E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 18°C

Flughafen: Fraport soll Verbindung bezahlen: Streit um S-Bahn zum Terminal 3

Von Die Stadt Frankfurt will eine S-Bahn-Verbindung zum künftigen Terminal 3. Bezahlen soll das die Fraport.
Das Terminal 3 ist im Bau. Foto: Stefan Rebscher (Fraport AG; Fototeam) Das Terminal 3 ist im Bau.
Frankfurt. 

Die Stadt Frankfurt macht Druck. Die SPD-Dezernenten Mike Josef (Planung) und Klaus Oesterling (Verkehr) fordern, dass das Terminal 3, das 2023/2024 an den Start gehen soll, an die S-Bahn angebunden wird. Dafür „sollte die bestehende S-Bahn-Linie S 7/ von Frankfurt in Richtung Riedstadt-Goddelau einen Abzweig zum Terminal 3 erhalten“, sagte Oesterling gestern. Die Kosten beziffern Josef und Oesterling anhand einer Machbarkeitsstudie des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) auf etwa 174 Millionen Euro.

Und wer soll das bezahlen? Nach dem Willen der SPD-Politiker Flughafenbetreiber Fraport. Wer Flughäfen in Manila und anderswo in der weiten Welt kaufen könne, müsse auch ein solches Projekt an seinem Haupt-Standort finanzieren können, sagte Oesterling.

Eine Computergrafik zeigt das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen.
Kommentar "Der S-Bahn-Anschluss zum Terminal 3 ist absolut notwendig"

Unser Politikchef Dieter Sattler findet es richtig, dass die Stadt einen S-Bahn-Anschluss zum Terminal 3 fordert. Nicht nur wegen der Verkehrssituation, sondern auch wegen der Luft.

clearing

Bei der Fraport hält man allerdings nicht viel von den Frankfurter Plänen und den S-Bahn-Anschluss für „nicht erforderlich“. Das neue Terminal werde gut mit Pkw und Taxi, sowie Bussen und einem extra dafür gebauten Personen-Transport-System (PTS) erreichbar sein, sagte Fraport-Sprecher Jürgen Harrer. Reisende kämen ab 2023 vom Fern- und Regionalbahnhof am Terminal 1 bequem in acht Minuten zum Terminal 3.

Verkehrskollaps droht

Oesterling und Josef gehen aber davon aus, dass die noch längeren Wege zum Terminal 3 dazu führen, dass noch mehr Menschen den Individualverkehr nutzen, sprich mit dem Auto zum Flughafen kommen oder sich bringen und abholen lassen. Die Dezernenten formulieren ihre Forderung vor dem Hintergrund des überlasteten Verkehrssystems in der Region. „Nur mit einer zusätzlichen S-Bahn-Anbindung kann sichergestellt werden, dass es zu keinem Kollaps der Verkehrssysteme kommt“, so Josef und verweist auf die Fraport-Prognose zum Passagieraufkommen.

Ein See inmitten eriner Mondlandschaft: So sieht es derzeit auf der Baustelle des Terminal 3 auf dem ehemaligen Stützpunkt der US-Luftwaffe im Süden des Flughafens aus.
Im Zeitplan Fraport will Terminal 3 2020 für Billigflieger eröffnen

Erst jüngst hat Fraport seine aktuellen Verkehrszahlen bekanntgeben. Mit dem Ergebnis: Die Passagierzahlen steigen ebenso wie die Flugbewegungen. Und so hält der Flughafenbetreiber auch weiter an seinem Zeitplan für den Bau des umstrittenen Terminals 3 fest. Bisher sind keine Verzögerungen in Sicht.

clearing

Danach steigt es von 58 Millionen im Jahr 2013 bis 2030 um 48 Prozent auf 86 Millionen. Um den Straßenverkehr nicht noch extremer zu belasten, gelte es von den Fahrten möglichst viele über die S-Bahn abzuwickeln. Das ginge in Bezug auf den Terminal eben am besten mit dem S-Bahn-Abzweig, zumal laut Oesterling der Regionalbahnhof überlastet sei. Fraport weist dagegen darauf hin, dass die „Bündelung der öffentlichen Nah- und Fernverkehrsanbindungen an einem Punkt“ an Flughäfen international „üblich und sinnvoll“ sei. Denn bei mehren Bahnhöfen würden Passagiere, die sich nicht auskennen, schnell die Orientierung verlieren.

Hintertür bleibt offen

Man bekam gestern durch die schnelle und schroffe Fraport-Reaktion auf den Frankfurter Vorstoß eine Vorstellung davon, welch zähes Ringen nun um Sinn und Kosten des Projekts losgehen könnte. Dabei schließt Fraport prinzipiell eine S-Bahn-Verbindung gar nicht aus. Ganz am Schluss der Pressemitteilung hieß es, man halte, obwohl es aus Sicht des Unternehmens keines neuen S-Bahn-Anschlusses bedarf, „planerisch einen Trassenkorridor frei, so dass eine direkte S-Bahn-Anbindung des Terminals 3 zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht wird“. Dies stelle „eine Vorsorge für den Fall dar, dass zukünftig ein anderer Vorhabens-/Verkehrsträger eine solche Anbindung realisieren möchte“. Will wohl sagen: Wenn es ein anderer machen und finanzieren möchte, bitte. Aber Stadt und Land können als Mehrheitseigner von Fraport durchaus Druck auf das Unternehmen ausüben.

Josef schließt nicht aus, dass bei Einigung auf das Projekt auch der Bund einen Gutteil der Kosten übernehmen könnte.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen