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Rennen um Stada ist entschieden: Hoch gepokert und gewonnen

Lange haben konkurrierende Finanzinvestoren um den Pharmakonzern gebuhlt. Nun machen Bain und Cinven das Rennen.
Stada-Chef Matthias Wiedenfels hat im Investoren-Poker hohe Einsätze herausgeholt. Foto: ap fotografie Stada-Chef Matthias Wiedenfels hat im Investoren-Poker hohe Einsätze herausgeholt.
Bad Vilbel. 

Der Poker dauerte bis zum frühen Montagmorgen. Dann hatten die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven den Zuschlag für die Übernahme des Arzneimittelherstellers Stada – für 5,3 Milliarden Euro, viel mehr als Analysten und Börsianer dem Vorstand und Aufsichtsrat von Stada zugetraut hatten. „Wir haben an einem Strang gezogen, wir hatten ein Ziel und ein Interesse. Und das Ziel haben wir erreicht“, fasste Stada-Chef Matthias Wiedenfels den Poker zusammen. Man habe 750 Millionen Euro mehr herausgeholt, als Cinven anfangs geboten hatte. Falls die Beteiligungsfirmen wie geplant auf mehr als 75 Prozent an Stada kommen, ist der Hersteller von „Grippostad“ und „Ladival“ die größte Übernahme, die Finanzinvestoren in Deutschland je bewerkstelligten. Sie setzen auf Wachstum, auch durch Übernahmen.

Das Investoren-Duo hatte sich das ganze Wochenende über ein Wettbieten um Stada mit dem rivalisierenden Konsortium aus den Beteiligungsgesellschaften Advent und Permira geliefert. „Da sind einige rote Linien überschritten worden“, sagte ein Insider. Bei 66 Euro – einschließlich der 72 Cent Dividende, die Stada für 2016 beschlossen hatte – wollten Advent und Permira nicht mehr dagegenhalten. „Am Ende war es recht eng“, sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Bis zur vergangenen Woche hatten beide Bietergruppen je 58 Euro pro Stada-Aktie geboten. „Es hat keiner geschlafen – aber wir waren bis zur letzten Sekunde fit“, sagte Wiedenfels.

Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker zeigte sich mit dem Ausgang zufrieden. „Unsere Verhandlungsstrategie der letzten Wochen war sehr erfolgreich. Das Angebot von Bain und Cinven bietet das beste Gesamtpaket.“ Der Erbe aus der Pudding-Dynastie hatte die Investoren mehrfach dazu gedrängt, ihre Kaufangebote aufzustocken. Die Analysten der DZ Bank hatten mit maximal 60 Euro je Aktie gerechnet. Vor einem Jahr wurde das Papier noch bei 35 Euro gehandelt.

Jefferies nannte die Offerte „sehr großzügig“. Sie sei für Finanzinvestoren „überraschend hoch“, hieß es bei Independent Research. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie schoss gestern um mehr als zehn Prozent auf 64,26 Euro nach oben. Bis die Übernahme perfekt ist, dürfte es aber noch bis zum Sommer dauern. Der Deal ist aber noch nicht sicher. Damit die Offerte greift, müssen die Aktionäre mindestens 75 Prozent der Papiere Bain und Cinven zum Kauf anbieten. Die Annahmefrist ist noch nicht bekannt.

Hohe Schuldenlast

Der hohe Preis, den die künftigen Eigentümer zahlen, soll nicht auf Kosten der 10 000 Mitarbeiter gehen. Bain und Cinven haben nach offiziellen Angaben versprochen, vier Jahre lang keine Stellenstreichungen zu fordern, die der Vorstand nicht ohnehin im Sinn hat. „Das wird nicht vollkommen ohne einen Abbau von Arbeitsplätzen gehen. Die Zahl wird sich aber im Rahmen halten“, sagte Wiedenfels. „Große Restrukturierungen sind nicht geplant.“ Auch die Zentrale in Bad Vilbel soll erhalten bleiben. Wiedenfels will mit Markenprodukten stärker ins Ausland expandieren und mit Nachahmer-Medikamenten von Biopharmazeutika (Biosimilars) punkten. Er habe „große Lust“, seine Pläne auch mit den neuen Eigentümern umzusetzen, sagte Wiedenfels. „Wir wollen Stada in die Spitzengruppe des Wettbewerbs bringen.“

Bain und Cinven wollen dafür Geld geben, auch für Zukäufe. „Wir werden das Managementteam tatkräftig dabei unterstützen, seine ambitionierten Wachstumspläne zu unterstützen“, erklärte Bain-Capital-Manager Michael Siefke. Der Umbau werde „viel Zeit und signifikanten Aufwand erfordern“, hieß es in einer Mitteilung der beiden Investoren. „Zudem werden beträchtliche Investitionen notwendig sein, um das langfristige Potenzial von Stada in Gänze zu heben.“ Finanzieren wollen Bain und Cinven die Übernahme mit 2,6 Milliarden Euro Eigenkapital – für Stada bedeutet das eine zusätzliche Schuldenlast von rund 1,5 Milliarden.

Gewerkschaft skeptisch

Arbeitnehmervertreter äußerten sich skeptisch. „Die Zusagen lesen sich unverbindlich“, sagte Alexander Wiesbach, Betriebsbetreuer für Stada bei der Gewerkschaft IG BCE. Es stelle sich die Frage, wie die Investoren bei dem hohen Angebotspreis ohne große Sparmaßnahmen ein gutes Geschäft machen wollten. Die Gewerkschaft hatte sich bereits zuvor besorgt um die 1300 Jobs in Deutschland gezeigt.

Wiedenfels war im Frühsommer 2016 anstelle des erkrankten langjährigen Vorstandschefs Hartmut Retzlaff an die Spitze von Stada gerückt. Retzlaff hatte sich zurückgezogen, nachdem der aktivistische Investor AOC Druck auf den Vorstand gemacht hatte. In einer Aktionärsrevolte stürzte auch Aufsichtsratschef Martin Abend. Wiedenfels forcierte dann den Verkauf, obwohl sich seine Hoffnung auf einen Käufer aus der Branche zerschlug. Die mit fünf Prozent beteiligte AOC dürfte ihren Kapitaleinsatz mehr als verdoppelt haben, wenn sie ihren Anteil für mehr als 200 Millionen Euro verkauft.

(rtr,dpa)
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