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Goldkauf könnte sich lohnen

Von Die Deutschen sind traditionell im Goldrausch. Doch aktuell gibt es gute Gründe, die für Käufe sprechen – neben dem Zinsumfeld auch der Devisenmarkt. Freilich gibt es auch Risiken.
Die 50-Euro-Goldmünze „Kontrabass“ erscheint im zweiten Halbjahr. Bilder > Die 50-Euro-Goldmünze „Kontrabass“ erscheint im zweiten Halbjahr.
Frankfurt. 

Das Auf und Ab des Goldpreises lässt Anleger weltweit fiebern. Er war seit seinem Zwischenhoch bei rund 1350 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) im September vorigen Jahres – das wiederum markant unter dem Rekord von fast 2000 Dollar im Jahr 2011 lag – bis Mitte Dezember um mehr als 100 Dollar abgebröckelt. Doch hat er sich seither wieder bis auf 1320 Dollar erholt.

Für deutsche Anleger, in Euro gerechnet, sieht es freilich anders aus: Da hatte das Edelmetall schon im April bei knapp 1217 Euro je Unze den Höchstpreis erreicht. Selbst beim Allzeitrekord am 1. Oktober 2012 – zum Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise – waren es nur rund 150 Euro mehr gewesen. Bis Mitte Dezember sackte die Notierung auf 1055 Euro ab, stieg dann aber wieder auf knapp 1100 Euro. Die Schwankungen fallen also im mehrjährigen Vergleich deutlich geringer aus als in der am Markt deutlich stärker beachteten Dollar-Notierung – denn häufig geht ein steigender Goldpreis mit einem schwächeren Dollar einher. Eine Erklärung: Ein stärkerer Euro macht das in Dollar notierte Edelmetall für Anleger aus dem europäischen Währungsraum attraktiver.

Prognosen unsicher

Und nun? Bei Prognosen zum Goldpreis gibt es zwei Meinungen: Die einen Kommentatoren malen angesichts der lockeren Geldpolitik der weltweit wichtigsten Notenbanken, oft in grellen Farben, den bevorstehenden Zusammenbruch des Währungssystems an die Wand und erwarten stark steigende Notierungen (bzw. eher einen Wertverlust des „Papiergeldes“). Ausgewogener urteilen die Analysten des Degussa-Marktreports: „Für Anleger ist und bleibt Gold – vor allem auch angesichts des aktuellen Preises – eine Portfolio-Versicherung mit Wertsteigerungspotenzial.“

Andere Experten weisen eher darauf hin, wie stark die niedrigen Zinsen Gold – und auch andere Sachwerte wie Aktien oder Immobilien – haben haussieren lassen; sie erwarten bei einer Normalisierung der Leitzinsen deutlich abbröckelnde Preise. Konsens ist das aber nicht. „Was aktuell noch nicht im Goldpreis eingepreist ist, ist die längerfristige Auswirkung, die eine mögliche weitere Straffung der Geldpolitik haben kann: ein schnelles Abgleiten der US-Wirtschaft in die nächste Rezession“, warnt Portfoliomanager Joe Foster von VanEck. Wegen der höheren Risiken und geopolitischer Unsicherheiten könnte der Goldpreis seiner Einschätzung nach dann deutlich steigen.

Beim Euro dagegen sagt eine klare Mehrzahl der Analysten eine Erholung des Dollar voraus. Denn die in den USA bereits deutlich höheren – und voraussichtlich auch schneller steigenden – Zinsen sprechen für ein Abbröckeln des Euro; schließlich will die EZB ihre ultraexpansive Geldpolitik noch bis mindestens Ende des Jahres fortsetzen. Für Euro-Anleger macht das Gold-Investments (ebenso wie alle Anlagen in Dollar) auf mittlere Sicht attraktiver, selbst wenn sich der Preis des Edelmetalls in Dollar nur wenig bewegen sollte.

Besonders die Deutschen fragen dabei Gold nach – weit mehr als Anleger aus den Nachbarländern (mit Ausnahme der Schweiz und Österreichs). „Die häufigen Währungsreformen hat kein Engländer und auch kein Holländer erlebt. Es gibt einen Grund für die international berühmte ,German Angst’“, sagt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Sprecher der Geschäftsführung von Degussa Goldhandel.

8672 Tonnen besaßen die deutschen Privathaushalte Ende 2016, gut die Hälfte davon als Barren und Münzen, knapp 4000 Tonnen in Form von Schmuck. Knapp 200 Tonnen kamen 2017 hinzu. Rechnet man die Goldreserven der Bundesbank hinzu (3378 Tonnen), sind 6,4 Prozent des weltweiten Goldbestandes in deutschem Besitz.

Wie Sie investieren können

Wer sich gegen eine Krise des Währungs- oder Bankensystems absichern möchte, für den kommen nur Goldmünzen oder Barren in Frage. Da kleine Münzen oder Barren aber teuer sind, ein Kilobarren hingegen ein hohes Investment erfordert, dürften in den meisten Fällen Anlagemünzen mit einer Feinunze Gewicht (wie der südafrikanische Krügerrand) erste Wahl sein. Er kostet aktuell bei Anbietern wie Degussa Goldhandel rund 1143 Euro.

Wer eher auf Kursgewinne spekuliert, kann auch in Anleihen wie „Xetra-Gold“ der Deutschen Börse anlegen. Dann fallen die Differenzen zwischen An- und Verkaufspreis geringer sowie die Lagerhaltung billiger und sicherer aus. Das Gold ist physisch beim Konzern hinterlegt, gegen (happige) Gebühren kann man es sich auch liefern lassen.

Die Nachfrage ist angesichts der Vorteile enorm: Ende 2017 lagerten mehr als 175 Tonnen des Edelmetalls in den Tresoren der Deutschen Börse, um die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. „Der Anstieg liegt vor allem an der hohen Nachfrage von institutionellen Investoren“, sagt Michael König, Geschäftsführer der Emittentin Deutsche Börse Commodities. Doch zeigten auch immer mehr Vermögensverwalter, Betreuer von Familienvermögen und Privatanleger Interesse. Neues Gold kommt immer dann hinzu, wenn Anleger „Xetra-Gold“-Anteile erwerben.

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