Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Vogelgrippe in Hessen: Geflügelzüchter in Not

Die Vogelgrippe breitet sich unter Wildvögeln rasch aus. Nutzgeflügel ist bisher nur in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern betroffen. Die Geflügelbranche ist aber auch in Hessen besorgt, auch wenn die wirtschaftlichen Auswirkungen noch relativ gering sind.
Gänsebraten ist auch in Zeiten der Vogelgrippe kein Tabu. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa) Gänsebraten ist auch in Zeiten der Vogelgrippe kein Tabu.
Frankfurt/Berlin. 

Die Geflügelpest mit ihrem aggressiven Virus H5N8 ist bislang bei Vögeln in elf Bundesländern nachgewiesen. In den Küstenländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verendete auch Hausgeflügel an der Vogelgrippe. In Hessen sind bisher lediglich infizierte Wildvögel aufgefunden worden. Doch die Zuchtbetriebe in Nordhessen sind wie die übers ganze Bundesland verteilten Eierhersteller sehr besorgt. Mehrere Länder verbieten inzwischen die Einfuhr von deutschen Hühnern, Enten, Gänsen und Puten. Die Geflügelwirtschaft fürchtet große Umsatzeinbußen, sollte sich die Vogelgrippe noch weiter verbreiten.

Info Minister: Keine Gefahr für den Braten

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sieht durch die Vogelgrippe keine Engpässe bei Weihnachtsgänsen. „Ein Großteil der Gänse ist ohnehin bereits geschlachtet“, sagte er in einem Zeitungsinterview.

clearing

Wir sprachen mit Klaus-Peter Linn, dem Geschäftsführer des Geflügelwirtschaftsverbandes Hessen, über die Lage. „Für viele Betriebe ist die Geflügelpest existenzbedrohend“, redet er nicht um den heißen Brei herum. In Hessen seien die Mäster von Puten und Hähnchen vor allem im nördlichen Teil des Landes angesiedelt. Doch Großbetriebe wie in Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern gebe es in Hessen überhaupt nicht. Die Branche sei geprägt durch mittelständische und viele Kleinbetriebe, die allerdings auch besonders anfällig seien, wenn solche Seuchen auftreten und die Erlöse stark schrumpfen lassen.

Hessen: 1 Million Hennen

Übers ganze Land verteilen sich die Eier-Produzenten. 66 Halter im Hessenland zählt die Statistik zu den hauptberuflichen Betrieben mit mehr als 3000 Legehennen. Deutschlandweit gibt es davon 1650. Das zeige besonders gut, dass Hessen bundesweit gesehen nur ein kleiner Player in der Geflügel-Branche sei. Noch eine Zahl, die das belegt: Von den 48 Millionen Legehennen, die bundesweit registriert sind, werden gerade eine Million in hessischen Ställen gehalten. Die Betriebe hierzulande vermarkten laut Linn ihre Produkte fast ausschließlich regional. Der örtliche Lebensmittel-Einzelhandel oder die Direktvermarkter auf Wochenmärkten seien die ersten Abnehmer. Bei den Gesprächen mit Züchtern und Haltern habe er bislang noch keine Rückmeldung über Nachfragerückgänge bekommen.

Der Verbandsgeschäftsführer hält die Entscheidung des Landes, eine generelle Stallpflicht einzuführen, aus Präventionsgründen für richtig. Er würde sich sogar eine bundesweite Anordnung wünschen. Schließlich wollten die Verbraucher gerade zur Weihnachtszeit nicht auf Geflügel-Produkte verzichten. Weder auf Eier beim Backen noch auf den Gänsebraten oder die Entenkeule.

Verbote in Exportmärkten

Wie groß der Schaden bisher ist, lässt sich schwer beziffern. Für die betroffenen Geflügelbetriebe in Norddeutschland, die Zehntausende Tiere verloren, ist der Schaden natürlich immens – auch wenn sie von den Tierseuchenkassen entschädigt werden. Hinzu kommen für die gesamte Branche Einbußen durch das Wegbrechen von Exportmärkten. Bisher haben Israel, Japan, Südafrika und Südkorea Einfuhren von Geflügel und Geflügelprodukten aus Deutschland verboten.

Nach Angaben des Zentralverbandes der Geflügelwirtschaft (ZDG) ist der Anteil der Exporte in Drittländer außerhalb der EU jedoch sehr gering. Hauptsächlich produziert Deutschland Geflügelfleisch und Eier für den eigenen Bedarf. Bei Eiern wird der Bedarf nur zu 70 Prozent gedeckt. Von den Ausfuhren entfallen mehr als 90 Prozent auf EU-Länder. Nur der Rest geht an Nicht-EU-Länder, von denen vier jetzt Einfuhren verboten haben. Zwölf weitere können Geflügelprodukte nicht mehr einführen, weil in den nötigen Dokumenten die Freiheit Deutschlands von der Vogelgrippe nicht bescheinigt werden kann.

Für die Branche ist es dem ZDG zufolge sehr schmerzhaft, dass Deutschland den Status „Frei von Vogelgrippe“ verloren hat. Jedes Exportland entscheidet für sich, ob es weiter Eier und Küken einführt. Der ZDG hofft, dass die Einfuhrsperren relativiert werden und nur auf die von Vogelgrippe betroffenen Regionen in Deutschland bezogen werden.

Etikett „Freiland“

Kaufzurückhaltung bei Geflügelfleisch sei nicht zu spüren. Die Kunden geben den Tierhaltern keine Schuld an der Geflügelpest, sondern sehen sie als „höhere Gewalt“ an.

Eier und Geflügelfleisch dürfen trotz Stallpflicht weiter mit dem Etikett „Freiland“ verkauft werden. Und zwar bis zu zwölf Wochen lang, so der Verband. Bei Bio-Geflügelfleisch und Bio-Eiern gilt diese zeitliche Begrenzung nach Angaben des bundesweit tätigen Ökolandbauverbandes Biopark nicht. Konventionelle Freiland-Eier dürfen nach einem Vierteljahr nur noch als billigere Eier aus Bodenhaltung angeboten werden, das bedeutet Einbußen für die Betriebe. Der ZDG setzt sich nach eigenen Angaben dafür ein, dass eine Stallpflicht nicht länger als zwölf Wochen gelten darf.

Vorübergehend verringert sich die Legeleistung, wenn ans Freiland gewöhnte Hennen in den Ställen bleiben müssen. Einen signifikanten Rückgang gibt es nach Angaben von Praktikern jedoch nicht.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse