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Flugsteig könnte auf Vorfeld des Terminals 3 entstehen: Fraport prüft Pier für Billigflieger

Von Mit der Einführung großzügiger Entgelt-Rabatte für neue Airlines hat Stefan Schulte den knauserigen Billig-Fluggesellschaften den roten Teppich am Frankfurter Flughafen ausgerollt. Nun erwartet der Fraport-Chef offenbar, dass nach Ryanair, WizzAir und Sundair schon sehr bald viele weitere Low-Coster diese Einladung annehmen werden.
Werden am Ende doch Billigflieger wie Ryanair das geplante Terminal 3 mit benutzen, das hier in einer Computergrafik dargestellt ist? Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild) Werden am Ende doch Billigflieger wie Ryanair das geplante Terminal 3 mit benutzen, das hier in einer Computergrafik dargestellt ist?
Frankfurt. 

Nicht nur die Lufthanseaten werden nun aufhorchen. Auch die Menschen, die in Deutschlands größtem Flughafen nur die lästige oder gar gesundheitsgefährdende Lärmquelle als Folge betriebswirtschaftlicher Gier und volkswirtschaftlichen Größenwahns sehen, werden ob der gestrigen Meldung verstimmt sein: Demnach plant Fraport, für Billig-Flieger am Frankfurter Flughafen einen eigenen Flugsteig zu bauen – und zwar auf dem Gelände des sich im Bau befindlichen Terminals 3 im Süden des Flughafens. Das geht aus Informationen hervor, die dieser Zeitung vorliegen und über die gestern zunächst die Bild-Zeitung berichtet hat. Ein entsprechendes Papier soll der Fraport-Vorstand kürzlich dem Aufsichtsrat vorgelegt haben.

Gegner im Aufsichtsrat

Im Kontrollgremium des MDax-Konzerns sitzen mit Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, und dem Landtagsabgeordneten Frank-Peter Kaufmann (Die Grünen), zwei erklärte Ausbau-Gegner. Dem Vernehmen nach hatten beide im Frühjahr 2015 gegen den Bau des Terminals 3 als notwendige Ergänzung zur Landebahn Nordwest gestimmt. Kritisch hat sich Kaufmann auch zu den Entgelt-Rabatten geäußert, die Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) Anfang Dezember auf Antrag der Fraport AG genehmigt hatte. „Dass der Flughafenbetreiber nun auch auf Billigfluglinien wie Ryanair setzt, halten wir für bedenklich, weil die niedrigen Preise dieser Anbieter mit schlechten Arbeitsbedingungen für Pilotinnen und Piloten und für das Kabinenpersonal erkauft sind“, sagte der Grünen-Abgeordnete.

Info: Der Streit um das Terminal 3

Im ersten von zwei Ausbaustufen erhöht das umstrittene Terminal 3 die Kapazität des Flughafens um 14 Millionen auf 78 Millionen Passagiere im Jahr.

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Gemäß den Informationen aus dem Aufsichtsrat soll der Flugsteig für die Billigflieger als vorgezogene Erweiterung des Terminals 3 entstehen, dessen Inbetriebnahme die Fraport nach mehrmaligen Verschiebungen erst fürs Jahr 2023 avisiert. Dieser Flugsteig auf dem östlichen Vorfeld solle nach dem Willen des Vorstands schon 2019 den Low-Costern zur Verfügung stehen. Auch der Name des neuen Flugsteigs steht demnach schon fest: Er soll „Flugsteig G“ heißen und in einem ersten Schritt acht, in der zweiten Baustufe bis zu zwölf Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen. Der Neubau soll den Plänen zufolge auf Basis von Fertigelementen errichtet werden und rund 150 Millionen Euro kosten. Das Vorfeld des im Bau befindlichen Terminals 3 ist schon seit Jahren fertiggestellt und wird schon länger als Stellfläche für Flugzeuge genutzt.

Gespräche mit Wiesbaden

Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte, die Herausforderung sei, solch ein Projekt mit dem gültigen Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau in Einklang zu bringen. Erste Gespräche mit dem zuständigen hessischen Wirtschaftsministerium soll es bereits gegeben haben.

Ein Flughafen-Sprecher wollte die konkreten Pläne für einen neuen Flugsteig zwar nicht kommentieren. Aber er dementierte, dass eine mögliche Erweiterung im Süden des Flughafen-Areals in direktem Zusammenhang mit dem Bau des Terminals 3 stünde. „Sollte in den nächsten Jahren in Frankfurt – insbesondere aufgrund eines starken Wachstums im Low-Cost-Segment – die Kapazitätsgrenze von 68 Millionen Passagieren schneller als erwartet erreicht werden, müssen wir vorbereitet sein, um unseren Passagieren dann trotzdem bestmögliche Prozesse und Services bieten zu können“, sagte der Sprecher. „Daher prüfen wir verschiedene Varianten für eine Kapazitätserweiterung: angefangen von einer intensiveren Nutzung eines Bus-Terminals im Norden, das Ryanair ab dem Sommerflugplan nutzen wird, bis hin zur Möglichkeit, einen Pier im Süden zu bauen. Wichtig ist, dass wir uns dabei stets im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses bewegen müssten. Dies sind Überlegungen, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein.“ Und selbstverständlich informiere der Vorstand regelmäßig den Aufsichtsrat über die aktuellen Entwicklungen im Konzern und auch zu allen strategischen Planungen.

„Terminal 2 knackig voll“

Im Zusammenhang mit dem erhofften Zustrom von Billig-Airlines in Frankfurt hatte Stefan Schulte bereits im März anlässlich der Bilanz-Vorlage von den beiden Optionen im Norden und Süden des Flughafen-Areals gesprochen; dabei war er allerdings sehr vage geblieben. Billig-Airlines wie Ryanair sollten im Terminal 2 untergebracht werden, sagte er damals. „Das wird dann aber spätestens 2019 knackig voll.“ Deshalb denke der Flughafen-Betreiber an eine Erweiterung.

Derzeit sind im Terminal 2 neben Emirates aus Dubai, Etihad Airways aus Abu Dhabi und Qatar Airways die Fluggesellschaften zu Hause, die Mitglieder der Luftfahrt-Bündnisse „Oneworld“ und „Sky Team“. Während „Oneworld“ von British Airways angeführt wird, steht die französisch-niederländische Air France/KLM an der Spitze von „Sky Team“. Dagegen starten und landen alle Flieger des von der Lufthansa angeführten Bündnisses „Star Alliance“ traditionell am größeren Terminal 1.

Wie im vergangenen November durchgesickert ist, sollen im Terminal 3 vor allem die drei großen Premium-Airlines von Persischen Golf eine neue Heimat finden. Damit die es dort möglichst komfortabel haben, hat sich die Fraport-Führung in ihren Gesprächen mit den arabischen Airlines bereiterklärt, die Baupläne für das Terminal anzupassen: So wird der Flughafen-Betreiber ein zusätzliches Geschoss in das Gebäude einziehen. Dadurch wird sich die für First- und Business-Class-Lounges vorgesehene Fläche auf rund 6000 Quadratmeter verdoppeln. Alles im Einklang mit dem Planfeststellungsbeschluss, wie Fraport versichert. Um es den anspruchsvollen Golf-Airlines recht zu machen, nimmt der Flughafenbetreiber auch in Kauf, dass das Terminal erst 2023 und damit ein Jahr später als zuletzt geplant in Betrieb geht. Außerdem wird der Umbau die Kosten weiter in die Höhe treiben: Statt der avisierten 2,7 bis 3,0 Milliarden Euro erwartet das Fraport-Management nun, dass das modernste Terminal Europas 3,3 Milliarden Euro kosten wird.

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