E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 28°C

Stellenabbau: Jeder zehnte Job bei Deutscher Bank auf der Kippe

Der neue Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, drückt aufs Tempo: Rund 10 000 Stellen sollen wegfallen. Treffen dürfte der Job-Abbau vor allem das Investmentbanking.
In den Türmen der Deutschen Bank herrscht Unruhe. Foto: DANIEL ROLAND (AFP) In den Türmen der Deutschen Bank herrscht Unruhe.
Frankfurt. 

Mit dem Abbau von nahezu 10 000 Jobs will die Deutsche Bank nach Informationen des „Wall Street Journal“ ihre Kosten deutlich senken. Damit wäre etwa jeder zehnte der insgesamt 97 100 Mitarbeiter betroffen, schrieb das Blatt. Vorausgegangen seien monatelange Diskussionen um den Umfang des Stellenabbaus. Deutschlands größte Bank wollte den Bericht gestern nicht kommentieren.

Der neue Bank-Chef Christian Sewing hat allerdings bereits drastische Einschnitte im Investmentbanking angekündigt, das zur Bürde für das Frankfurter Institut geworden ist. Hinzu kommt die Fusion der Deutschen Bank mit der Postbank. Auch dabei könnten zahlreiche Stellen wegfallen. In den kommenden vier Jahren sollten jeweils 1500 Mitarbeiter über freiwillige Abfindungsprogramme und natürliche Fluktuation das Unternehmen verlassen, hieß es in Berichten.

Sewing, der seit Anfang April an der Spitze der Bank steht, hatte nach einem mageren ersten Quartal das Tempo beim Konzernumbau erhöht. „Wir werden den Kurs unserer Bank jetzt ändern. Es gibt keine Zeit zu verlieren“, hatte er bei der Präsentation der Zwischenbilanz gesagt. Die Ergebnisse des ersten Quartals erforderten sofortiges Handeln. Der Kern der Bank müsse „neu definiert“ werden.

Marktanteile verloren

Praktisch alle Chefs der Deutschen Bank seit Ende der 1990er Jahre hatten das Heil im Investmentbanking gesucht. Das Institut sollte im Konzert der globalen Bankkonzerne die erste Geige spielen. Am augenfälligsten wurde das 1999 mit der Milliardenübernahme der Wall-Street-Bank Bankers Trust, womit die Frankfurter mit einem Schlag zu einem der großen Spieler auf dem US-Markt wurden. Doch inzwischen hat die Deutsche Bank im Investmentbanking Marktanteile verloren, insbesondere an die US-Konkurrenz. Zudem sind die Kosten im Branchenvergleich sehr hoch.

In Sewings Umbauplan wird deshalb das US-Handelsgeschäft mit Anleihen und voraussichtlich auch Aktien am heftigsten beschnitten. Mit der Reduzierung des schwierigen US-Geschäfts setzt Sewing eine Forderung namhafter Analysten um. Der Aufsichtsrat sollte gestern über die Pläne beraten.

Sewing, der fast sein ganzes Berufsleben in der Deutschen Bank verbracht hat, war in einer Krisensitzung des Aufsichtsrates am 8. April mit sofortiger Wirkung zum Nachfolger des seit Sommer 2015 amtierenden John Cryan ernannt worden. Die Bank schrieb zuletzt drei Jahre in Folge rote Zahlen – allerdings auch deshalb, weil Cryan teure juristische Altlasten bereinigte. Kritiker hielten dem Briten jedoch vor, beim Konzernumbau zu zögerlich agiert zu haben.

Im ersten Quartal verdiente die Bank unterm Strich nur noch 120 Millionen Euro nach 575 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Erträge sanken zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf knapp 7,0 Milliarden Euro.

Der geplante Job-Abbau wird sicherlich auch für Fragen auf der heutigen Hauptversammlung der Bank in der Frankfurter Festhalle sorgen. Es wird erneut eine Generalabrechnung mit der Bankführung erwartet. Vor allem Aufsichtsratschef Paul Achleitner steht unter Druck, und der könnte durch ein schlechtes Abschneiden bei der Entlastung noch steigen. Allerdings stehen die Großaktionäre hinter dem Ex-Allianz-Vorstand.

(dpa,tba)

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen