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Konflikt zwischen den USA und China: Handelskrieg könnte Europa hart treffen

Experten sind sich einig: Sollte das Säbelwetzen zwischen Washington und Peking in einen handfesten Handelskrieg ausarten, würde auch die EU unter den Folgen leiden.
Der Handelskonflikt der USA mit China droht zu eskalieren. Foto: Uncredited (CHINATOPIX/AP) Der Handelskonflikt der USA mit China droht zu eskalieren.
Brüssel. 

Der Handelsstreit zwischen den USA und China nimmt immer heftigere Ausmaße an und droht zu einem regelrechten Krieg auszuarten. Und Europa steht mitten im Schussfeld. „Die EU kann sich nicht schützen, sondern nur den Schaden begrenzen“, fürchtet der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher: Ein Handelskrieg würde auch die EU treffen und innerhalb der kommenden fünf Jahre zu Wachstumseinbrüchen und Jobverlusten führen – auch in Deutschland. Durch globale Wertschöpfungsketten etwa im Maschinenbau oder der Automobilindustrie wäre die Wirtschaft Europas und der Bundesrepublik, aus der viele Zulieferer stammen, unmittelbar mitbetroffen.

Noch ist zwar alles offen – denn in Washington soll es Anfang Mai zunächst eine Anhörung über die Strafzölle gegen China im Kongress geben, eine endgültige Entscheidung ist für den 22. Mai geplant. „Es kommt darauf an, wie die Eskalation weiter verläuft“, sagte der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange (SPD). Doch auch er geht von „fatalen Auswirkungen“ aus, sollte es den „rationalen Kräften“ in Washington nicht gelingen, den Kurs von US-Präsident Donald Trump zumindest abzuschwächen. Danach sieht es allerdings derzeit nicht aus. Waren im Wert von je 50 Milliarden Dollar (etwa 40 Milliarden Euro) jährlich sollen nach der derzeitigen Drohkulisse mit Strafzöllen belegt werden. Eine gefährliche Maßnahme, mahnte Lange. Immerhin halte China 1,8 Billionen Euro an US-Staatsanleihen. Bei einem plötzlichen Verkauf könnte eine Depression ausbrechen.

Ein Auffangbecken

Sollten USA und China ihre geplanten Strafzölle umsetzen, droht der Binnenmarkt zum Auffangbecken für Exportprodukte zu werden. Während die USA China mit zusätzlichen Zöllen auf ohnehin bereits mit Strafzöllen belegte Waren wie Aluminium und Stahl sowie Elektrogeräte drohen, will China die Vereinigten Staaten mit Einfuhrsteuern für Soja, Rindfleisch, Flugzeuge und Autos belegen. Der Ausschussvorsitzende drängt deshalb auf zusätzliche Schutzmaßnahmen gegen mögliche erhöhte Importe in die EU. Schon jetzt laufen seitens der Gemeinschaft mehr als hundert Anti-Dumping-Verfahren gegen China, auf über 50 Produkte aus Peking gelten bereits Strafzölle. Im Schnitt liegen die Zusatzabgaben bei 45,6 Prozent, einige Stahlprodukte sind zum Teil mit über 90 Prozent Strafgebühr belegt.

Längst hat sich die EU auch gegen mögliche Strafzölle der USA auf Exporte aus Europa gewappnet. Gegenmaßnahmen sind nach den Regeln der Welthandelsorganisation erlaubt. Es geht um Produkte und Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro, neben Stahl auch Konsumprodukte und Lebensmittel. Noch genießt die EU eine Schonfrist der USA bis Mai. Doch Lange glaubt nicht daran, dass bis dahin ein dauerhafter Kompromiss geschlossen werden kann. Er rechnet mit Strafzöllen für die EU. Auch Fratzscher forderte in einem solchen Fall ein hartes Auftreten der EU gegenüber den USA.

Experten warnen

Gleichzeitig warnte der Experte aber vor zusätzlichen Schutzzöllen gegen andere Länder, die den Binnenmarkt als Alternative zu den USA nutzen könnten: „Es wäre unklug, eine Eskalation herbeizuführen, indem man eigene Zölle einführt, um eine Produktschwemme nach Europa zu vermeiden.“ Denn langfristig würde dies zu weniger Exporten und dadurch höheren Preisen führen.

Stattdessen hofft Fratzscher auf eine Rückkehr zu den WTO-Regeln, auch wenn die Welthandelsorganisation „massiv an Bedeutung verloren“ habe. Auch die EU habe bilaterale Verträge mit Drittstaaten ausgehandelt und damit die WTO geschwächt. Nötig seien multilaterale Abkommen. Lange hält dagegen eine Neuauflage der WTO ohne die USA für möglich, der auch die EU offen gegenüberstehe.

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