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Wettbewerbsfähigkeit: Hessens Chemie-Industrie wird digital

Von Hessens Chemie- und Pharmaindustrie erwartet 2017 mehr Umsatz und stellt sich dem Zukunftsthema Digitalisierung. Die Branche rechnet daher mit einem Umsatzwachstum im laufenden Jahr.
Optische Endkontrolle bei der Merck-Pharmaproduktion in Darmstadt: Die hessische Chemieindustrie rechnet 2017 mit mehr Umsatz. Foto: Arne Dedert (dpa) Optische Endkontrolle bei der Merck-Pharmaproduktion in Darmstadt: Die hessische Chemieindustrie rechnet 2017 mit mehr Umsatz.
Frankfurt. 

Die Digitalisierung entscheidet mit darüber, ob sie auch künftig noch wettbewerbsfähig sein werden – davon sind fast 90 Prozent der Chemie- und Pharma-Unternehmen in Hessen überzeugt. Daher befassen sie sich auch mit dem Thema, ein Drittel der Firmen sogar sehr intensiv. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW, Köln) im Auftrag des Arbeitgeberverbands HessenChemie.

Der neue Vorstandsvorsitzende des Verbands, Heinz-Walter Große, mahnte eine Modernisierung des Arbeitszeitrechts an: „In einer digitalen Arbeitswelt wünschen sich die Unternehmen, aber auch die Beschäftigten, die Arbeitszeit flexibler einteilen zu können“, sagte Große, der im Hauptberuf Vorstandschef des Medizintechnik- und Pharma-Unternehmens B.Braun Melsungen ist. Größtes Problem seien die maximalen Arbeitszeiten je Tag, die durch wöchentliche Höchstgrenzen ersetzt werden sollten. Auch dürfe das Beantworten einer E-Mail nicht die vorgeschriebene Ruhezeit unterbrechen. „Hier muss der Gesetzgeber nicht nur über Anpassungen nachdenken. Er muss den Sozialpartnern zusätzlich einen eigenen tariflichen Gestaltungsspielraum lassen“, forderte Große.

Der stark prozessorientierten Branche, die lange Entwicklungszyklen aufweise, sei fortschreitende Automatisierung schon lange vertraut, so der Verbandschef: „Für unsere Industrie gleicht die Digitalisierung eher einer Evolution denn einer Revolution. Was sich noch verstärken wird, ist die digitale Vernetzung auch über Unternehmensgrenzen hinweg.“

Allerdings komme hier der Berufsschule eine erhebliche Bedeutung zu, mahnte HessenChemie-Hauptgeschäftsführer Dirk Meyer – auch um die duale Ausbildung attraktiver zu machen: „Die Veränderungen durch die Digitalisierung dürfen an den Türen der Berufsschulen nicht haltmachen.“ In den nächsten Jahren seien erhebliche Investitionen in den flächendeckenden Erhalt, die Personalausstattung und Qualitätssicherung geboten, forderte Meyer: „Das duale System der Berufsausbildung ist ein Standort-Vorteil für Deutschland – aber wir müssen dann auch auf die Qualität der Berufsschulen achten!“ Denn es sei ein Problem, dass aktuell mehr als die Hälfte eines Jahrgangs Abitur machen und studieren wolle – in den Unternehmen dagegen hätten 80 Prozent der Beschäftigten eine Berufsausbildung abgeschlossen, nur 20 Prozent benötigten einen akademischen Abschluss. Verschärft werde dieses Problem durch die demografische Entwicklung, so dass bald nicht mehr genügend Facharbeiter-Nachwuchs zur Verfügung stehen dürfte.

Wenige Flüchtlinge

Flüchtlinge sind noch nicht in nennenswerter Anzahl in der hessischen Chemieindustrie angekommen, weder als Arbeitskräfte noch als Lehrlinge. „Das ist ein langer Weg“, sagte Meyer; zunächst stünden Sprachkurse und Berufsvorbereitung auf der Agenda. Eine schnelle Integration sei allerdings auch utopisch, meint Helmut Prestel, Standortleiter bei BASF in Lampertheim an der hessischen Bergstraße. Erst in jüngster Zeit fänden sich unter den Auszubildenden die Kinder zugewanderter türkischer oder polnischer Familien, das habe also 20 bis 30 Jahre gedauert, und ähnliche Zeiträume müsse man für Syrer oder Iraker veranschlagen: „Wer an der Maschine arbeitet, muss gut Deutsch können.“ Und Personal mit ausreichend Sprachkenntnissen sei selbst für Aushilfs-tätigkeiten kaum zu bekommen, sagt Prestel.

Für das laufende Jahr rechnen die hessischen Branchen-Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von zwei Prozent, was nicht gestiegenen Produktionsmengen, sondern ausschließlich gestiegenen Erzeugerpreisen zu verdanken ist. Dabei legte die „klassische“ Chemie im ersten Halbjahr um 1,4 Prozent zu. In der Pharmasparte, die in Hessen fast 45 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht (bundesweit sind es nur 26 Prozent), stagnierten die Umsätze wegen rückläufiger Exporte hingegen. Vor allem die Ausfuhren auf den amerikanischen Kontinent brachen wegen der Euro-Stärke und der Rezession in Brasilien ein, ins europäische Ausland wurde dagegen mehr exportiert.

Mehr Mitarbeiter

2016 erzielte die hessische Chemie-Branche einen Gesamtumsatz von rund 26 Milliarden Euro. Bei der Ertragslage haben sich die Erwartungen wegen der wieder höheren Energie- und Rohstoffkosten verschlechtert – denn der Preisanstieg kann nur teilweise auf die Kunden abgewälzt werden.

Die Beschäftigung stieg im ersten Halbjahr 2017 um 0,6 Prozent auf 57 336 Mitarbeiter. Kurz vor der Bundestagswahl forderte der Verband eine Stabilisierung der Sozialabgaben bei unter 40 Prozent der Lohnsumme. „Höhere Sozialbeiträge verteuern die Arbeitskosten und gefährden weiteres Wachstum“, sagte Große.

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