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Fraport terminiert Terminal 3

Von Zur Unzeit beschließt die Fraport AG, 2015 mit dem Bau des umstrittenen Terminal 3 zu beginnen.
50 Gebäudepositionen für Flugzeuge soll das Terminal3 umfassen, das auf dem Gelände der ehemaligen Airbase der US-Streitkräfte im Süden des Flughafen-Areals geplant ist.	Quelle: Fraport 50 Gebäudepositionen für Flugzeuge soll das Terminal3 umfassen, das auf dem Gelände der ehemaligen Airbase der US-Streitkräfte im Süden des Flughafen-Areals geplant ist. Quelle: Fraport
Frankfurt. 

Jahrelang hat die Fraport AG den Bau des dritten Terminal auf dem Frankfurter Flughafen vor sich her geschoben - zu unsicher erschienen die Aussichten für den weltweiten Flugverkehr im Allgemeinen und Deutschlands größtes Luftdrehkreuz im besonderen. Nun aber ist es soweit: Wie Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte jetzt der „Bild“-Zeitung verriet, hat der Aufsichtsrat des Frankfurter Flughafens beschlossen, 2015 „die Bagger anrollen zu lassen“ - ausgerechnet nach einem miserablen Start in ein Jahr 2013, für das der Vorstand ohnehin stagnierende Passagierzahlen an seinem Heimatflughafen erwartet.

 

Kosten: 1,2 Mrd. Euro

 

„Wir brauchen das Terminal ab etwa 2020“, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte dem Boulevard-Blatt. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt bezifferte Schulte auf 1,2 Milliarden Euro. Das Terminal werde dann bereits eine Kapazität für 14 Millionen Passagiere im Jahr bieten.

Das umstrittene Terminal bildet den Abschluss der seit 15 Jahren von Flughafenbetreiber, Lufthansa und Landespolitik avisierten Kapazitätserweiterung am Frankfurter Airport. Den ersten Schritt machte Fraport im Oktober 2011 mit der Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest, die im Schnitt bis zu 126 Starts und Landungen in der Stunde ermöglicht. 83 waren es bis dahin. Wurde die Zahl der durchschnittlich möglichen Flugbewegungen zunächst auf 90 erhöht, sind es nun 98 inklusive eines Puffers von zwei Flügen für Notfälle oder Verspätungen, wie ein Sprecher gestern auf Anfrage dieser Zeitung sagte. Dieser Wert werde in Spitzenzeiten auch schon erreicht.

Allerdings kann die gewonnene Bahnkapazität von bis zu 126 Bewegungen größtenteils erst ausgeschöpft werden, wenn der Flughafen auch abseits der Bahnen Platz für mehr Flugzeuge und Passagiere schafft. Einen Zwischenschritt in diese Richtung stellt der Flugsteig A-Plus dar, der im Oktober 2012 eröffnet wurde und mit dem jährlich weitere sechs Millionen Passagiere abgefertigt werden können. Aber erst mit dem Terminal 3, der Platz für weitere 25 Millionen Passagiere im Jahr bieten soll, erhöht sich die Kapazität am Boden auf die jährlich 88 Millionen Fluggäste im Jahr, die Fraport als Maximalwert für 2020 gesetzt hat. 65 Millionen sollen es im Jahr 2015 sein, prognostiziert Fraport.

Kommentar: Flughafen-Ausbau: Neuer Realismus nötig

Die Entscheidung des Fraport-Aufsichtsrates, den Bau des Terminal 3 im Jahr 2015 zu starten, werden die fluglärmgeschädigten Anwohner als schweren Schlag empfinden.

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Davon ist der Flughafen noch weit entfernt: Im vergangenen Jahr zählte er 57,5 Millionen Passagiere - 1,9 Prozent mehr als Vorjahr. Von Januar bis April dieses Jahres sank die Gästezahl aber um 2,1 Prozent - aufgrund von Streiks und Sparmaßnahmen vieler Airlines. Ein Grund mehr für die lärmgeplagten Flughafen-Anwohner die Pläne für das Terminal 3 zu bekämpfen.

Ursprünglich sollte der erste Bauabschnitt des Terminal 3 dieses Jahr schon in Betrieb gehen. Im Zuge der weltweiten Finanz- und Konjunkturkrise verschob das Fraport-Management im Herbst 2009 den Fertigstellungstermin auf 2015. Nach dem unverhofft raschen Aufschwung, der auf diese Krise folgte, sprach Schulte von 2016 oder 2017. Zuletzt hatte der Vorstandschef aber überhaupt keinen Termin mehr nennen wollen. „Man ist da lieber etwas später dran als zu früh“, sagte er bei der Bilanzpressekonferenz im vergangenen März. Nun also 2020.

 

Adhoc-Pflicht verletzt?

 

Wie das Unternehmen gestern auf Anfrage dieser Zeitung einräumte, hat der Aufsichtsrat bereits am 29. April die entsprechende Entscheidung getroffen - einstimmig, wie es heißt. Dass dieser Beschluss nach Jahren der Unsicherheit - in denen Ausbaugegner bis zuletzt den Verzicht auf das Terminal gefordert haben - mitteilungspflichtig war, glaubt die Fraport AG nach eigenen Angaben nicht. Schulte habe im März gesagt, dass die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts erst fünf bis sieben Jahre nach der europaweiten Ausschreibung erfolgen könnte, hieß es zur Begründung. Zudem habe nun das Bekanntwerden des Beschlusses keine größere Bewegung der M-Dax- Aktie zur Folge gehabt. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte im vergangenen Sommer entschieden, dass in zeitlich gestreckten Sachverhalten schon einzelne Zwischenschritte eine meldepflichtige Insider-Information sein können und damit die Pflichten zur Ad-hoc-Publizität deutlich ausgeweitet.

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