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Gute Konjunktur freut Betriebe und frustriert Auftraggeber: Handwerker in Hessen: Viele Aufträge, lange Wartezeiten

Die Auftragsbücher hessischer Handwerker sind so voll wie seit Jahren nicht mehr. Das sorgt für gute Stimmung bei den Betrieben – und für lange Wartezeiten bei den Kunden.
Im Bau- sowie baunahen Gewerbe betragen die Wartezeiten aufgrund der guten Konjunktur bis zu zehn Wochen. Foto: Waltraud Grubitzsch (dpa-Zentralbild) Im Bau- sowie baunahen Gewerbe betragen die Wartezeiten aufgrund der guten Konjunktur bis zu zehn Wochen.
Berlin. 

Arbeiten am Haus oder im Garten, ein neues Dach, eine neue Garage – wer derzeit ein solches Projekt vorhat, sollte früh mit der Planung beginnen. Weil es im Handwerk so gut läuft wie lange nicht mehr, kommen viele Betriebe mit dem Abarbeiten ihrer Aufträge nicht mehr hinterher. Das bedeutet lange Wartezeiten und Frust für Kunden.

„Das Handwerk blickt auf ein Rekordjahr 2016 zurück“, heißt es im jüngsten Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Das Geschäftsklima sei so gut wie noch nie. 94 Prozent der vom Verband befragten Betriebe gaben an, dass die Geschäfte gut oder zumindest zufriedenstellend liefen. Neben den Lebensmittelbetrieben profitierten vor allem das Ausbau- und Baugewerke von der guten Konjunktur.

Die Umsätze steigen seit Jahren, auch wenn aktuelle Zahlen für 2016 dem ZDH noch nicht vorliegen. Doch was die Betriebe freut, ist für die Kunden häufig ein Ärgernis.

Vor allem bei kleineren Aus- und Umbau- sowie Sanierungsarbeiten müssten sie aktuell bis zu zehn Wochen auf einen Termin warten, berichtet der Geschäftsführer des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen, Rainer von Borstel.

Ähnliche Angaben bezüglich der Wartezeiten machen die Handwerkskammern in Berlin und München. In der Hauptstadt liegt die Wartezeit im Baugewerbe ebenfalls bei rund zehn, in München bei mehr als acht Wochen. „Die Auftragsbücher werden immer dicker“, sagt auch Karl Brenke, Konjunktur-Referent beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Das liegt vor allem am wachsenden Sanierungs- und Wohnungsbedarf.“

So wird in den Ballungszentren dank des Immobilienbooms viel gebaut. Deutschlandweit stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen im vergangenen Jahr um rund 60 000 auf knapp 375 600. Nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Sanierungen zeigt der Trend nach oben, wie aus Angaben des Statistischen Bundesamts hervorgeht.

Auch das treibt die Wartezeiten. „Hinzu kommt, dass viele Unternehmen zunächst die noch bestehenden Aufträge vom Vorjahr abarbeiten“, erklärt Rainer von Borstel. Zudem fehle es zunehmend an qualifizierten Fachkräften, um die hohe Nachfrage zu decken. „Wir haben Probleme, guten Nachwuchs zu bekommen“, bestätigt Felix Diemerling, Geschäftsführer der Malerinnung Rhein-Main.

Preise werden steigen

Gleichwohl sind die Wartezeiten im Malerhandwerk sehr kurz geworden, informiert Diemerling. Nur bei großen Baumaßnahmen sei mehr Zeit für Planung einzuberechnen. „Wer beispielsweise eine Fassade sanieren möchte, sollte für die Vorbereitungszeit drei bis sechs Monate einplanen“, sagt er.

Grundsätzlich müssten sich Kunden in Zukunft darauf einstellen, dass Handwerksarbeiten teurer werden. „Lohnerhöhungen und steigende Materialkosten haben die Bauleistungen bereits verteuert, allerdings nicht in dem Maße, der nötig gewesen wäre“, sagt er. Gleichzeitig nehme die Zahl der Betriebe gerade in der Baubranche weiter ab.

Das liegt laut von Borstel daran, dass ausscheidende Betriebe keinen Nachfolger finden. Darüber hinaus steige das Durchschnittsalter der Mitarbeiter im Baugewerbe, da es den Betrieben nicht gelinge, ausreichend junge Leute für einen Job auf dem Bau zu gewinnen.

Uni statt Ausbildung

„Die Präferenz von Jugendlichen fürs Studium ist ungebrochen hoch“, sagt von Borstel. Das sei vor allem dem Umstand geschuldet, dass viele Eltern für ihre Kinder eine akademische Laufbahn wollten. „Akademischen Berufen wird außerdem häufig eine bessere Qualifikation unterstellt“, sagt Diemerling. Es brauche also ein gesundes Selbstbewusstsein, einen Handwerksberuf zu ergreifen, sagt der Malermeister, der in Frankfurt einen eigenen Betrieb führt. Er selbst habe schon häufig unverständige bis mitleidige Blicke geerntet habe, wenn er sich als Handwerker zu erkennen gab. Dabei werde wohl vergessen, dass der Mensch nicht beim Akademiker beginne, moniert Diemerling.

Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main sieht diese Entwicklung kritisch. Sorge bereite ihr beispielsweise, dass Jugendliche berufliche Entscheidung träfen, ohne ihre eigenen beruflichen Neigungen und Talente wirklich zu kennen, oder weil sie von den Karriereperspektiven im Handwerk wenig wüssten. „Hier ließe sich in Sachen Berufsorientierung noch einiges verbessern“, sagt Patricia Borna, Sprecherin der Handwerkskammer.

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