E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C

Fraport gibt Istanbul nicht auf

Von Der Ausbau des Frankfurter Flughafens geht voran, das Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie schrumpft. So rückt bei der Hauptversammlung der Fraport AG das Ausland in den Fokus - und ein organisatorischer Fauxpas.
In der Jahrhunderthalle mutierte Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte zum unliebsamen „Schirmherrn“.	Foto: dpa Bilder > In der Jahrhunderthalle mutierte Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte zum unliebsamen „Schirmherrn“. Foto: dpa
Frankfurt. 

Nach zuletzt erfolglosen Bemühungen, ihr Netz an Auslandsbeteiligungen weiter zu spinnen, hat die Fraport AG ihren Aktionären gestern doch noch ein Fünkchen Hoffnung auf einen neuen internationalen Wachstumsschub gegeben: Wie Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte verdeutlichte, hat der Frankfurter Flughafen-Betreiber eine Beteiligung am neuen Großflughafen Istanbul noch nicht ad acta gelegt. „Angesichts der Tatsache, dass ein Konsortium von fünf türkischen Bau-Unternehmen den Zuschlag bekommen hat, die keinerlei Erfahrung mit dem Betrieb eines Flughafens haben, könnte sich da noch eine Chance ergeben“, so Schulte. Seine Hoffnung: Die Frankfurter könnten von den türkischen Bauherren noch als Auftragnehmer eingebunden werden.

Größter Rückschlag

In dem viel beachteten Bieterrennen hatte die Fraport AG zusammen mit ihrem türkischen Partner IC Holding Anfang Mai den Kürzeren gezogen. Dabei hatte sie dem Vernehmen nach gut 22 Milliarden Euro geboten, um den Flughafen am Bosporus 25 Jahre betreiben zu dürfen. 2017 soll der künftige Heimatflughafen der stark expandierenden Turkish Airlines in Betrieb gehen und schrittweise bis zu 150 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen können. Damit wäre er der größte Airport der Welt.

Die Niederlage in der Türkei markiert den bislang größten Rückschlag der Frankfurter im Ausland. Ende vergangenen Jahres waren die Frankfurter schon im Rennen um die Privatisierung der größten portugiesischen Flughäfen leer ausgegangen. Anfang 2012 hatte Fraport den Wettstreit um den Betrieb dreier portugiesischer Airports verloren. „Natürlich haben wir uns sehr darüber geärgert“, sagte Schulte gestern zu diesen Misserfolgen. Er erklärte das Scheitern damit, dass die Konkurrenten „strategische Preise“ gezahlt hätten. Das sei vor allem in Portugal sehr offensichtlich gewesen, wo „ein Markt-Eintrittspreis“ bezahlt worden sei. In Portugal war der französischen Bau- und Infrastrukturgruppe Vinci nach mehrmaligen Anläufen der Einstieg ins Flughafen-Geschäft gelungen.

Große Flughäfen sind bei Investoren inzwischen sehr beliebt, weil sie stabile Cashflows gewähren und langfristig schneller wachsen als das Bruttoinlandsprodukt ihrer Heimatländer. Die Fraport AG wiederum ist besonders bemüht, ihr Auslandsengagement auszuweiten, weil ihr Heimatflughafen derzeit kaum Wachstumschancen bietet. Während 2012 die zwölf Auslandsflughäfen des Konzerns kräftig gewachsen sind und nun rund ein Drittel des operativen Gewinns ausmachen, ist am Standort Frankfurt die Zahl der Passagiere nur noch um 1,5 Prozent auf 57,5 Millionen gestiegen. Für dieses Jahr rechnet Fraport sogar mit einer Stagnation der Gästezahl und einem Rückgang der Flugbewegungen, wie Schulte gestern bekräftigte.

Entsprechend schwer hatte es der Vorstandschef bei der Hauptversammlung, der von Jahr zu Jahr schrumpfenden Zahl von Ausbaugegnern die weitere Expansion des Frankfurter Standortes zu vermitteln. „Alle Prognosen gehen auch jetzt davon aus, dass die Mobilitätsnachfrage im Luftverkehr weiter steigen wird“, beteuerte Schulte. Nach der Stagnation im laufenden Jahr werde das Verkehrsaufkommen auch in Frankfurt wieder wachsen. Damit begründete der Vorstandschef auch den kürzlich beschlossenen Baubeginn des Terminal 3 für das Jahr 2015. „Die derzeitigen Terminal-Kapazitäten sind eigentlich auf 64 bis 65 Millionen Passagiere ausgelegt. Notfalls könnten dort bis zu 68 Millionen abgefertigt werden.“ Aber für 2020, wenn das Terminal 3 in Betrieb gehe, sähen die Prognosen deutlich höhere Passagierzahlen vor.

„Der Lärm muss weg!“

Noch schwerer hatte es der Fraport-Chef indes, die lärmgeplagten Anwohner unter den anwesenden Aktionären davon zu überzeugen, dass es rund um den Flughafen leiser geworden ist. „Wir kennen die Vorwürfe, wonach wir nur Augenwischerei betreiben“, entgegnete Schulte auf vereinzelte Zwischenrufe, „aber es ist nun mal leiser geworden am Boden.“ Zehn von 19 anvisierten aktiven Schallschutzmaßnahmen seien bereits umgesetzt worden. Schulte hob dabei die Anhebung der Überflüge um 1000 Fuß in Offenbach und Mainz hervor, durch die Eindrehvorgänge in niedriger Höhe über Ballungszentren im Osten und Westen verhindert würden. „Es fliegt so gut wie keine Maschine mehr unter 6000 Fuß“, betonte Schulte, „wir erzählen also keinen Quatsch.“ Auch der Probebetrieb für den erhöhten Gleitwinkel von 3,2 Grad verläuft nach Schultes Angaben „sehr erfolgreich“. Aber so viele Schaubilder des „Gemeinnützigen Umwelthauses“ der Vorstandschef auch an die Wand projizierte - Zwischenrufe wie „der Lärm muss weg“ verstummten nicht. Und auch die Information, dass der Konzern bislang 1,2 Millionen Euro in die Kampagne „Ja zu Fra!“ gesteckt hat, erntete eher höhnisches Gelächter als Anerkennung.

Nichtsdestotrotz fiel sowohl vor als auch in der Jahrhunderthalle der Unmut von Lärm- und Ausbaugegnern noch kleiner aus als in den Vorjahren. Und angesichts der guten Umsatz- und Gewinnentwicklung, einer Wertsteigerung der M-Dax-Aktie von 11,86 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten und einer Dividenden-Rendite von zuletzt 2,8 Prozent klagten auch die renditeorientierten Aktionäre unter den Gästen kaum.

So kam es, dass ausgerechnet ein organisatorischer Fauxpas des Konzerns für den größten Unmut unter den Aktionären sorgte: die zeitweise Enteignung aller Regenschirm-Besitzer. Aus dem strömenden Regen kommend, mussten sie ihre Schirme auf eigenes Risiko vor der Halle liegen lassen. Die Lautstärke der entsprechenden Unmutsbekundungen zu Versammlungsbeginn wurde im weiteren Verlauf des Aktionärstreffens auch von den Ausbaugegnern bei weitem nicht erreicht.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen