Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 26°C

Wachstumsprognosen 2017 und 2018 für Deutschland: Gefahren für den Aufschwung

Die Weltwirtschaft gewinnt an Fahrt, der globale Handel erholt sich – davon profitiert auch Deutschland. Ökonomen sind grundsätzlich zuversichtlich. Dennoch ist die Unsicherheit hoch.
Im Werk Rastatt der Daimler AG findet an einer Mercedes A-Klasse die sogenannte Hochzeit statt. Dabei wird die Karosserie mit dem Antriebsstrang verbunden. Foto: Uli Deck (dpa) Im Werk Rastatt der Daimler AG findet an einer Mercedes A-Klasse die sogenannte Hochzeit statt. Dabei wird die Karosserie mit dem Antriebsstrang verbunden.
Berlin. 

Der Arbeitsmarkt brummt, der schwache Euro stützt die Exporte: Führende Wirtschaftsforschungsinstitute trauen der deutschen Wirtschaft ein etwas stärkeres Wachstum zu als zuletzt angenommen, wie aus der in Berlin vorgelegten Gemeinschaftsprognose hervorgeht. Rückenwind kommt auch von der anziehenden Weltwirtschaft. Handelsbarrieren könnten die exportorientierte deutsche Konjunktur dagegen empfindlich treffen.

Die beteiligten Ökonomen warnen trotz guter Konjunktur vor Risiken für die deutsche Wirtschaft. Die führenden Forschungsinstitute erhöhten zwar ihre Wachstumsprognose für 2017 auf 1,5 Prozent und 2018 auf 1,8 Prozent. Die Regierungsberater sehen aber auch Gefahren, wie ihr Frühjahrsgutachten „Aufschwung festigt sich trotz weltwirtschaftlicher Risiken“ zeigt. So könnten Wahlen in Frankreich und Italien mit einem „europa-
unfreundlichen“ Ausgang für Verunsicherung und steigende Risikoaufschläge an den Finanzmärkten sorgen, sagte der Vize-Präsident des Instituts IWH Halle, Oliver Holtemöller. „Das könnte sehr schnell die konjunkturelle Dynamik belasten.“

Im Werk Rastatt der Daimler AG findet an einer Mercedes A-Klasse die sogenannte Hochzeit statt. Dabei wird die Karosserie mit dem Antriebsstrang verbunden. Bild-Zoom Foto: Uli Deck (dpa)
Im Werk Rastatt der Daimler AG findet an einer Mercedes A-Klasse die sogenannte Hochzeit statt. Dabei wird die Karosserie mit dem Antriebsstrang verbunden.

Verbraucher und Firmen dürften sich dann bei Konsum und Investitionen zurückhalten. Die Ökonomen sorgen sich derzeit weniger um die Konjunktur als um politische Ereignisse und Entwicklungen, die kurz- und mittelfristig die Wirtschaft bremsen könnten. „Die Unsicherheit über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ist erheblich“, so die Experten.

Rätseln um Trumps Politik

In Frankreich greift die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, nach der Macht. Bei der Präsidentenwahl dürfte sie es Umfragen zufolge bis in die Stichwahl schaffen. Le Pen will den Euro in Frankreich abschaffen und eine Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft ansetzen.

Die Institute rätseln zudem über die Vorhaben von US-Präsident Donald Trump und deren Folgen für die Weltwirtschaft. Zum einen könnten finanzpolitische Impulse in den USA deutlich größer ausfallen als erwartet und die Konjunktur anschieben. Zum anderen würde der Welthandel leiden, wenn die US-Regierung ihren protektionistischen Tönen auch Taten folgen ließe. „Die deutsche Industrie wäre aufgrund ihrer starken Exportorientierung wohl in besonderem Maße negativ betroffen.“

Konsum als Impulsgeber

Ein weiteres Risiko seien die Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens. Deutschlands Wirtschaft befindet sich laut Gutachten im fünften Jahr eines moderaten Aufschwungs und hat Anfang 2017 „nochmals an Tempo zugelegt“. Für Impulse sorgten vor allem der Konsum, weniger die Investitionen und Exporte. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte bis 2018 um rund eine Million auf 44,56 Millionen steigen. Zugleich werde die Inflation von 0,5 Prozent im Vorjahr spürbar auf 1,8 Prozent in diesem Jahr klettern und dürfte so die Kaufkraft der Verbraucher etwas schmälern. Steigende Beschäftigung und Reallöhne sorgen nach Worten von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries dafür, „dass mehr Menschen vom Aufschwung profitieren“.

In Bildung investieren

Von der Politik forderten die Institute Maßnahmen, um die Alterung der Gesellschaft abzufedern. Außerdem müssten bessere Bedingungen für private Investitionen geschaffen werden. „Es ist höchste Zeit, dass die Wirtschaftspolitik stärker an der langen Frist ausgerichtet wird“, sagte Holtemöller. Hier müsse man Abgabenbelastungen begrenzen und mehr in Bildung investieren. Die Forscher sehen Spielraum, die Arbeitslosenbeiträge zu senken. Die Sozialausgaben müsse man im Auge behalten, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Gerade in der Rentenversicherung werden uns die Kosten ab 2020 um die Ohren fliegen.“

Handel legt weltweit zu

Die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute dient der Regierung als Basis für eigene Prognosen, die sie am 26. April vorlegt. Beteiligt am Gutachten sind das Münchner Ifo-Institut, das Berliner DIW, das Essener RWI, das Kieler IfW und das IWH Halle.

Info: Appell an EZB zur Politikwende

Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Ansicht der Forschungsinstitute noch in diesem Jahr die geldpolitische Wende einleiten. Die Ökonomen raten den Währungshütern in ihrem Gutachten,

clearing

Nach Einschätzung der Welthandelsorganisation (WTO) birgt die Unsicherheit über die künftige Handelspolitik der großen Wirtschaftmächte erhebliche Risiken und könnte die Erholung des Welthandels gefährden. Vorläufig stellt die WTO ein Handelswachstum weltweit von 2,4 Prozent in diesem Jahr in Aussicht, nach 1,3 Prozent 2016. Es wäre das erste Mal seit der Finanzkrise 2008, dass alle Weltregionen gleichermaßen beim Handel zulegen. WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo wollte nicht näher auf mögliche Folgen von Trumps Drohung mit Strafzöllen auf Importprodukte eingehen. „Wir kennen die US-Handelspolitik noch nicht. Wir müssen uns gedulden“, sagte er in Genf. Er betonte aber, dass Vorhersehbarkeit und Stabilität in diesen Zeiten wichtig seien: „Unsicherheit friert Investitionen und Produktion ein.“ rtr/dpa

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse