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Frankfurter Startup: Gründerduo will das Stromnetz intelligenter machen

Während Berlin als das Silicon Valley von Deutschland gilt, siedeln sich auch in Frankfurt immer mehr Start-up-Gründer an, die auf der Suche nach den neuesten Trends sind und ihre Ideen marktreif machen wollen.
Die beiden „node.energy“-Gründer Lars Rinn und Matthias Karger im Lounge-Bereich des Frankfurter TechQuartiers. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Die beiden „node.energy“-Gründer Lars Rinn und Matthias Karger im Lounge-Bereich des Frankfurter TechQuartiers.
Frankfurt. 

Beim Begriff Start-up denken viele an das klischeehafte Bild von nerdigen Tüftlern, die in provisorischen Garagen an einer genialen Idee werkeln, um diese dann, nach vielen Nachtschichten, der Welt zu präsentieren und an den Markt zu bringen. Matthias Karger und Lars Rinn, die Gründer des Energie-Start-ups „node.energy“, entsprechen diesem Bild nur teilweise. Neben aufstrebenden Start-ups aus dem Finanzsektor sind die beiden mit ihrem Projekt im kreativen Gründerzentrum „TechQuartier“ mitten in Frankfurt ansässig. Dort arbeiten sie in einem inzwischen siebenköpfigen Team an ihrer Idee. Ihr Vorhaben klingt vielversprechend: Eine Software zur Optimierung von Energiekosten für Unternehmen mit eigener Stromerzeugung. Doch der Weg vom ersten Einfall bis zum präsentierbaren Geschäftsmodell verlangte den beiden Gründern viel Ausdauer ab.

Frühere Studenten

Die erste gute Note während seines BWL-Studiums erzielte Karger in dem Fach Energiewirtschaft. Fortan sollte das Thema den bis dahin orientierungslosen Studenten nicht mehr loslassen. Als Praktikant und Werkstudent lernt der gebürtige Friedrichshafener mehrere Energieunternehmen kennen, bevor er als Co-Gründer den Grünstromvermarkter „Clean Energy Sourcing AG“ (CLENS) mitgründet. Das Geld hierfür leiht er sich von einem seiner Mitinitiatoren. Nach sechs lehr- und erfolgreichen Jahren möchte er aus dem Schatten seiner Partner heraustreten. Mit dem klaren Vorsatz, „etwas Neues zu schaffen, ein neues Unternehmen zu gründen“, gibt der damals 33-Jährige seine leitende Position auf und kündigt. Zu der Zeit hat der fünf Jahre jüngere Lars Rinn seine Masterarbeit im Studiengang „Energy Science and Engineering“ an der TU Darmstadt abgeschlossen und plant zu promovieren. Karger kennt er noch flüchtig von seiner Zeit als Werkstudent bei CLENS. Als er von seinem Ausstieg und Plänen hört, hakt er bei ihm nach. Was Eigenes gründen – das kann auch Rinn sich vorstellen. Die beiden tauschen sich aus und trotz Alters- und Erfahrungsunterschied wird schnell klar: Ihr gemeinsamer Nenner ist die Energiewirtschaft. Karger findet in dem jungen Uniabsolventen einen Weggefährten und den idealen Gründungspartner.

Bis das endgültige Geschäftsmodell steht, werden verschiedene Konzeptpapiere ausgearbeitet und einige Ideen wieder verworfen. „Markt noch nicht entwickelt“, „Nicht groß genug“ lautet das Feedback, das sie sich von möglichen Kunden, Investoren und potenziellen Mitarbeitern einholen. Als Gründer in Deutschland befinde man sich stets in einem Spannungsfeld, so Karger. Einerseits solle man die Zukunft antizipieren, andererseits darf man mit seiner Idee nicht zu weit in der Zukunft sein, weil man sonst niemanden finde, der das nötige Kapital gebe. „Man hat es uns nicht leicht gemacht“, sagt der ehemalige Beachvolleyball-Nationalspieler Karger und vergleicht den Prozess mit einem Höhentrainingslager. Unter erschwerten Bedingungen haben sie ihr Geschäftsmodell erst einmal finden müssen.

Microgrids & Marktstart

2016 gründen sie dann „node.energy“ mit dem Ziel, den lokalen Ausgleich von Stromangebot und -nachfrage effizient zu managen. Bisher ist es so, dass Strom aus Kleinkraftwerken oder Solaranlagen in das öffentliche Netz eingespeist und mit einem staatlich geförderten Tarif vergütet wird. Karger und Rinn argumentieren, dass auch der dezentrale Energieverbrauch direkt vor Ort immer häufiger Sinn macht. Mit der eigenen Software opti.node soll die Verwaltung der so entstehenden lokalen Stromnetze (sog. Microgrids) radikal vereinfacht werden. Industrie- und Gewerbebetriebe mit eigener Stromerzeugung wie Krankenhäuser, Hotels und Einkaufszentren könnten damit in Zukunft ohne zusätzliche Investitionen Microgrids optimal planen und betreiben. Überall da, wo Stromerzeugung und -verbrauch aufeinandertreffen, könnten die Energiekosten der Betriebe gesenkt werden, Stromnetze entlastet und der CO2-Ausstoß reduziert werden. Dabei richtet sich die Technologie an Energiemanager und Energieberater, die mit der Komplexität und dem stetigem Wandel der Energiewirtschaft konfrontiert sind. Wo in der Vergangenheit teure Beratung von Experten nötig war, übernimmt nun eine App die rechtssichere, optimale Bewirtschaftung von Microgrids.

Das Konzept scheint bei potenziellen Kunden und Investoren gut anzukommen. Das junge Unternehmen wird durch das „Climate-KIC Accelerator“-Programm der Europäischen Union gefördert und ist Gewinner von Start-up-Preisen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY und des „Handelsblatts“. Investoren gefällt die Kombination aus Kargers Erfahrung als Gründer und Unternehmensführer und dem technologischen IT-Know-how, das Rinn mitbringt. Zuletzt erhielt das Start-up insgesamt 775 000 Euro Wachstumskapital, um die Software-Plattform weiterzuentwickeln, für den Markteintritt in Deutschland und um in zusätzliche Mitarbeiter zu investieren. Aktuell werden mit Pilotkunden die ersten Umsätze gemacht. Am finalen Preismodell feilen die Gründer noch. Ab Sommer soll mit einer über das Internet zugänglichen Basisversion die Ermittlung von Einsparpotenzialen kostenlos möglich sein. Geplant ist, dass für die Nutzung der für die Umsetzung erforderlichen Tools dann eine Gebühr bezahlt werden muss.

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