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Einzelhandel: Fusion von Karstadt und Kaufhof nimmt wichtige Hürde

Die deutsche „Warenhaus AG“ rückt näher. Und Kaufhof wird wohl die Hauptlast tragen müssen: Etwa 5000 der knapp 20 000 Arbeitsplätze sollen dort wegfallen.
Diese räumliche Nähe wird es bald wohl nicht mehr geben. Foto: Christophe Gateau (dpa) Diese räumliche Nähe wird es bald wohl nicht mehr geben.
Düsseldorf. 

Der Fusion der beiden Warenhausketten Kaufhof und Karstadt steht Insidern zufolge nichts mehr im Wege. Die Banken hätten grünes Licht für die Pläne gegeben, sagten mehrere Insider am Donnerstag. Damit können sich die beiden Traditionsketten, die unter erheblichem Wettbewerbsdruck der florierenden Online-Händler stehen, zusammenschließen. Die Eigner der Ketten, die Signa-Holding des österreichischen Karstadt-Eigners René Benko und der nordamerikanische HBC-Konzern, hatten sich bereits im Grundsatz auf die Fusion verständigt.

Beide setzen auf Einsparungen. Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge kommt der Löwenanteil auf Kaufhof zu: Rund 5000 der 20 000 Stellen des Kölner Konzerns sollten wegfallen. Der bei der Gewerkschaft Verdi für Kaufhof zuständige Bernhard Franke lehnte einen Kommentar ab, während ein Signa-Sprecher zunächst nicht zu erreichen war. Ein Sprecher des HBC-Konzerns verwies auf eine frühere Erklärung der Nordamerikaner, es gebe Gespräche mit Signa. Benkos Holding und HBC hatten sich Anfang Juli auf eine Zusammenlegung der beiden Ketten verständigt. Nun stimmten auch die Banken der Transaktion zu, sagten Insider. Eine Blockade durch die Geldhäuser habe bei den Verhandlungen nicht im Raum gestanden.

Signa erhält Mehrheit

Signa soll bei der Fusion mit knapp 51 Prozent etwas mehr als die Hälfte der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft mit ihrem Handelsexperten, dem Karstadt-Chef Stephan Fanderl, führen. HBC-Vertreter rücken in den Aufsichtsrat ein. Auch die Warenhaus-Immobilien sollen Teil der Übereinkunft sein. Kaufhof-Eigner HBC würde bei dem Deal wohl knapp eine Milliarde Euro für Benkos Anteil am operativen Geschäft und den Warenhaus-Immobilien zufließen. Bei einem Zusammenschluss kann Fanderl dann die Kosten drücken: Einsparungen seien bei den Zentralen – für ein Gemeinschaftsunternehmen brauche es nicht zwei Hauptsitze in Essen und Köln – sowie in der Logistik und beim Einkauf geplant, hatten Insider berichtet. Karstadt beschäftigt noch rund 15 000 Menschen. Verdi hatte Signa und HBC aufgefordert, die Mitarbeiter in ihre Fusionsverhandlungen einzubinden. „Bei einem Geschäft in dieser Größenordnung müssen die Beschäftigten (...) eine wichtige Rolle spielen und durchgängig am Prozess beteiligt werden“, hatte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger der Nachrichtenagentur Reuters gesagt.

Die Idee einer deutschen „Warenhaus AG“ aus Kaufhof und Karstadt ist nicht neu: Benko hat mehrfach vergeblich versucht, auch Kaufhof zu übernehmen. HBC hatte seine Offerten abgeschmettert. Nun hat sich die Lage aber geändert – Kaufhof leidet unter Verlusten und auch HBC steht im Heimatmarkt unter Druck. Bei Kaufhof liegen zudem Gespräche über einen Sanierungstarifvertrag auf Eis. Damit laufen Kaufhof die Kosten weiter davon.

HBC hatte Kaufhof im Oktober 2015 übernommen. Doch die Kette mit ihren aktuell 96 Warenhäusern in Deutschland kam nicht in Schwung. Viele Kunden bestellen ihre Einkäufe lieber bei Online-Händlern von Amazon bis Zalando. Aber auch zahlreiche Management- und Strategiewechsel verunsicherten nach der Übernahme die Kaufhof-Belegschaft.

Karstadt macht Gewinn

Um die Akquisition zu finanzieren, hatte HBC damals 41 Warenhaus-Immobilien in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Investor Simon Property eingebracht. An den Immobilien hatte Benko auch Interesse gezeigt – nun soll er an ihnen beteiligt werden. Benko hatte Karstadt nach der Übernahme 2014 mit Hilfe des Handelsexperten Fanderl saniert. Dieser setzte zunächst den Rotstift an, lichtete den Markendschungel im Sortiment und verordnete Karstadt eine lokale Ausrichtung. Zudem holte er Partner in die 80 Warenhäuser und kurbelte das Online-Geschäft an. Darüber hinaus hat die Kette mit Verdi einen Sanierungstarifvertrag geschlossen. Sie hat damit Kostenvorteile. Im vergangenen Geschäftsjahr erreichte Karstadt bei einem leichten Umsatzrückgang einen Überschuss von 1,4 Millionen (Vorjahr: minus 7,5 Millionen) Euro.

(rtr,red)

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