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Lärmpausen und Terminalbau: Fraport will sich den Lärm nicht verbieten lassen

Von Im Streit um den weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens und den Lärmpausen präsentiert sich der Fraport-Vorstand mit breiter Brust. Dazu tragen auch die guten Geschäftszahlen des Vorjahres und der erwartete Aufschwung bei.
Noch ein Flieger? In der neuen Fraport-Zentrale machte gestern der Fluglärm auch Vorstandschef Stefan Schulte (links) und Finanzvorstand Matthias Zieschang zu schaffen.	Foto: dpa Noch ein Flieger? In der neuen Fraport-Zentrale machte gestern der Fluglärm auch Vorstandschef Stefan Schulte (links) und Finanzvorstand Matthias Zieschang zu schaffen. Foto: dpa
Frankfurt. 

Hessens schwarz-grüne Regierung scheint entschlossen, sich an der Quadratur des Kreises zu versuchen: Laut Koalitionsvertrag will sie sowohl die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens sichern als auch den Fluglärm in der Rhein-Main-Region deutlich reduzieren. Zusätzliche Lärmpausen in den morgendlichen Randstunden sollen demnach die Anwohner entlasten; zudem fordert die Landesregierung die Fraport AG auf, erneut zu prüfen, ob der geplante Bau des Terminals 3 wirklich nötig ist. Zwar denke die „CDU betriebswirtschaftlich, das ist aber nicht das Maß aller Dinge“, sagt Ministerpräsident Volker Bouffier.

 

Baurecht nicht übertragbar

 

Aber was passiert, wenn die Führung des M-Dax-Unternehmens wieder zum Schluss kommt, dass das Terminal notwendig ist, wenn eine Ausweitung der Lärmpausen den Betriebsablauf am Flughafen stört? Fragen, mit denen Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte auch bei der gestrigen Bilanzvorlage konfrontiert wurde. Und der sprach Klartext: „Wir werden immer weiter versuchen, neue Akzente bei der Lärmminderung zu setzen. Aber es ist vor allem unsere Aufgabe, die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens zu erhalten. Und deshalb liegt sowohl die Entscheidung über die Realisierung zusätzlicher Lärmpausen als auch über den Terminalbau letztlich beim Vorstand der Fraport AG.“ Letzteres sei im Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau so festgelegt worden und höchst richterlich bestätigt, gab Schulte zu bedenken. Der Vorstand habe nicht vor, beim Terminal 3 Bedarfsprüfung und Baurecht dem hessischen Verkehrs- und Wirtschaftsministerium als Planfeststellungsbehörde zu überlassen. „Wir haben das Recht auf den Bau des Terminals“, betonte Schulte, der bekräftigte, dass er keine rechtlichen Möglichkeiten für die Landesregierung sehe, die Betriebsgenehmigung zu ändern.

Hintergrund: Zwar ersetzt das Planfeststellungsverfahren für Hochbauten nicht die Baugenehmigung. Es schafft aber Baurecht und ist insofern vergleichbar mit einem Bebauungsplan. Hält sich ein Bauherr an dessen Bestimmungen, hat er einen Anspruch auf Genehmigung. Kurz vor der Landtagswahl hatte die Fraport im September noch ihren Bauantrag zum Terminal 3 gestellt. Der liegt jetzt zur Prüfung beim Frankfurter Planungsdezernat. „Diese Prüfung kann 15 oder 18 Monate dauern“, sagte Schulte. Derweil werden die Vorfeld-Positionen für das Terminal 3 bereits gebaut. „Zurzeit nutzen wir diese noch, um lang stehende Flieger im Norden in den Süden zu bringen“, führte Schulte aus, „künftig werden wir die Positionen auch für die Abfertigung nutzen.“

 

„2020 pickepackevoll“

 

Spätestens im Jahr 2021 will die Fraport den ersten Bauabschnitt des Terminals in Betrieb nehmen – dazu müssten im kommenden Jahr die Bauarbeiten starten. „Denn im Jahr 2020 werden die anderen Terminals picke-packe voll sein“, sagte Schulte. Mit 68 Millionen Passagieren rechne er dann; ausgelegt seien die bisherigen Terminals aber nur für 64 Millionen.

Dieses Jahr soll die Zahl der Passagiere am Frankfurter Flughafen um zwei bis drei Prozent wachsen, bestätigte der Vorstand seine Prognose vom Januar. „Wir haben klare Indikationen für ein Wirtschaftswachstum in Europa“, sagte Schulte. So werde im Sommerflugplan die Sitzplatzkapazität um vier bis fünf Prozent steigen. Dazu trügen neben der Lufthansa auch neue Airlines bei. Nach vorläufigen Zahlen ist im Februar die Zahl der Passagiere um 1,8 Prozent gestiegen.

Bei der Fracht rechnet Schulte mit einem Wachstum von ein bis zwei Prozent, wie er gestern bekanntgab. Zum einen sehe er geopolitische Risiken, zum anderen befürchtet der Vorstandschef Verlagerungen vom Luft- auf den Seeverkehr, der aufgrund hoher Überkapazitäten mit einem großen Preisdruck zu kämpfen habe.

 

Nettogewinn wird steigen

 

Der Konzernumsatz wird laut Prognose dieses Jahr um drei Prozent steigen, der Gewinn vor Zinsen Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um bis zu neun Prozent. Zudem rechnet der Vorstand für 2014 damit, dass auch der Nettogewinn nach oben gehen wird – zumindest soll er „leicht über Vorjahresniveau“ liegen. Entsprechend soll die Dividende „mindestens stabil“ bleiben. Für 2013 will der Konzern 1,25 Euro pro Aktie zahlen.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Passagiere am Heimatflughafen nur um 0,9 Prozent auf 58,04 Millionen gestiegen, weil viele Airlines angesichts der schwachen Weltkonjunktur ihre Kapazitäten runtergefahren hatten. Das Frachtaufkommen war um 1,4 Prozent gewachsen. „Nach der Einführung des Nachtflugverbots hat sich die Fracht wieder gefangen“, kommentierte Schulte diese Entwicklung. Ein stärkeres Wachstum zeigten erneut die ausländischen Airports, an denen die Fraport mehrheitlich beteiligt ist. So stieg die Passagierzahl im Gesamtkonzern um 4,1 Prozent auf mehr als 103 Millionen.

 

Zwei Wermutstropfen

 

Und weil 2013 in Frankfurt sowohl die Flughafen-Entgelte als auch die Einnahmen im Einzelhandels- und Immobiliengeschäft zugelegt haben, ist der Umsatz um 3,4 Prozent gestiegen: auf 2,561 Milliarden. Das Ebitda kletterte dabei um 3,7 Prozent auf 880 Millionen Euro. Den Großteil davon erwirtschaftete wieder die Sparte „Einzelhandel&Immobilien“. Die einzigen Wermutstropfen: Das ursprünglich für 2013 avisierte Ziel, den Netto-Einzelhandelserlös pro Passagier auf vier Euro zu steigern, hat der Vorstand nun auf 2015/2016 verschieben müssen; und die Bodenverkehrsdienste haben 2013 vor Zinsen und Steuern ihren Verlust ausgeweitet: von einer auf zwei Millionen Euro. Da will das Management seine Sparbemühungen verstärken.

Dass der Nettogewinn indes um 6,3 Prozent auf 252 Millionen Euro zurückging, war erwartet worden: Zum einen hatte das Unternehmen 2012 mit Kapitalmarktgeschäften einen Sondergewinn von rund 30 Millionen Euro erwirtschaftet; zum anderen belastete 2013 die Abwertung des russischen Rubels den Ertrag um 26 Millionen Euro.

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