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Fasbender plädiert für Rente mit 70: Interview mit Volker Fasbender: Ohne Flughafen wären wir alle ärmer

Zur großen Abschiedsgala für Volker Fasbender wird heute Ministerpräsident Volker Bouffier im Kurhaus Wiesbaden die Würdigung sprechen. Fasbender ist zum Jahresende als Hauptgeschäftsführer ausgeschieden. Er war der Wortführer und das Gesicht der Unternehmer in Hessen. Wirtschaftschef Michael Balk sprach mit dem klugen wie schlagfertigen Juristen über seine Erfahrungen, seine Erkenntnisse und Lehren aus über 40jähriger Berufstätigkeit. Er half mit beim Aufbau Ost, kämpfte gegen die 35-Stunden-Woche und für die Stärkung des Standortes.
Volker Fasbender: „Unternehmer müssen für eine Idee brennen.“  Heute wird er in Wiesbaden verabschiedet. Foto: Friederike C. Schaab Volker Fasbender: „Unternehmer müssen für eine Idee brennen.“ Heute wird er in Wiesbaden verabschiedet.

Wie haben Sie es geschafft, bis ins Alter von 70 plus so fit zu bleiben, die anspruchsvollen und aufreibenden Aufgaben im hessischen Unternehmerverband und bei Hessenmetall bewältigen zu können?

VOLKER FASBENDER: Ich musste mich in all den Jahren stets neuen Herausforderungen stellen. Intellektuell ist das enorm anregend. Das hat mich stark gemacht. Ergänzend habe ich die Bewegung gesucht. Ich schwimme, laufe und fahre Fahrrad. Das hält fit.

Wie ist Ihre Gefühlslage im neuen Lebensabschnitt?

FASBENDER: Ich wandle ein bisschen zwischen den Welten. Auf der einen Seite spüre ich eine gewisse Erleichterung, dass ich nicht mehr voll in der Verantwortung stecke. Aber ich bin auch froh, dass ich noch genügend Anregung habe, etwa in der Geschäftsführung für zwei kleine Verbände, im Rundfunkrat oder im Aufsichtsrat der Bürgschaftsbank – ein paar Kleinigkeiten eben. Man muss ja in Bewegung bleiben.

Sie haben bis ins 71. Lebensjahr mitten im Berufsleben gestanden. Sind Sie für die Rente mit 70?

FASBENDER: Erst mal gilt es, die Rente mit 67 umzusetzen. Das wird 2029 der Fall sein. Das Prinzip, länger zu arbeiten, ist richtig. Wir erkennen, dass wir alle älter werden, haben eine längere Lebenserwartung mit der Aussicht, viel länger fit zu bleiben. Dann können wir nicht sagen ,wunderbar, das alles müssen diejenigen, die noch arbeiten, bezahlen‘. Das geht nicht. Ich kann mir keine Gesellschaft vorstellen, in der es eine immer größere Zahl fröhlich lebender Rentner gibt und eine immer kleinere Zahl an Malochern, die das tragen müssen. Das geht schief. Daher muss der Kompromissweg gegangen werden, die Rentenbeitragssätze – als Beitrag der nachrückenden Generation – sind schon an der Obergrenze. Aber die ältere Generation muss akzeptieren, dass der Renteneintritt etwas später erfolgt.

Was hat den jungen Volker Fasbender nach Abschluss seines Jurastudiums dazu gebracht, seine Arbeitskraft einem Wirtschaftsverband zur Verfügung zu stellen?

FASBENDER: Zufälle spielten auch eine Rolle. Aber auch die Erkenntnis, dass man dort sehr vielseitig arbeiten kann, die Gesellschaft mitgestalten kann, zum Akteur in der Wirtschafts- und Sozialpolitik wird. Man kann Firmen helfen, Beschäftigung zu sichern, ist Teil der regionalen Wirtschaftsentwicklung. Es war ein Glücksfall für mich.

Was sagt der Tarifexperte, der über 30 Jahre Erfahrung mitbringt, zu den umstrittenen Spartengewerkschaften bei Bahn oder Lufthansa?

FASBENDER: Die großen Gewerkschaften haben im Unterschied zu den heutigen Spartengewerkschaften, die bei Piloten oder Fluglotsen Funktions- oder gar Einkommenseliten darstellen, stets die gesamte Branche und die ganze Belegschaft eines Unternehmens im Blick. Dagegen nehmen Spartengewerkschaften in Tarifkonflikten Kunden oder unbeteiligte Dritte als Geisel, um Einzelinteressen von Teilgruppen durchzusetzen. Das ist nicht mehr im Sinne des Erfinders, das schreit nach neuen Spielregeln. In der Industrie haben wir schon eine hilfreiche Schieds-- und Schlichtungsordnung.

Zur Person

⋅ Geboren 1945 in Hochstadt bei Hanau; verheiratet, eine Tochter. ⋅ Jura-Studium an der Goethe-Universität Frankfurt. ⋅ 1973 in die Vereinigung der hessischen

clearing

Was zeichnet Unternehmer heute überhaupt noch aus?

FASBENDER: Sie müssen Menschen sein, die wirtschaftliches Verständnis haben, die für eine Idee brennen und die Fähigkeit besitzen, andere davon zu begeistern. Dazu braucht es Kontaktfreude, eine hohe soziale Kompetenz, Belastbarkeit, Durchhaltevermögen und Risikobereitschaft. Der Unternehmer kann auch scheitern, das muss er wissen. Er muss Freude am Gestalten und auch am Erfolg haben. Es gibt leider zu wenig junge Menschen, die sich dafür begeistern. Wir könnten in Deutschland noch ein paar mehr Jungunternehmer und Gründer gebrauchen.

Im Land entwickelt sich eine lebendige Gründerszene. Frankfurt soll Teil dieser Bewegung werden. Das ist erklärtes Ziel der Landesregierung. Sie fördert gemeinsam mit der Stadt Frankfurt und privaten Unternehmen die Ansiedlung junger Start-up-Firmen aus dem Bereich der Finanztechnologie – kurz FinTech. Ein Schritt in die richtige Richtung?

FASBENDER: Unbedingt. Es ist richtig, Neugründungen zu fördern. Es wäre gut, wenn es gelänge, die Verbindung von Finanzwirtschaft und Digitalisierung am Finanzplatz Frankfurt zu konzentrieren. Dort kann es zu einer wunderbaren Symbiose mit der etablierten Finanzindustrie kommen. Doch in Frankfurt geht es nicht allein um die Finanzbranche. Die Stadt ist ein Zentrum für Dienstleistungen aller Art – ob Werbe- oder Internetbranche, juristische Dienstleister oder Logistiker. Und der größte Gewerbesteuerzahler ist immer noch die Industrie. Auch da sind Jungunternehmer sehr willkommen.

Sie haben sich stets für den Ausbau des Frankfurter Flughafens starkgemacht. Welche Bedeutung hat der Airport für die Region?

FASBENDER: Wir müssen die naturgegebene Zentralität nutzen. Der Flughafen spielt dabei die zentrale Rolle. Er ist das Symbol für das wirtschaftliche Herz nicht nur der Region, sondern von ganz Deutschland. Wäre Rhein-Main kein so wichtiger Knotenpunkt im weltweiten Luftverkehr, wäre der Finanzplatz nicht in der heutigen Verfassung. Die vielen Dienstleister und Logistiker wären nicht hier. Wir hätten insgesamt viel weniger Arbeitsplätze. Wir wären alle viel ärmer ohne den Flughafen.

Was halten Sie Ausbau-Gegnern entgegen?

FASBENDER: Natürlich bin ich dafür, die Menschen von möglichst vielen Belastungen zu verschonen. Aber wenn man versucht, einen Wirtschaftsmotor wie hier in Gang zu halten, gelingt das eben nicht in Vollkommenheit. Dann muss man ein gewisses Maß an Belastung in Kauf nehmen. Die Lärmbelastungen müssen aber ständig vermindert werden. Da sind wir auf einem guten Weg. Wenn wir mit der Weltwirtschaft mitwachsen wollen, brauchen wir den dauerhaften Ausbau des Flughafens, sonst fallen wir zurück. Wer absolute Ruhe sucht, kann nicht im Rhein-Main-Gebiet leben. Dafür gibt es andere Regionen in Deutschland. Ich bin dafür, Frankfurt als Wirtschaftshauptstadt Deutschlands weiter auszubauen.

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