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Hauptversammlung: Hans-Joachim Watzke: Borussia Dortmund ist eine Milliarde Euro wert

Von Borussia Dortmund erlebt zwar sportlich einen Niedergang. Wirtschaftlich steht der traditionsreiche Revierclub aber glänzend da. Die Aktionäre sind zufrieden mit dem Rekordergebnis und hoffen auf eine nachhaltige Trendwende der BVB-Aktie.
Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gab sich kämpferisch. Foto: Kirchner/David Inderlied (imago sportfotodienst) Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gab sich kämpferisch.
Dortmund. 

Ist der Fußballverein Borussia Dortmund eine Milliarde Euro wert, wie es Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den Aktionären auf der gestrigen Hauptversammlung weismachen wollte? Der Blick auf den aktuellen Börsenwert gibt eine klare Antwort: nein. Das Börsenbarometer zeigte gestern eine Bewertung von 564 Millionen Euro an. Bis zur Milliarde ist es noch ein weiter Weg.

Gestern erholten sich die Anteilsscheine von Deutschlands einziger börsennotierter Fußballfirma zwar leicht. Doch nach der jüngsten Kurs-Talfahrt, die dem Dividendenpapier seit Anfang Oktober einen Verlust von rund einem Drittel eingebracht hat, keimt leise Hoffnung auf eine Trendwende auf. „Wenn wir sportlich reüssieren, geht es auch ganz schnell wieder aufwärts. Dieser Verein ist ganz konservativ gerechnet eine Milliarde Euro wert,“ sagte Mutmacher Watzke den Aktionären.

Die Zahl der Analysten, die die BVB-Aktie kontinuierlich beobachten und kommentieren ist angesichts der geringen Bedeutung des im Kleinwerte-Index S-Dax gelisteten Titels überschaubar. Das Bankhaus Lampe gehört von der ersten Stunde dazu. Die Düsseldorfer stufen die BVB-Papiere in ihrem aktuellen „Research Update“ erneut mit einer „Kaufen“ Empfehlung und einem Kursziel von 9,40 Euro ein. So optimistisch sind nicht alle.

„Halteposition“

Ein Experte in „Euro am Sonntag“ sieht die Borussia auf „Halteposition“. Charttechnisch sei die Situation weiter angespannt, nachdem der Kurs unter die 200-Tage-Linie gerutscht ist, heißt es. Durch das vorzeitige Aus in der Champions League dürften dem Club Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe verloren gehen, begründet Sven Paplies das Urteil. Parallel zum sportlichen Niedergang im Herbst 2017 hatte sich die Borussen-Aktie vom 15-Jahres- Kurshoch bei 8,30 Euro Anfang Oktober auf Talfahrt begeben, scheint nun aber in der Region um sechs Euro Halt zu finden. Die fulminante Kursrally war im Sommer vom Ablöse-Wahnsinn um BVB-Stürmer Ousmane Dembélé ausgelöst worden. Der Jung-Star wurde nach langem Hin und Her zum FC Barcelona transferiert und spült nach Watzkes Worten dem Revierclub knapp 150 Millionen Euro in die Kasse.

Dieser Geldregen ist in der aktuellen Bilanz der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA noch nicht einmal eingeflossen. Denn das Geschäftsjahr, über das Watzke die Anleger informierte, endete am 30. Juni 2017. Trotzdem hat der Traditionsclub einen Rekordumsatz erzielt. Borussia Dortmund erlöste insgesamt 405,7 Millionen Euro, 29,4 Millionen mehr als im bisherigen Rekordjahr 2015 / 16. Der BVB ist damit weiter national die Nummer zwei hinter Umsatz-Krösus Bayern München (gut 640 Millionen Euro Umsatz). Das Konzernergebnis nach Steuern betrug 8,2 Millionen Euro. „Um unsere wirtschaftliche Situation braucht sich niemand Gedanken zu machen“, hatte der 58-jährige Watzke gesagt und aufgelistet: „Finanzschulden null, Bankguthaben knapp 50 Millionen.“ Als Dividende schlug der Aufsichtsrat vor, unverändert sechs Cent je Aktie zu zahlen. Die Dividendenrendite liegt damit leicht über ein Prozent. Die BVB-Aktie ist am 31. Oktober 2000 zu einem Ausgabekurs von 11,00 Euro an die Börse gebracht worden. Größter Einzelaktionär ist heute der Chemiekonzern Evonik Industries mit knapp 15 Prozent. Signal Iduna und Puma halten jeweils gut fünf Prozent der Anteile. Der Rest ist in Streubesitz.

Nicht in Sack und Asche

In seiner 50-minütigen Rede gab sich der Borussen-Chef am Tag nach der leidenschaftlichen Mitgliederversammlung kämpferisch. „Wir müssen nicht in Sack und Asche gehen, wir haben drei Punkte weniger als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Aber Ziel ist und bleibt die Qualifikation für die Champions League, daran ist nicht zu rütteln. Ohne Wenn und Aber.“ Dafür gab es höflichen Applaus der Anteilseigner in der Dortmunder Westfalenhalle. Im Gegensatz zum Mitgliedertreffen, das unter dem Eindruck des historischen 4:4-Desasters gegen den Erzrivalen Schalke 04 gestanden hatte, wurden Trainer Peter Bosz und der Mannschaftsrat bestehend aus Marcel Schmelzer, Marco Reus, Nuri Sahin und Julian Weigl freundlich empfangen.

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