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Vorsorge für Extremfall: Industrie warnt vor „sehr hartem“ Brexit

Die deutsche Wirtschaft rechnet angesichts der geringen Fortschritte bei den Brexit-Verhandlungen mit dem Schlimmsten.
Vom Brexit betroffen: die Mini-Fertigung im BMW-Werk Oxford. Foto: GEOFF CADDICK (AFP) Vom Brexit betroffen: die Mini-Fertigung im BMW-Werk Oxford.
Berlin. 

Der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes BDI, Joachim Lang, schlägt Alarm: „Deutsche Unternehmen mit einem Standbein in Großbritannien und Nordirland müssen Vorsorge für den Ernstfall eines sehr harten Ausscheidens treffen. Der britischen Regierung fehlt es trotz vieler Worte an einem klaren Konzept.“ Auch die Rede von Premierministerin Theresa May auf dem Parteitag der Konservativen gebe keinerlei Zuversicht. Vielmehr bleibe die Brexit-Strategie innerhalb der Regierungspartei völlig unklar. Schon jetzt bekämen deutsche Firmen in Großbritannien erste Folgen zu spüren, etwa indem sie ausländische Fachkräfte in dem Land verlören.

Task Force gegründet

Um sich für alle Eventualitäten zu wappnen, hatte der BDI im Frühsommer mit anderen Wirtschaftsverbänden und Unternehmen eine „Task Force Brexit“ gegründet. In zehn Projektgruppen wird dabei untersucht, welche potenziellen und akuten Gefahren für die Firmen vom Brexit in seinen unterschiedlichen Verlaufsformen ausgehen könnten. Derzeit deutet nach Langs Worten nur wenig auf einen sanften Ausstieg der Briten hin. „Es gibt keine Garantie für auch nur eine einzige Übergangsregelung, geschweige denn einen final austarierten Pakt für das künftige Verhältnis zwischen EU und Vereinigtem Königreich“, sagte er. Die Hoffnung, dass dies schon bald in den Brüsseler Brexit-Verhandlungen Thema wird, hat er nicht.

Die meisten britischen Vorschläge hält der Industrieverband für wenig hilfreich. Die Finanzfragen lasse die Regierung in London weithin unbeachtet, die Angebote zu Bürgerrechten seien unzureichend und die Vorschläge zur irisch-nordirischen Grenze nicht praktikabel. Die Vorschläge zur Zollabwicklung seien mit unverhältnismäßig hohem Aufwand verbunden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat errechnet, dass allein die Wiedereinführung von Zollverfahren im deutsch-britischen Handel zu Mehrkosten von jährlich mindestens einer Milliarde Euro führen würde. All das belastet die deutschen Unternehmen im Vereinigten Königreich erheblich.

„Über vielen Aktivitäten schwebt nicht nur das Damoklesschwert der Unsicherheit, sie sind vielmehr der Gefahr massiver Entwertungen ausgesetzt“, warnte Lang. Ein ungeordnetes Ausscheiden der Briten aus der EU ohne Folgeregelungen würde massive Verwerfungen mit sich bringen. Der BDI kalkuliert mit einer mehrjährigen Übergangsphase nach dem Ausstieg der Briten.

Rasch Übergangsregelung

Bis Weihnachten muss auch nach Ansicht der britischen Notenbank (BoE) eine wasserdichte Vereinbarung für eine Übergangsregelung stehen. Die Uhr ticke, mahnte der für die Finanzmarktaufsicht zuständige Vizechef der Bank of England, Sam Woods. Es bestehe die Gefahr einer ungeordneten Abwanderung von Personen und Geschäftsaktivitäten zur EU. Woods hat bereits rund 400 Banken aufgefordert, ihre Pläne für den Fall zu skizzieren, dass es zum geplanten Austrittsdatum Ende März 2019 weder ein neues Handelsabkommen mit der EU noch eine Übergangsregelung geben sollte.

Deutschland und Großbritannien sind mit einem bilateralen Handelsvolumen von mehr als 170 Milliarden Euro und einem wechselseitigen Bestand von Direktinvestitionen von über 140 Milliarden Euro aufs engste miteinander verbunden.

(rtr)
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