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Ryanair-Deal: Fraport und Lufthansa geraten in Streit

Von „Den Frankfurter Flughafen werden wir nie ansteuern“, hat Ryanair-Chef Michael O’Leary stets gesagt, „die Gebühren dort sind viel zu hoch.“ Aber da die Fraport AG die Billigflieger inzwischen braucht, ist sie nun bereit, Ryanair satte Rabatte zu gewähren. Und das bringt das Lufthansa-Management auf die Barrikaden. Vorstandschef Carsten Spohr hofft, dass notfalls das hessische Wirtschaftsministerium Fraport und Ryanair einen Strich durch die Rechnung macht.
Darauf wollen wir uns die Hände geben – Ryanair-Generaldirektor David O’Brien, Fraport-Chef Stefan Schulte und Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs (von links nach rechts) in der Fraport Zentrale in Frankfurt. Bilder > Foto: Andreas Arnold (dpa) Darauf wollen wir uns die Hände geben – Ryanair-Generaldirektor David O’Brien, Fraport-Chef Stefan Schulte und Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs (von links nach rechts) in der Fraport Zentrale in Frankfurt.
Frankfurt. 

Seine Verlegenheit kann Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte nicht verbergen, während Ryanair-Generaldirektor David O’Brien die gemeinsame Pressekonferenz in eine Verkaufsveranstaltung verwandelt. „Greifen Sie zum Hörer! Ich hoffe, Sie bekommen noch einige der 9,99-Euro-Tickets, die wir im nächsten Frühjahr für unsere Flüge nach Spanien und Portugal anbieten“, ruft O’Brien den Journalisten zu, die sich in der Fraport-Zentrale eingefunden haben, um mehr über die Frankfurt-Pläne der irischen Billigflug-Gesellschaft zu erfahren.

Ryanair gibt den Retter

Dass dabei die gewohnten Seitenhiebe auf den Konkurrenten Lufthansa nicht fehlen dürfen, versteht sich: Auf dem riesigen Chart, den die Iren an die Wand geworfen haben, soll deutlich werden, welchen vermeintlich himmelweiten Unterschied die Preispolitik von Ryanair und Lufthansa aufweist. Demnach wurden gestern für einen April-Flug von Frankfurt nach Alicante bei Ryanair 9,99 Euro fällig – bei Lufthansa dagegen 347 Euro. „Wir sind gekommen, um die Passagiere vor der Lufthansa zu retten“, tönte O’Brien – ganz in der früheren Manier seines Vorstandschefs Michael O’Leary. Dies sei umso nötiger als „Lufthansa und Air Berlin bald fusionieren werden – denn um nichts anderes handelt es sich“, so der Ire mit Blick auf die Absicht der Lufthansa, bis zu 40 Passagierjets samt Besatzungen für sechs Jahre zu mieten – und zwar für die Lufthansa-Billigtochter Eurowings, die damit möglichst schnell wachsen soll, um Ryanair in Deutschland zurückzudrängen. Dass solche Seitenhiebe auf die Lufthansa Schulte in Verlegenheit bringen müssen, ist klar. Zum einen weil die Lufthansa der mit Abstand größte Kunde des Flughafen-Betreibers in Frankfurt ist – obwohl die Flotte der Kernmarke mit dem Kranich in den vergangenen Jahren geschrumpft ist, stellt sie immer noch rund 60 Prozent des Flugaufkommens an Deutschlands größtem Flughafen. Zum anderen ist der Luftfahrt-Konzern mit einem Anteil von 8,44 Prozent nach der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen der größte Aktionär der Fraport AG.

Spohr: Rabatte für alle!

Und der zeigte sich gestern schwer vergrätzt – sieht er die Ryanair-Kampfpreise doch vor allem dadurch ermöglicht, dass Fraport den Iren großzügige Rabatte bei seinen Flughafen-Gebühren gewährt. Dabei klagen Lufthansa und die anderen etablierten Netzwerk-Flieger in Frankfurt schon seit Jahren über die höchsten Flughafen-Gebühren in Kontinental-Europa. Entsprechend deutlich wurde Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr gestern morgen in einer Telefon-Konferenz: „Die rechtliche Lage ist doch klar: Die Rabatte, die Ryanair im kommenden Sommerflugplan von Fraport erhält, müssen auch alle anderen Fluggesellschaften in Frankfurt erhalten“, polterte der Manager. Die Lufthansa würde dabei 200 bis 300 Millionen Euro im Jahr einsparen. „Wir hoffen da auf das hessische Wirtschaftsministerium, das sehr professionell aufgestellt ist, und sind davon überzeugt, dass es keine diskriminierende Lösung zulassen wird“, sagte Spohr. Und falls doch, werde Lufthansa trotzdem nur die Gebühren zahlen, die Ryanair zahle.

Der Hintergrund: Die Rabatte, die Fraport den Iren nun gewähren will, basieren auf einem umstrittenen Anreiz-Programm des Flughafen-Betreibers, mit dem dieser seit 2014 versucht, neue Airlines nach Frankfurt zu locken oder zumindest bereits ansässige Fluggesellschaften dazu zu bewegen, neue Strecken anzubieten. Diese Anreize sollen nun deutlich ausgeweitet werden – im Rahmen der Entgelt-Verordnung, die das Hessische Wirtschaftsministerium jedes Jahr absegnen muss. Dort hieß es gestern dazu: „Wichtig ist, dass die Anreize nicht nur einer oder wenigen Airlines offenstehen, sondern dass jeder Neubewerber davon profitieren kann und der Anreiz – insbesondere für erstmals in Frankfurt operierende Fluggesellschaften – zeitlich befristet ist. Nach den vorlieg

enden Informationen ist nicht ersichtlich, dass Fraport eine ’Lex Ryanair’ schaffen will.“ Schulte gab sich gestern entsprechend gelassen: „Bei den Rabatten unterscheiden wir nicht grundsätzlich zwischen Billigfliegern und anderen Airlines. Wir sind sehr zuversichtlich, dass unser Antrag genehmigt wird.“ Nach Angaben des Fraport-Chefs belaufen sich die Rabatte im ersten Jahr auf 30 bis 50 Prozent. „Die nehmen über drei Jahre dann aber stark ab“, so Schulte. Gelassen gab sich auch O’Brien: Selbst wenn das Ministerium die Rabatte schmälern sollte, werde Ryanair an seinem Angebot für den kommenden Sommerflugplan festhalten.

Fraport-Chef Stefan Schulte (Mitte) unterstützt Ryanair-Generaldirektor David O’Brien (links) und dessen Marketing-Chef Kenny Jacobs bei ihrer Werbe-Aktion auf dem Frankfurter Flughafen.
Vorstandschef Spohr will eigene Billigflieger in Frankfurt stationieren Lufthansa setzt sich gegen Ryanair zur Wehr

Die Antwort der Lufthansa-Spitze auf den Frontal-Angriff von Ryanair hat nicht lange auf sich warten lassen: Noch bevor die irische Billigflug-Gesellschaft gestern Vormittag die Aufnahme Frankfurts in ihren Flugplan offiziell bestätigen konnte, hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr zum Gegenschlag ausgeholt. Aber viel scheint er dem irischen Erzfeind zunächst nicht entgegensetzen zu können.

clearing
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