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Selfmade-Milliardär Peter Thiel: Gebürtiger Frankfurter als Schlüsselfigur in Donald Trumps Team

Von Amerikas Entwickler, Visionäre und Hightech-Unternehmer, die den Mythos des kalifornischen Silicon Valleys prägen, haben sich im US-Präsidentschaftswahlkampf komplett auf die Seite der Demokratin Hillary Clinton gestellt. Alle, wirklich alle? Nein, es gibt eine Ausnahme. Ein Selfmade-Milliardär mit deutschen Wurzeln. Wir stellen Peter Thiel vor.
Der in Frankfurt geborene Peter Thiel unterstützt den neuen US-Präsidenten Donald Trump. Der in Frankfurt geborene Peter Thiel unterstützt den neuen US-Präsidenten Donald Trump.
Frankfurt. 

Er war der Mitbegründer von Paypal, war einer der ersten Investoren bei Facebook. Heute ist er ein milliardenschwerer Risikokapitalgeber, der bevorzugt in der Start-up-Landschaft unterwegs ist.

Peter Thiel geriet während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes als Berater, Unterstützer, Financier von Donald Trump ins grelle Scheinwerferlicht. Da zeigte der Stanford-Absolvent große rhetorische Fähigkeiten. Und er scherte sich nicht um den Mainstream unter der kalifornischen Prominenz, die Trump als die Verkörperung des Bösen schlechthin betrachteten. Thiel hat als Investor unkonventionelle Entscheidungen getroffen und damit eine Traumkarriere hingelegt. Auch seine Unterstützung für den Republikaner Trump entsprang nüchternem Kalkül, keinem Impuls oder Bauchgefühl, wie er in einem Gespräch zu erkennen gab.

Er werde im Trump-Team auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, heißt es in Washington. Als Berater des neuen US-Präsidenten sei der „Deutsche“ gesetzt.

In einem Interview mit der „New York Times“ nach Trumps Wahlsieg hatte Thiel erklärt, er werde nicht nach Washington ziehen, und eine formale Rolle in Trumps Regierungsteam sei eher unwahrscheinlich. Aber: „Ich werde versuchen, dem Präsidenten zu helfen, so gut ich kann.“ Das klingt, als ob sich Thiel auch eine längerfristige Beraterrolle sehr gut vorstellen könnte.

Der in Frankfurt als Sohn des Chemikers Klaus Thiel geborene und im Alter von einem Jahr in die USA ausgewanderte Unternehmer ist der einzige prominente Kopf aus der Tech-Branche, der Trump öffentlich unterstützt hat. Er hat 1,25 Millionen Dollar in Trumps Kampagne gesteckt und sich auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner in einer fulminanten Rede für seinen Kandidaten starkgemacht, von dessen Sieg er absolut überzeugt war.

Der Außenseiter

Damit war er der große Außenseiter im Silicon Valley. Die geballte Prominenz der kalifornischen Technologie-Szene hatte sich auf die Seite der Demokratin Hillary Clinton geschlagen – ob Sheryl Sandberg, die Geschäftsführerin von Facebook, oder Tim Cook, der Vorstandschef von Apple. Es wurden offene Briefe geschrieben, Interviews gegeben, Tweets verfasst und Spenden für Clinton gesammelt. Selbst Republikaner wie Meg Whitman, Chefin des Technologiekonzerns Hewlett Packard Enterprise, wechselten das Lager.

Peter Thiel blieb standhaft. „Seine Chancen wurden massiv unterschätzt“, sagte er der „New York Times“. „Trump-Wähler wurden nicht von den Umfragen erfasst.“ Das Wahlergebnis gibt ihm recht.

Hulk Hogan verteidigt

Der Entrepreneur Thiel gilt als Libertärer, der den Einfluss des Staates so weit wie möglich zurückdrängen will. Vor Trump unterstützte er bereits den Republikaner Paul Ryan und die Tea-Party-Bewegung. Als der Wrestler Hulk Hogan das Portal Gawker wegen eines Sex-Videos auf Schadenersatz verklagte, übernahm Thiel Hogans Anwaltskosten in Höhe von zehn Millionen Dollar. Gawker hatte Thiel 2007 als homosexuell geoutet.

Sein Vermögen machte er als kluger Investor mit glücklichem Händchen. Er hat das damals noch völlig unbekannte Start-up-Unternehmen Paypal, einen Dienstleister für Geldüberweisungen im Internet, mit seinem Kompagnon, dem heutigen Tesla-Chef Elon Musk, an die Börse geführt und dabei 50 Millionen Dollar kassiert. Mit dem Geld baute er einen Hedgefonds auf, beteiligte sich 2004 auf Wunsch von Mark Zuckerberg an einem klammen Unternehmen namens Facebook. Der Börsengang des sozialen Netzwerkes machte ihn zum Milliardär. „Forbes“ schätzt das Vermögen des 49-Jährigen inzwischen auf 2,7 Milliarden Dollar.

Geld für Facebook

Ob er einfach nur Glück gehabt habe, wollte ein Reporter von ihm wissen. Thiel antwortete, Geld investieren sei harte Arbeit. Er gehe solche Dinge eher systematisch als aus dem Bauch heraus an. „Als ich damals als erster Investor bei Facebook einstieg, hatte Mark Zuckerberg ein exzellentes Geschäftsmodell, und er brauchte nur ein paar Computer, um loslegen zu können. Das war natürlich ein guter Zeitpunkt, um zu investieren.“

Auf seine deutschen Wurzeln angesprochen, sagte er in einem Interview: „Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten, insbesondere Kalifornien. Kalifornien ist sehr optimistisch und unsicher zugleich. Die Deutschen hingegen sind sehr pessimistisch, dafür ist das Leben bequem und sicher. Vielleicht bin ich etwas pessimistischer als andere. Ich glaube, das ist in Kalifornien ein gutes Korrektiv.“

In Deutschland ist Thiel regelmäßig unterwegs. Vor allem, um die Start-up-Szene in Berlin im Auge zu behalten. Da dürfte ein Abstecher in seine Geburtsstadt Frankfurt als aufstrebender Fintech-Standort wohl bald anstehen ...

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