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Karte: Große regionale Unterschiede bei Kita-Betreuung

Die Qualität der frühkindlichen Bildung hat in Hessen auch mit dem Wohnort zu tun – denn die regionalen Unterschiede im Land sind gemäß einer Studie sehr groß.
Symbolbild Foto: Sonja Marzoner/Archiv Symbolbild
Wiesbaden/Gütersloh. 

Die Opposition im hessischen Landtag hat mit Kritik an der schwarz-grünen Landesregierung auf eine Studie zur Kinderbetreuung in hessischen Kitas reagiert. Als „niederschmetternd“ bezeichnet der familienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Gerhard Merz, das Abschneiden Hessens bei der Studie der Bertelsmann Stiftung. Demnach gibt es in keinem anderen Bundesland größere regionale Unterschiede in der Qualität der Kinderbetreuung in Kindergärten. Zudem schneidet das Bundesland beim Personalschlüssel bei der Betreuung von Kindern ab drei Jahren im westdeutschen Vergleich am schlechtesten ab.

„Hessen verbessert sich nicht nur nicht, es fällt weiter zurück“, kommentierte SPD-Landtagsvorsitzender Merz. Gebe es außerdem so große regionale Qualitätsunterschiede wie in Hessen, „dann stimmt etwas nicht im System.“ Laut der Studie musste eine Fachkraft im Landkreis Fulda rein rechnerisch im vergangenen Jahr mehr als vier Kindergartenkinder mehr betreuen als in Darmstadt.

8000 Fachkräfte fehlen

Auch die FDP fand deutliche Worte. Dass sich die Situation der Kita-Leiterinnen im Vergleich zu den westdeutschen Bundesländern verschlechtert habe, sei ein „Armutszeugnis“ für den Sozialminister, sagte René Rock, Fraktionsvorsitzender der FDP-Fraktion im Landtag. Die in der Studie genannten etwa 8000 fehlenden Fachkräfte müssten ein Weckruf sein.

Die Linke sieht sich in der Kritik bezüglich der personellen Ausstattung in Kitas bestätigt und fordert die Einbindung des Bundes. „Die Landesregierung muss ihre Blockadehaltung gegenüber der Förderung durch den Bund aufgeben“, sagte Marjana Schott, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion.

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Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) meint hingegen, dass Hessen gut aufgestellt sei. Es werde so viel Geld wie noch nie investiert, im Vergleich zu vor fünf Jahren habe man sich „sogar verbessert“. In der Gegenüberstellung zu 2016 allerdings hat sich der Betreuungsschlüssel von Kindern je Fachkraft von 9,6 auf 9,7 bei den ab Dreijährigen und von 3,8 auf 3,9 bei den Krippenkindern verschlechtert. In der realen Gruppensituation können das mindestens 13, aber auch mal bis zu 16 Kinder sein, wie Anette Stein von der Stiftung erläutert.

Die schwarz-grüne Landesregierung hatte die beitragsfreie sechsstündige Betreuung für Kinder ab drei Jahren bis zu Einschulung beschlossen. Eine komplette Beitragsfreiheit sei bisher bewusst nicht eingeführt worden, sagte Grüttner. „Es muss auch genug Geld für Qualität und den weiteren Ausbau von Plätzen geben.“ Die Grünen verteidigen die von ihnen mitbeschlossene Beitragsfreiheit. Diese sei ihnen besonders wichtig, sagte der sozialpolitische Sprecher Marcus Bocklet. Die Studienergebnisse wolle man „eingehend analysieren“.

Laut SPD-Mann Merz hat die Beitragsbefreiung die Betreuungssituation nur weiter verschlimmert. Die Pauschalen reichten vielerorts nicht aus, um die fehlenden Einnahmen auszugleichen. Auch für die FDP-Fraktion ist die Freistellung der falsche Weg. Die Landesregierung setze mit ihrer Politik „Gebührenfreiheit statt Qualität“ aufs falsche Pferd, sagte der Fraktionsvorsitzende René Rock.

Hessen auf Rang neun

Bundesweit rangiert Hessen in Bezug auf die Betreuungsschlüssel auf Platz neun bei den Krippenkindern, also im guten Mittelfeld. Bei den Älteren belegt Hessen den elften Rang. Spitzenreiter sowohl im Krippen- als auch im Kindergartenbereich ist Baden-Württemberg. Schlusslicht bei den jüngeren Kindern ist Sachsen, bei den älteren Kindern Mecklenburg-Vorpommern.

Der Bund müsse deutschlandweit einheitliche Standards schaffen, fordert Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Eine Beteiligung an der Kita-Finanzierung nur bis 2022 reiche nicht. Das geplante „Gute-Kita-Gesetz“ sehe Einheitsstandards aber nicht vor und drohe deshalb das regionale Qualitätsgefälle und den „Flickenteppich“ zu verschärfen.

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