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Automobilmesse in Frankfurt: IAA: Skandal-Thema Diesel interessiert kaum

Von Am Wochenende geht die IAA zu Ende. Das Interesse der Besucher war hoch - allerdings nicht beim Skandal-Thema Diesel.
Die Besucher drängen sich in Halle 3 des Messegeländes, wo VW und die Konzernmarken Porsche, Audi, Seat und Skoda ausstellen. Foto: Andreas Arnold (dpa) Die Besucher drängen sich in Halle 3 des Messegeländes, wo VW und die Konzernmarken Porsche, Audi, Seat und Skoda ausstellen.
Frankfurt. 

„Ihr könnt ja mal was ausgeben – bei den Abgaswerten!“ Der junge Mann herrscht bei Volkswagen in Halle 3 des Frankfurter Messegeländes das Servicepersonal an, das Wasserflaschen ausgibt – doch die blonde VW-Mitarbeiterin, etwa im selben Alter, bleibt gelassen: „Das Wasser ist doch eh gratis.“ Das passiere ihr häufiger, dass sie derart angemacht werde, berichtet sie auf Nachfrage: „Aber was sollen wir sagen? Wir sind doch nicht für den Betrug verantwortlich.“

Allerdings ist solch eine Szene wie bei VW, immerhin dem Hauptschuldigen im Abgas-Betrugsskandal, die absolute Ausnahme auf der IAA. Zwar hat der Konzern extra einen Experten abgestellt, der an einem Infostand vor dem Schild „Erfahren Sie mehr über die Umwelt- und Zukunftsprämie“ Fragen beantwortet. Doch lediglich drei oder vier Besucher jede Stunde machen davon Gebrauch – und nach dem Diesel-Skandal werde „gar nicht“ gefragt, berichtet der VW-Mitarbeiter: „Ich hatte mit mehr gerechnet, aber es ist nicht so gekommen.“ Erklären könne er sich das nicht. Die Prämienhöhe unterscheidet sich je nach Neuwagen-Modell. Favorit unter den Fragenstellern seien die GTI-Modelle, vor allem der Golf GTI, berichtet der Experte; für den gibt es übrigens 5000 Euro Prämie. Das aller-umweltfreundlichste Modell ist das aber nun nicht gerade.

Opel rückt den „Grandland X“ ins Zentrum des Standes in Halle 8. Bild-Zoom
Opel rückt den „Grandland X“ ins Zentrum des Standes in Halle 8.

Das wäre schon eher ein Smart – den es ja bald nur noch mit Elektroantrieb geben soll, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der IAA angekündigt hatte. Am Smart-Stand im „Forum“ tanzt auch das gesamte Service-Team. Vor Freude? „Das lockert uns auf, wir machen das zwei bis drei Mal am Tag“, berichtet ein Mitarbeiter.

Nebenan, bei Mercedes in der Festhalle, steht eine futuristische E-Auto-Studie. Blau strahlen die Scheinwerfer des F015, laut Beschriftung eine „Revolution der Mobilität“. Interessenten würden gerne unter die Motorhaube gucken, doch das lehnen die Stand-Mitarbeiter freundlich, aber bestimmt ab: „Das können wir nicht machen. Es handelt sich um eine Studie, die wird so nie gebaut.“ Auch bei VW hatte das Service-Personal einen Blick unter die Motorhaube der E-Auto-Studie „VW I.D.“ strikt verweigert.

Großer Andrang

Doch das Interesse der Besucher sei groß, am Wochenende hätten wegen des Andrangs zeitweise die Türen der Festhalle geschlossen werden müssen, berichtet der Mercedes-Mitarbeiter, der im echten Leben in einem Autohaus in Niedersachsen beschäftigt ist. Für den Diesel-Skandal allerdings interessiert sich auch hier kaum jemand: „Ich hatte mehr erwartet. Im Autohaus fragt jeder zweite Kunde danach – vielleicht wird die Diskussion allmählich wieder sachlicher.“ Natürlich gucken sich die Besucher nicht nur E-Autos an: Favoriten seien auch der Super-Sportwagen Mercedes AMG Project One, der mit mehr als 1000 PS die Formel 1 auf die Straße bringen soll, und das schicke AMG-Cabrio sowie der riesige Mercedes-Maybach-Geländewagen G 650. Das deckt sich mit dem Eindruck aus Halle 3, wo sich die dicksten Besucher-Trauben ebenfalls um die am stärksten motorisierten Porsche-Sportwagen oder den Audi-Renner R8 drängen.

Bei Opel in Halle 8 ist auch das Interesse am neuen SUV „Grandland X“ groß, der im Oktober auf den Markt kommt. „Auf unserem Stand war immer was los“, zeigt sich ein Firmensprecher zufrieden. Fragen die Besucher bei den Rüsselsheimern häufiger nach dem Thema Diesel? „Eher nicht“, lautet die Antwort der Mitarbeiter auch hier: „Wir hätten mehr erwartet.“ Eher gebe es konkrete Fragen zu den ausgestellten Modellen. Dabei waren die Hostessen extra für Fragen zum Thema Diesel geschult worden – der Konzernsprecher betont denn auch: „Wir setzen weiterhin auf den Diesel!“ Fragen zum neuen Opel-Eigentümer Peugeot Citroën habe es übrigens ebenfalls kaum gegeben: „Das war weniger ein Thema. Im Mittelpunkt steht die Marke Opel.“

Eher sorgt das autonome Fahren für kritische Fragen – zum Beispiel bei Bosch, ebenfalls in Halle 8. Der Zulieferer hat eine Art Modelleisenbahn aufgebaut, wo Modellautos in eine Parkgarage fahren. Künftig sollen das auch „echte“ Autos ohne Fahrer können, erklären die Mitarbeiterinnen. „Und wenn nach dem Fußballspiel alle auf einmal aufbrechen wollen?“, hakt ein Besucher nach. Prompte Antwort: „Dann gibt es doch auch jetzt Stau.“ Doch sie habe selbst auch kritische Fragen, gesteht die junge Bosch-Mitarbeiterin gleich danach: „Was wäre, wenn das Auto gehackt wird?“

Auf dem Freigelände ist dann ein Parcours aufgebaut, auf dem eine „echte“ E-Klasse von Mercedes mit Bosch-Technik autonomes Fahren vorführt. Der Wagen weicht dem Gegenverkehr und auch einer Mülltonne aus. Wer jetzt aber sofort zuschlagen will, den holt der Sprecher wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: „Sie sehen hier absolute Zukunftsmusik – in Serie geht der Wagen ab 2022.“

Das Kinderprogramm

Bleibt also noch genug Zeit für einen Imbiss. Auch ein Indiz für den ungebrochenen Besucherandrang: Die lange Schlange vor dem Currywurst-Stand auf dem Messe-Freigelände reißt nicht ab, auch wenn die Wurst für 3,70 Euro (zuzüglich 2,60 für die Pommes) nicht gerade als Schnäppchen durchgeht.

Für die E-Autos der Zukunft müssen sich die Hersteller rechtzeitig um die Kunden von morgen kümmern: Bei der „Kids-Aktion“ zwischen den Hallen 9 und 10 dürfen Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren einen Jaguar F-Pace durch einen mit Pylonen markierten Parcours steuern, allerdings mit maximal 30 Kilometern pro Stunde Höchstgeschwindigkeit.

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