E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C

Finanzinvestor: Hasseröder-Deal vor endgültigem Aus

Von Das Ende kam mit Ansage, doch bald wird es endgültig sein: Der Kronberger Finanzinvestor Daniel Deistler wird bei Hasseröder und Diebels aller Voraussicht nach nicht zum Zuge kommen.
Bald wohl nicht mehr willkommen in Wernigerode: Finanzinvestor Daniel Deistler aus Kronberg. Foto: Matthias Bein (dpa-Zentralbild) Bald wohl nicht mehr willkommen in Wernigerode: Finanzinvestor Daniel Deistler aus Kronberg.
Kronberg. 

Es hätte sein bisher größter Deal werden sollen – doch nun steht der Kauf der beiden Großbrauereien Hasseröder und Diebels durch den Kronberger Finanzinvestor Daniel Deistler und seine CK Corporate Finance endgültig vor dem Scheitern. Schon Anfang Juli hatte der Verkäufer, des weltgrößten Brauereikonzerns Anheuser-Busch InBev, die Notbremse gezogen, die Transaktion vorläufig gestoppt und Gespräche mit anderen Interessenten aufgenommen. Die CK Corporate Finance habe verschiedene Anforderungen aus dem zu Jahresbeginn 2018 unterzeichneten Kaufvertrag nicht erfüllen können, begründete der Konzern. Welche Vertragsanforderungen genau das waren, dazu wollte sich eine AB-InBev-Sprecherin nicht äußern. Eigentlich hätte der Verkauf Mitte des Jahres perfekt sein sollen.

Die letzte Frist

Doch nun läuft, wie diese Zeitung aus Bankenkreisen erfuhr, Anfang September auch die letzte Frist ab. Dass Deistler die Bedingungen noch erfüllen kann, gilt als wenig wahrscheinlich. Nach Angaben aus den Kreisen hakt es an mehreren Stellen, unter anderem bei der Finanzierung des Kaufpreises von rund 200 Millionen Euro für die Pilsmarke aus Wernigerode (Sachsen-Anhalt) und den Altbier-Produzenten aus Issum (Nordrhein-Westfalen). AB-InBev äußert sich dazu nur vage: Stand heute könne man nicht absehen, ob es zu einer Umsetzung kommen werde. Zunächst sollten die Mitarbeiter informiert werden.

Doch hat der Verkäufer nach Angaben der Konzernsprecherin bereits mehreren weiteren Interessenten, mit denen man in Kontakt stehe, die Besichtigung der Brauerei-Standorte ermöglicht: „Es handelt sich hierbei um Interessenten, die bereits mit dem Geschäft vertraut sind und mit denen wir dementsprechend schnell detaillierte Verhandlungen aufnehmen können. Nach wie vor ist es unsere Absicht, Hasseröder und Diebels zusammen zu verkaufen.“

Brauerei-Käufer Deistler hingegen hatte keinerlei Branchenerfahrung – und dass er früher in mehreren Transaktionen mit dem einst im Brauerei-Geschäft aktiven Investor Roland Müller zusammengearbeitet hatte, sorgte bei Beobachtern keineswegs für Beruhigung. Die Gewerkschaft NGG äußerte sich alarmiert – der zuständige Braunschweiger Regionalgeschäftsführer Manfred Tessmann sprach wegen dieser Verflechtung von einem „Anfangsverdacht der Unseriosität“. Müller hielt zeitweise die Mehrheit an der Brauerei Wernesgrüner, mehrere Bier-Engagements in Thüringen endeten in der Insolvenz. Und auch der Einstieg bei der ehemaligen Straßenbausparte von Bilfinger (Betam), bei dem Deistler als Berater mitwirkte, endete 2015 in der Pleite des Unternehmens. Müller ist wegen Insolvenzverschleppung bei seiner Erfurter Braugold-Brauerei vorbestraft.

Dieser Zusammenhang zwischen den Geschäftsleuten Deistler und Müller macht auch Ex-Hasseröder-Chef Walter Schmidt „ernste Sorgen“. Schmidt hatte nach der Wende Hasseröder aufgebaut und bis 2003 geleitet, bevor er Chef bei der Privatbrauerei Dithmarschen und dem Einbecker Brauhaus wurde. „Da wird mir schwarz vor Augen“, sagte Schmidt – der mit zwei anderen Wernigeroder Investoren Hasseröder ebenfalls kaufen wollte, aber nicht zum Zuge kam.

Die Geschäftsbeziehungen zwischen Deistler und Ex-Partner Müller hielten offenbar bis in jüngste Zeit. Geschäftsführer von Deistlers Brauerei-Beteiligungen wurde Thomas Buchholz, „Senior Advisor“ bei der Unternehmensfinanzierungs-Beratung Ludwig & Co., die laut Selbstdarstellung auf der Website Deistlers CK Corporate Finance beim Kauf von Hasseröder und Diebels beraten hat. Als weitere Transaktion des Jahres 2017 wird ein Unternehmen namens Aronco und dessen Akquisition der Baustoffwerke Nowotnik und des Straßen- und Tiefbau Welzow genannt. Ex-Eigentümer Hans Georg Nowotnik hatte vor Jahren Schlagzeilen gemacht, als die Firma – die Kiesgruben bei Köln betrieb – einem Millionen-Betrug zum Opfer fiel.

Der Kreis schließt sich

Nun halten Aronco Industrie bzw. deren Beteiligung Aronco Baustoffindustrie GmbH die genannten Töchter. Und bei Aronco wiederum tritt Roland Müller (unter anderem auf seiner LinkedIn-Seite) als „Projektmanager“ auf. Gesellschafter sind Nowotnik und eine Rechtsanwältin aus Worms, die auch als Geschäftsführerin amtiert. Laut Selbstdarstellung ist sie spezialisiert auf „Probleme bei Scheidung und Unterhalt, Verkehrsrecht und Vertragsrecht bei Schwierigkeiten mit Handyvertrag oder Internet-Anbieter“, zudem „als Krankengymnastin auch auf medizinischem Gebiet zu Hause“ – nichts, was sie auf den ersten Blick zur Führung eines Baustoff-Unternehmens qualifiziert. Aber: Iris Müller-Schulte ist die Schwester von Roland Müller.

Deistler reagierte nicht auf eine Anfrage dieser Zeitung. Zu einem früheren Zeitpunkt ließ er durch seine Anwälte IrleMoser in Bezug auf den Brauerei-Investor Roland Müller darlegen: „Weder war unser Mandant für dessen Beteiligungen verantwortlich noch hat Roland Müller auch nur ansatzweise mit dem Kauf von Hasseröder oder Diebels zu tun.“

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen