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Finanzinvestor Cerberus steigt bei Commerzbank ein: Höllenhund bei der Commerzbank

Von Der Finanzinvestor Cerberus („Höllenhund“) ist bei der Commerzbank eingestiegen. Was planen die als aggressiv geltenden Amerikaner?
Die Commerzbank – im Bild die Zentrale in Frankfurt – hat einen neuen Großaktionär, den US-Finanzinvestor Cerberus. Foto: Arne Dedert (dpa) Die Commerzbank – im Bild die Zentrale in Frankfurt – hat einen neuen Großaktionär, den US-Finanzinvestor Cerberus.
Frankfurt. 

Spekuliert wurde seit längerem darüber, nun ist es wahr geworden: Der Finanzinvestor Cerberus ist als Großaktionär bei der Commerzbank eingestiegen. Das Unternehmen hat seit Montag die Beteiligungsschwellen von 3 und 5 Prozent überschritten und hielt zuletzt einen Anteil von 5,01 Prozent an dem teilverstaatlichten Dax-Konzern, wie aus zwei Stimmrechtsmitteilungen hervorgeht. Das Paket ist aktuell an der Börse rund 700 Millionen Euro wert. Damit rückt Cerberus zu einem der größten Anteilseigner der Bank auf. Größter Aktionär ist mit zuletzt gut 15 Prozent der deutsche Staat, der die Bank in der Finanzkrise 2008/2009 vor dem Untergang gerettet hatte. Eine Beteiligung von über 5 Prozent hält laut Commerzbank zudem der Finanzinvestor Blackrock, der als großer Indexfonds-Anbieter an praktisch allen Dax-Konzernen Anteile besitzt.

Der Kurs der Aktie legte gestern zeitweise auf 11,145 Euro zu. Er hat sich seit dem Tief bei rund 5,20 Euro Anfang August vergangenen Jahres bereits mehr als verdoppelt, mutmaßlich auch durch die Cerberus-Käufe über die Börse. Schon Anfang Juli war über einen Einstieg des amerikanischen Finanzinvestors spekuliert worden.

Wächter des Hades

Cerberus war in der griechischen Mythologie der vielköpfige Höllenhund, der vor dem Eingang zum Hades Wache stand. Für einen Finanzinvestor ist das ein Name, der auf wenig Zurückhaltung bei Umstrukturierungen hinweisen soll. Sitz der Firma, die 1992 von Stephen Feinberg gegründet wurde, ist New York. Feinberg stieg durch das als aggressiv geltende Unternehmen zu einem der 40 reichsten Amerikaner unter 40 Jahren auf. Seit 2006 ist der frühere US-Finanzminister John W. Snow Vorstandschef, zur Führungsriege gehört außerdem Ex-Vizepräsident Dan Quayle. Der Finanzinvestor investiert traditionell in angeschlagene Firmen, versucht sie zu sanieren und verkauft sie dann weiter.

In Deutschland sitzt Cerberus im Frankfurter „Eurotheum“ und ist spätestens seit 2007 ein Begriff. Damals übernahm die „Heuschrecke“ die Mehrheit am US-Autobauer Chrysler und besiegelte das Ende der deutsch-amerikanischen „Hochzeit im Himmel“; Chrysler schlitterte wenig später in die Insolvenz und gehört heute zu Fiat. Zudem hatte die Firma große Immobilienbestände vor allem in Berlin zusammengekauft, deren Wert sich in der Finanzkrise aber nicht wie erhofft entwickelte.

Über die österreichische Bawag ist der Finanzinvestor auch bei der Südwestbank engagiert. Bawag-Chef Anas Abuzaakouk hat klargemacht, dass er größere Ambitionen im Nachbarland hat: „Deutschland ist ein sehr, sehr attraktiver Markt für uns. Wir sehen uns einige Möglichkeiten an, die eine Ergänzung für die Südwestbank wären.“ Die Bawag plant einen Börsengang, der laut Finanzkreisen ab Herbst über die Bühne gehen könnte, und soll auch an der Wüstenrot Bank interessiert sein. Auch mit einer Übernahme der Postbank hatte sich Cerberus schon beschäftigt: Die Pläne haben sich allerdings zerschlagen, weil die Deutsche Bank einen zu hohen Preis forderte.

Stellenabbau

Was Cerberus mit dem Aktienpaket plant, blieb zunächst unklar. Eine Commerzbank-Sprecherin wollte nicht sagen, ob Cerberus vorab Kontakt mit der Bank aufgenommen hatte. Die Commerzbank versucht aktuell mit einem radikalen Umbau, die Folgen des Nullzins-Umfeldes und der Digitalisierung auszugleichen. Vorstandschef Martin Zielke will Tausende Stellen streichen, was im zweiten Quartal Belastungen von 810 Millionen Euro mit sich bringt. Die genauen Ergebnisse werden am 2. August veröffentlicht.

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