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2017 wird es noch mehr Jobs und noch weniger Erwerbslose geben: Hessen arbeitet wie nie zuvor

Von Die hiesige Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit ist Hessens Behörde für Rekorde: Weder Terroranschläge noch Trumps Wahlsieg noch Flüchtlingsströme scheinen ihre monatlichen Arbeitsmarkt-Bilanzen auf absehbare Zeit trüben zu können.
Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben eine niedrigere Arbeitslosigkeit als Hessen. Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben eine niedrigere Arbeitslosigkeit als Hessen.
Frankfurt. 

Der Aufschwung auf dem hessischen Arbeitsmarkt wird sich fortsetzen. Davon ist Frank Martin überzeugt. „2016 war ein gutes Arbeitsjahr, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das ändern wird“, sagte gestern der Chef der hessischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mit Blick auf die anhaltend gute Konjunkturlage. Die Zuversicht des 53-Jährigen fußt auf der Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die er gestern vorgestellt hat.

Demnach wird die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im kommenden Jahr sogar erstmals in der Geschichte des Bundeslandes die 2,5-Millionen-Marke knacken. Mit exakt 2,505 Millionen rechnet das IAB – das wäre ein Plus von 1,7 Prozent gegenüber diesem Jahr. Zum Vergleich: Deutschlandweit rechnet das Institut mit einem Anstieg von 1,6 Prozent. In diesem Jahr wird Hessen nach IAB-Berechnungen auf 2,464 Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs kommen – nach 2,418 Millionen im vergangenen Jahr. Ein Beschäftigungszuwachs, zu dem nach Darstellung der Regionaldirektion alle Agenturbezirke beigetragen haben. Und das IAB schätzt, dass auch 2017 alle Bezirke mehr sozialversicherungspflichtige Jobs verzeichnen werden.

Bundesweit mehr Arbeitssuchende

In Deutschland waren im November so wenige Menschen arbeitslos wie zuletzt vor 25 Jahren. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren 2,532 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit.

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Die zweite positive Botschaft des IAB für Hessen: Obwohl der Arbeitsmarkt 2017 deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen muss als in diesem Jahr, wird die Zahl der Arbeitslosen weiter sinken. Und zwar um 2,8 Prozent auf 167 700. Damit würde Hessen auch hier leicht über dem Bundesdurchschnitt liegen, der auf minus 2,7 Prozent beziffert wird. Nur für den Agenturbezirk Wiesbaden rechnet das IAB mit einem leichten Anstieg. Für das laufende Jahr erwartet das Institut für Hessen einen Rückgang der Erwerbslosenzahl um drei Prozent auf 172 500 – und damit auf den niedrigsten Stand seit 1992.

Die gestern ebenfalls veröffentlichten November-Zahlen liegen noch darunter: 163 791 Frauen und Männer waren im gerade abgelaufenen Monat arbeitslos gemeldet. – 1865 weniger als im Oktober und 3418 weniger als ein Jahr zuvor. Im Vormonatsvergleich verharrte damit die Arbeitslosenquote bei 5,0 Prozent – dem niedrigsten Stand in einem November seit 25 Jahren. Im November 2015 hatte die Quote bei 5,1 Prozent gelegen. Dass die Zahl der Erwerbslosen zum Jahresende vorübergehend leicht steigen wird, ist ein saisonübliches Phänomen, denn im Winter müssen viele Menschen, die in Außenberufen tätig sind, pausieren.

Flüchtlinge brauchen Zeit

Insgesamt hat sich Hessens Arbeitsmarkt denn auch deutlich besser entwickelt, als von der Regionaldirektion ursprünglich erwartet: Vor einem Jahr hatten die Behörde und das IAB für 2016 noch damit gerechnet, dass die Zahl der Arbeitslosen steigen würde – um 4,2 Prozent. Dass es nun ganz anders gekommen ist, liegt nicht nur an der überraschend starken Konjunktur hierzulande. Sie ist auch dem Umstand geschuldet, dass viel weniger Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und anderen Krisengebieten der Welt auf den hiesigen Arbeitsmarkt gekommen sind als kalkuliert worden war. „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat bei der Bearbeitung der Asyl-Anträge jetzt erst die Geschwindigkeit erreicht, die wir schon für den Jahresanfang erwartet hatten“, sagte Martin gestern. Tatsächlich benötigte das BAMF noch im Sommer durchschnittlich 7,3 Monate, um über einen Asylantrag zu entscheiden. „Inzwischen hat das Bundesamt rund 98 Prozent aller Anträge aus 2015 bearbeitet“, so Martin.

Frank Martin, Chef der Regionaldirektion Frankfurt Bild-Zoom Foto: Arne Dedert (dpa)
Frank Martin, Chef der Regionaldirektion Frankfurt

Von den rund 80 000 Flüchtlingen in Hessen sind laut Regionaldirektion erst knapp 10 000 am Arbeitsmarkt angekommen. Und dass die schnell einen festen Job finden werden, glaubt Martin nicht. „Zwar sind rund zwei Drittel dieser Flüchtlinge jünger als 35 und sehr motiviert. Aber rund drei Viertel haben keinen Berufsabschluss – zumindest keinen formalen, wie wir ihn in Deutschland definieren“, gab Martin zu bedenken. Und die Arbeitsagentur ziele nun mal nicht darauf ab, dass die Flüchtlinge einen ungelernten Job annehmen. Vielmehr gehe es der Behörde darum, diese Menschen in eine Ausbildung zu bringen, damit sie auch langfristig einen Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. „Mit einer großen Zahl qualifizierter Flüchtlinge rechne ich erst für 2018“, sagte der Leiter der Regionaldirektion. Jung genug für eine Ausbildung seien die meisten Flüchtlinge ja. Und im Gegensatz zu vielen gleichaltrigen Deutschen hätten sie keine größeren finanziellen Verpflichtungen, die mit dem geringen Ausbildungsgehalt nicht vereinbar wären. „Erfahrungen im Ausland zeigen, dass nach grob zehn Jahren rund 60 Prozent der Flüchtlinge eine feste Anstellung gefunden haben“, sagte Martin. Ähnlich werde wohl auch die Bilanz in Hessen ausfallen.
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