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Rückschlag für Telekom: Fusion von T-Mobile mit Sprint ist doch noch geplatzt

Das US-Geschäft brummt bei der Deutschen Telekom. Doch aus dem lange ersehnten Mega-Deal mit T-Mobile US wird wieder nichts. Der Machtpoker auf dem US-Mobilfunkmarkt geht damit weiter. Nun müssen sich die Bonner wieder auf mehr Gegenwind einstellen.
Die US-Tochter ist ein wichtiger Wachstumsmotor für den Bonner Mutterkonzern. Foto: Peer Grimm (dpa-Zentralbild) Die US-Tochter ist ein wichtiger Wachstumsmotor für den Bonner Mutterkonzern.
Bellevue. 

Partnersuche ohne Happy End: T-Mobile US, die amerikanische Tochter des Bonner Telekom-Konzerns, und der Rivale Sprint finden auch im zweiten Anlauf nicht zueinander. „Es konnte keine Einigung erzielt werden und deswegen wurden die Gespräche beendet“, teilte die Deutsche Telekom kurz und bündig mit. Damit fällt eine Milliarden-Hochzeit flach, auf die an der Börse seit Monaten hingefiebert worden war. Woran scheiterte der Mega-Deal?

Dazu halten sich die Unternehmen bedeckt. „Wir haben entschieden, dass es das Beste ist, alleine weiterzumachen“, ließ Sprint-Chef Marcelo Claure verlauten. „Wir haben immer gesagt, dass – unter geeigneten Bedingungen – ein Zusammenschluss von T-Mobile mit einem anderen Unternehmen Kunden zusätzliche Vorteile und allen Aktionären Wertsteigerungs-Perspektiven bieten kann“, sagte Telekom-Boss Tim Höttges. Diese Bedingungen seien hier nicht zu erreichen gewesen.

Ein wichtiger Entscheider im Milliarden-Poker äußerte sich allerdings nicht. Masayoshi Son, der Chef des japanischen Softbank-Konzerns, dem mehr als 80 Prozent an Sprint gehören. Es gilt aber als offenes Geheimnis, dass der High-Tech-Milliardär mit dem Spitznamen „Masa“ das Zünglein an der Waage war. Die Entscheidung, die monatelangen Verhandlungen zu beenden, sei nach einem Dinner von Höttges, Claure und Son in dessen Haus in Japan gefallen, berichtet das gut vernetzte „Wall Street Journal“.

„Masa“ wollte nicht

Der Japaner mit koreanischer Abstammung habe sich einfach nicht damit abfinden können, die Kontrollmehrheit der fusionierten Gesellschaft an die Deutsche Telekom abzutreten. Das würde gut zum großen Anspruch Masa Sons passen, der Sprint 2012 mit dem selbsterklärten Ziel übernommen hatte, einen eigenen großen Player auf dem US-Mobilfunkmarkt zu etablieren. Danach versuchte das Unternehmen den – damals noch kleineren – Konkurrenten T-Mobile zu schlucken, was jedoch 2014 wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken abgeblasen wurde.

Für die Telekom geht damit das teure Abenteuer auf dem US-Markt weiter. Lange war die 2001 vom damaligen Telekom-Chef Ron Sommer für horrende 40 Milliarden Euro gekaufte US-Sparte das Sorgenkind. Neben lückenhafter Netzabdeckung beutelte den kleinen Mobilfunker etwa, dass man das beliebte iPhone von Apple nicht im Angebot hatte – die Kunden liefen in Scharen zur Konkurrenz. 2011 scheiterte dann der erste Verkaufsversuch an Platzhirsch AT&T.

Mit der vorher ausgehandelten Milliardenzahlung für das Platzen der Übernahme ging die Telekom aber dann auf Einkaufstour und krempelte den US-Markt mit aggressiven Methoden um. Höttges sagt heute, die Kehrtwende gelte an den renommierten US-Eliteunis als Paradebeispiel für Wirtschafts-Studenten. Höttges bezeichnet T-Mobile US auch gerne als das „Kingmaker-Asset“, den „Königsmacher“ auf dem US-Mobilfunkmarkt. Mantraartig wiederholt der Telekom-Chef, dass man schon einiges bieten müsse, damit er dieses Pfund aus der Hand gibt.

Zwar brummt das Geschäft mittlerweile und liefert zumindest optisch den Glanz in der Telekom-Bilanz. Allerdings hat die Telekom so viel Geld in das Geschäft gesteckt, dass die Rendite daran gemessen noch lange nicht den Vorstellungen von Höttges entspricht. So sollten in der Fusion mit Sprint Kosteneinsparungen und wohl auch der Wegfall eines Wettbewerbers die Lage unterm Strich weiter bessern.

Am Ende wollten die Bonner aber wohl kein Risiko eingehen, das Geschäft unter Wert in einen neuen Konzern einzubringen. Die Telekom-Finanzer gelten im trickreichen Geschäft mit milliardenschweren Zu- und Verkäufen als kühle Rechner.

Dabei hatte alles so gut ausgesehen, nachdem jahrelang die US-Kartellaufseher den Gedankenspielen einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten. Mit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump schien sich der Wind nämlich zu drehen: Er installierte Gefolgsleute an wichtigen Stellen in der Wettbewerbs- und Fusionskontrolle, die sich offenherzig für Zusammenschlüsse zeigten.

Schärferer Wettbewerb

Nun ist es wohl der Ehrgeiz von Son, der den Wettbewerb am Leben hält. Dabei geht es Sprint nicht sonderlich gut: Im Sommer fuhr der chronisch verlustbringende Anbieter den ersten Quartalsgewinn seit drei Jahren ein. Das Unternehmen hat im Konkurrenzkampf auf dem US-Markt schon viel Geld verbrannt. Aber Softbank hat tiefe Taschen. Die Deutsche Telekom muss sich darauf einstellen, dass Sprint nun bei Rabatten noch mehr in die Vollen geht – oder sich einen anderen Partner sucht. Sondiert hat Son schon einige Zusammenschlüsse, unter anderem mit Satelliten-TV-Betreibern und Kabelkonzernen. Gut möglich, dass woanders ein besseres Geschäft winkt als mit der Telekom.

Für den extrovertierten T-Mobile-Chef John Legere ist die geplatzte Fusion indes eine persönliche Niederlage. Er hätte den gemeinsamen Telekommunikationskonzern, mit dem man Jagd auf die US-Platzhirsche Verizon und AT&T machen wollte, wohl führen sollen. Damit hätte Paradiesvogel Legere – der Anzüge und Krawatten ablehnt und gerne auch mal via Twitter auf die Pauke haut – einem Branchenriesen mit rund 125 Millionen Kunden und einem Jahresumsatz von über 70 Milliarden Dollar vorgestanden.

Daraus wird nun nichts, doch Legere bleibt angriffslustig. „Wir sind die vergangenen 15 Quartale stärker gewachsen als der Rest dieser Industrie – wir werden nicht stoppen“, kündigte der Top-Manager mit dem Magenta-Shirt als Markenzeichen an. Aufhorchen lässt indes, was für schmeichelhafte Töne die Unternehmen nach Platzen der Gespräche einander gegenüber anschlagen. Es habe überzeugende Gründe für einen Zusammenschluss gegeben, so Legere. „Wir haben zweifellos Nutzen gesehen“, pflichtet Sprint-Chef Claure bei. Fast könnte man meinen, hier wolle sich jemand ein Hintertürchen offenhalten.

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