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IG Metall will mehr Geld und mehr Zeit

In der Metall- und Elektroindustrie bahnt sich ein harter Tarifkampf an. Die IG Metall fordert diesmal nicht nur mehr Geld, sondern will für breite Beschäftigtengruppen mehr freie Zeit.
Für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten in der deutschen Metall- und Elektroindustrie werden ab Mitte November neue Tarifverträge verhandelt Foto: Carsten Rehder Für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten in der deutschen Metall- und Elektroindustrie werden ab Mitte November neue Tarifverträge verhandelt
Frankfurt/Main. 

23 Jahre nach Vollendung der 35-Stunden-Woche will die IG Metall erstmals wieder kürzere Arbeitszeiten durchsetzen.

In den Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie verlangt die Gewerkschaft neben 6 Prozent mehr Geld die grundsätzliche Möglichkeit für die 3,9 Millionen Beschäftigten, über einen Zeitraum von zwei Jahren ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren zu können. Ausdrücklich gilt diese Forderung auch für den Osten, in dem noch eine tarifliche Regelarbeitszeit von 38 Stunden vereinbart ist.

Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder und pflegende Familienangehörige sollen für den entgangenen Lohn zudem Ausgleichszahlungen in unterschiedlicher Höhe erhalten, erklärte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, bei der Vorstellung der Vorstandsempfehlung in Frankfurt. Berechtigt könnten bis zu 40 Prozent der Belegschaften sein.

Für Schichtarbeiter und andere Beschäftigte mit belastenden Arbeitszeiten verlangt die IG Metall fünf jährliche Freischichten mit einem Entgelt auf dem Niveau der untersten Lohngruppe von 750 Euro. Wer zuhause Angehörige pflegt oder Kinder unter 14 Jahren betreut, soll dauerhaft und je nach Einzelfall seine Arbeitszeit reduzieren können. Einen Lohnausgleich soll es nach den Vorstellungen der Gewerkschaft für einen halben Tag pro Woche (3,5 Stunden) geben.

„Wir fordern Geld und wir fordern Zeit. Zeit ist unseren Mitgliedern ein immer höheres Gut in den letzten Jahren geworden”, erklärte der Chef der stärksten deutschen Gewerkschaft. Die Forderung treffe den Nerv der Beschäftigten. Die Branche müsse sich um zeitgemäße Arbeitsplätze bemühen. „Die Arbeitgeber stehen nicht als Verlierer da, sondern sie gewinnen dadurch Arbeitszeitmodelle, die sie attraktiv machen”, meinte Hofmann.

Die Arbeitgeber lehnten insbesondere die Forderungen zur Arbeitszeit ab. Schon heute würden für die „allermeisten Arbeitszeitwünsche” in den Betrieben passenden Lösungen gefunden, erklärte Gesamtmetall- Präsident Rainer Dulger. Ein zusätzlicher Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung aber werde den Fachkräftemangel weiter verschärfen. „Weil qualifiziertes Personal fehlt, bleiben schon jetzt oft Aufträge liegen.” Zudem gefährde die IG Metall mit ihren kostentreibenden Forderungen künftige Investitionen am Standort Deutschland.

Die Tarifforderung wird noch einmal in den regionalen Tarifkommissionen beraten, die aber in aller Regel nicht mehr von der Empfehlung des Vorstands abweichen. Warnstreiks im wichtigsten Industriezweig Deutschlands sind ab dem 1. Januar kommenden Jahres möglich. Im vergangenen Jahr hatte die IG Metall in einer reinen Lohnrunde 5,0 Prozent mehr Geld verlangt.

(dpa)
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