen aufgrund des zunehmenden Einsatzes größerer Maschinen nur um 0,8 Prozent gestiegen – auf rund 469 000.

Fraport-Gegener vor der Aktionärsversammlung in der Jahrhunderthalle.
Fluglärmgegner demonstrieren Turbinenlärm gegen Fraport

Dutzende Flughafengegner versammelten sich am Freitag zur Jahreshauptversammlung der Fraport vor der Jahrhunderthalle in Zeilsheim, um den Aktionären ihren Unmut über den Fluglärm kundzutun. Lautstarke Proteste in der Halle selbst blieben allerdings aus.

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Der Flughafen-Betreiber hatte im Herbst vergangenen Jahres die Notwendigkeit des neuen Terminals mit den Hochrechnungen der von ihm beauftragten Institute MKmetric und Intraplan untermauert. Sie prognostizieren für das Jahr 2021 zwischen 68 bzw. 73 Millionen Passagiere. Und nach Konzern-Angaben ist mit dem Erreichen der 68-Millionen-Marke die Kapazitätsgrenze des Frankfurter Flughafens endgültig überschritten.

 

Hessen ist schuld

 

Speziell an der 73-Millionen-Prognose von Intraplan wurde gestern von Ausbau-kritischen Aktionären Kritik geübt: „Intraplan hat damals auch die Prognose erstellt, mit der das gesamte Ausbauprojekt am Frankfurter Flughafen begründet wurde, und die lagen mit ihrer Hochrechung um 25 bis 30 Prozent daneben“, gab ein Anleger zu bedenken. „Glauben Sie da wirklich, das richtige Unternehmen beauftragt zu haben? Deren Methodik kann doch nicht stimmen.“

Im Jahr 2000 hatte Intraplan für das Jahr 2015 eine Passagierzahl von 80 Millionen vorausgesagt; später korrigierte das Münchner Institut diese Prognose auf 78 Millionen runter – aber auch damit hat es nun tatsächlich kräftig danebengelegen. Ein Umstand, den Schulte gestern vor allem mit der ungünstigen Wirtschaftsentwicklung Hessens begründete. „Zwischen 2000 und 2010 entwickelte sich Hessen deutlich schwächer als der Bundesdurchschnitt – und zwar zum ersten Mal in der Geschichte“, wusste Schulte zu berichten. Die neuen Prognosen der beiden Institute habe das Unternehmen auch auf deren Kalibrierung hin überprüft – damit sei der Nachweis geliefert, dass die verwendeten Modelle – wären sie in der Vergangenheit durchgerechnet worden – für die Gegenwart die richtigen Ergebnisse geliefert hätten.

Auch an der problemlosen Finanzierung des Bauvorhabens, das weitere 2,5 Milliarden Euro kosten soll, wollte Schulte keine Zweifel aufkommen lassen. Er bekräftigte, dass der Konzern – angesichts der avisierten Ergebnissteigerungen – voraussichtlich in der Lage sein werde, diese Summe zu 95 Prozent aus dem freien Mittelzufluss (free cashflow) zu finanzieren.

Ob Schultes Argumentation die Aktionäre überzeugte, ist schwierig zu sagen. Berthold Fuld, Vizepräsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, hatte sich zwar wegen des Terminals 3 in einem Antrag gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat ausgesprochen. Aber da er – obwohl anwesend – diesen Antrag gestern nicht mündlich bestätigte, wurde er nicht wirksam. Am Ende wurde der Vorstand mit 99,85 Prozent und der Aufsichtsrat mit 98,42 Prozent des anwesenden Kapitals entlastet. Die insgesamt steigenden Gewinne, die Erhöhung der Dividende um zehn Cent auf 1,35 Euro und die Erholung der Fraport-Aktie in diesem Jahr reichten den Aktionären offenbar.

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