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Generationswechsel bei den Beckmanns

Von Das Egelsbacher Familienunternehmen Delta Pronatura gehört zu den verborgenen Perlen der hessischen Unternehmenslandschaft. Ihr Top-Produkt „Dr. Beckmanns Fleckenteufel“ ist auf der ganzen Welt bekannt. Zum Jahresende übernimmt mit Nils Beckmann die vierte Generation der Familie die Verantwortung.
Inhaber Heiner Beckmann, Nils Beckmann, Gerhard Krauss und Laborleiter Frank Strauß (von links) beim Fachsimpeln über einen neuen Duftstoff. Foto: LUCA GRAZIOLI Inhaber Heiner Beckmann, Nils Beckmann, Gerhard Krauss und Laborleiter Frank Strauß (von links) beim Fachsimpeln über einen neuen Duftstoff.

Wer Egelsbach hört, dem fällt meist nur der dortige Flugplatz ein. Ansonsten scheint die 11 000-Seelen-Gemeinde im Landkreis Offenbach nichts zu bieten zu haben, was der öffentlichen Aufmerksamkeit lohnt. Doch weit gefehlt! Egelsbach vor den Toren Frankfurts ist zur Heimat eines Familien-Unternehmens geworden, das sich dem ehrwürdigen Club der „hidden champions“ zurechnen lässt.

Die „heimlichen Champions“ sind mittelständische Unternehmen, die in Nischen-Marktsegmenten Weltmarktführer geworden sind. Sie zählen zu den globalen Gewinnern, weil sie in der Öffentlichkeit kaum bekannt und in der Regel keine Aktiengesellschaften sind, die von Analysten und Investoren beobachtet werden.

All das trifft auf die Egelsbacher Delta Pronatura Dr. Krauss & DR. Beckmann KG zu. Schon der Firmenname ist so gewählt, dass man ihn nach dem ersten Hören und Lesen schnell wieder vergisst. Doch was sich hinter dieser unscheinbaren Fassade versteckt, ist die Erfolgsgeschichte einer familiengeführten Firma, die zum Weltmarktführer aufgestiegen ist.

Der Weg in die Marktnische sei bewusst gewählt worden, erzählt Heiner Beckmann: „Uns war klar, dass wir gegen die großen Konzerne im Waschmittelmarkt nichts zu bestellen haben. Also haben wir konsequent auf Spezialprodukte gesetzt.“ Der Standort im Egelsbacher Gewerbegebiet wurde 2001 bezogen und Schritt für Schritt ausgebaut. Für ein neues Hochregallager, das in Kürze in Betrieb genommen wird, hat die Firma zehn Millionen Euro in die Hand genommen. Ministerpräsident Volker Bouffier hatte es sich nicht nehmen lassen, zur Grundsteinlegung zu erscheinen und den Inhabern und der Belegschaft seine Anerkennung auszusprechen.

Doch Delta Pronatura stoße noch längst nicht an Wachstumsgrenzen, sagt Nils Beckmann (34), der Ende des Jahres die Nachfolge seines Vaters als geschäftsführender Gesellschafter in vierter Generation antreten wird. Der Jung-Unternehmer bringt neuen Schwung in die Firma und hat ehrgeizige Pläne. Er will vor allem die E-Commerce-Schiene ausbauen. Dazu werde aktuell mit Amazon verhandelt. Der Startschuss soll noch in diesem Jahr erfolgen. In China werde bereits ein Drittel des Umsatzes im Online-Geschäft erzielt. Für die gesamte Unternehmensgruppe peilt Beckmann das Ziel an, den Umsatz binnen sieben Jahren zu verdoppeln. 2017 erlöste Delta Pronatura rund 165 Millionen Euro.

Ins digitale Zeitalter

Am Charakter des Unternehmens will auch Nils Beckmann nichts verändern. Börsenpläne? Da schmunzelt er und schüttelt heftig mit dem Kopf. „Wir bleiben familiengeführt“, betont er. Der internationalen Strategie, die sein Vater begründet hat, fühlt er sich verpflichtet. Der Betriebswirt will die Prozesse ins digitale Zeitalter übersetzen und dafür sorgen, dass Markenentwicklung und Produktion künftig schneller auf geänderte Bedürfnisse der Verbraucher reagieren können.

Die Produkt-Pipeline sei gut gefüllt, heißt es. Sechs Chemiker sind in den Laboren im Einsatz, um Innovationen und Neuheiten zu entwickeln, zu erforschen und zur Marktreife zu führen.

Unbestrittener Star im Markensortiment Dr. Beckmann ist der Fleckenteufel, mit dem zunächst der deutsche Markt und später über 80 Auslandsmärkte erobert wurden. Bei der Einführung 1982 in Deutschland handelten Heiner Beckmann und sein Cousin Gerhard Krauss, die den mittelständischen Global Player gemeinsam leiten, nach der Devise: „Flecken gibt es überall und jeder will eine weiße Weste haben“. Ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Verbraucher gepaart mit chemischen und pharmazeutischen Kenntnissen bildete sich zur Erfolgsformel heraus. Dass Heiner Beckmann schon 1984 die Bedeutung des Exportgeschäftes erkannte, spricht für seine unternehmerische Weitsicht. Mit Norwegen wird derzeit das letzte europäische Land als Exportmarkt erschlossen. Von den größten Märkten weltweit fehlen Delta Pronatura nur Indien, Indonesien und Brasilien. Doch auch diese weißen Flecke sollen mittelfristig verschwinden. Heute schon erzielt Delta Pronatura 60 Prozent seines Umsatzes im Auslandsgeschäft.

Der Fleckenspezialist bietet in seinem Sortiment inzwischen die ganze Bandbreite von Waschadditiven und Haushaltsreinigern an. Gallseife, Waschmaschinenreiniger, Dufttücher und Spezial-Fleckenentferner sind Bestandteile der inzwischen gut 80-köpfigen Produktfamilie von Dr. Beckmann.

Belegschaft wächst mit

Neben der Marke Dr. Beckmann vertreibt das Unternehmen, das aus einer 1934 in Berlin gegründeten Apotheke hervorgegangen ist, die 2016 erworbene Gesundheitsmarke Bullrich, sowie in Lizenz Blistex Lippenpflege, Bi-Oil für Hautpflege und Blanx White Shock Zahnpflege. Produziert wird an den Standorten Egelsbach, Heppenheim und im englischen Bolton. 200 der insgesamt 350 Mitarbeiter sind in Deutschland beschäftigt – Tendenz steigend. Allein im vergangenen Jahr seien 30 neue Mitarbeiter eingestellt worden, sagt Heiner Beckmann.

Der 70-jährige Senior-Chef zieht sich zum Jahresende aus dem Tagesgeschäft komplett zurück, will nur noch beratend tätig sein und sein Leben genießen – etwa beim Bergsteigen in den Alpen, beim Wandern im Schwarzwald oder mit Freunden bei einer guten Flasche Rotwein.

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