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Umstrukturierungsprogramm: Jobabbau drückt Fraport-Gewinn

Von Mehr Passagiere, höhere Flughafen-Entgelte und steigende Handelserlöse. An ihrem Heimatstandort Frankfurt, der noch für fast zwei Drittel ihres Konzerngewinns steht, ist die Fraport AG eigentlich gut ins Jahr gestartet. Aber vor allem die Bemühungen des Flughafen-Betreibers, den Anteil älterer Mitarbeiter an der Gesamtbelegschaft zu reduzieren, hat im ersten Quartal den Betriebsgewinn sinken lassen.
Die Bodenverkehrsdienste der Fraport leiden seit vielen Jahren unter dem hohen Kostendruck, den die Airlines ausüben. Foto: Rebscher, Stefan Die Bodenverkehrsdienste der Fraport leiden seit vielen Jahren unter dem hohen Kostendruck, den die Airlines ausüben.
Frankfurt. 

Während Politik und Wirtschaft angesichts der ungünstigen demographischen Entwicklung hierzulande über eine weitere Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters diskutieren, um einen Zusammenbruch des umlagefinanzierten Rentensystems zu verhindern, ist die Fraport AG dabei, sich von vielen älteren Mitarbeitern zu trennen. Sein entsprechendes „Programm zum Personalstrukturwandel“ hat der Frankfurter Flughafen-Betreiber im Dezember aufgelegt. Laut Vorstand sieht es vor, langjährigen Mitarbeitern zu ermöglichen, früher und ohne große Abschläge in den Ruhestand zu gehen, die letzten Dienstjahre in Teilzeit zu arbeiten oder ein Altersteilzeitmodell zu wählen. Wer möchte, kann mit einer Abfindung auch gleich gehen. „Für die Mitarbeiter soll’s ein attraktives Angebot sein“, kommentiert Vorstandschef Stefan Schulte das Programm, das Betriebsrat und Gewerkschaft abgesegnet haben.

Personalkosten müssen runter

Wie vielen Mitarbeitern der Konzern ein solches Angebot unterbreitet hat, will er nicht verraten. Es handele sich um eine „eher niedrige dreistellige Zahl“ heißt es. Viele dieser Stellen sollen nicht wiederbesetzt werden, wie Finanzvorstand Matthias Zieschang gestern in einer Telefonkonferenz mit Analysten sagte. Damit wolle der Vorstand die Personalkosten des Konzerns um acht Millionen Euro im Jahr senken. Laut Zieschang betragen diese derzeit rund 700 Millionen Euro.

Im Visier hat das Management vor allem ältere Beschäftigte bei den Bodenverkehrsdiensten, die sich um die Be- und Entladung der Flugzeuge kümmern. Die personalintensive Sparte – die Personalkosten machen fast drei Viertel der Gesamtkosten aus – hat in den vergangenen Jahren zumeist rote Zahlen geschrieben. Vor allem weil die Airlines – allen voran der Hauptkunde Lufthansa – nach der EU-weiten Liberalisierung dieses Geschäfts immer weitere Entgelt-Senkungen durchgesetzt haben.

Noch tiefer wären die Verluste gewesen, wenn die Fraport nicht schon vor vielen Jahren damit begonnen hätte, immer mehr Beschäftigte der Bodenverkehrsdienste von der Fraport AG in die Leiharbeit-Tochter APS Airport Personal Service GmbH zu verlagern. Rund 2500 der insgesamt 8500 Mitarbeiter waren Ende 2016 bei APS angestellt, die deutlich weniger zahlt als die Muttergesellschaft, wo das Gros der Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TvÖD) bezahlt wird. „Dort haben wir unter den Mitarbeitern der Bodenverkehrsdienste Kollegen, die schon 30, 40 Jahre harte Arbeit an der Rampe leisten. Viele von ihnen haben entsprechend alte Tarifverträge. Die aber sind heute nicht mehr marktfähig“, beklagt Schulte. Und dieser Verträge will sich das Unternehmen nun entledigen. Es geht darum, die Markt- und Wettbewerbsfähigkeit der Sparte zu verbessern“, erläutert der Fraport-Chef..

Viele gehen lieber gleich

Dafür hatte der Vorstand Ende vergangenen Jahres bereits 37,7 Millionen Euro zurückgestellt. Aber wie sich nun herausstellt, hat diese Summe nicht gereicht. Der Grund: Viele der betroffenen Mitarbeiter ziehen es vor, eine Abfindung zu kassieren und gleich zu gehen. Deshalb hat das Unternehmen jetzt weitere sechs Millionen Euro zurückstellen müssen. Und die haben im ersten Quartal neben den gestiegenen Tarifgehältern maßgeblich dazu beigetragen, dass der Konzerngewinn vor Zinsen, Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) gesunken ist: um 8,3 Millionen auf 137,3 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist um 9,2 Millionen auf 55,1 Millionen Euro gesunken. Dass der Nettogewinn gleichwohl um 3,7 Millionen auf 18,8 Millionen Euro kletterte, ist vor allem Neubewertungen von Finanzbeteiligungen und -Instrumenten zu verdanken.

Die Bodenverkehrsdienste, die den größten Teil der Rückstellungen zu verkraften hatten, rutschten in die Verlustzone: Aus einem kleinen Plus von 1,9 Millionen Euro im Vorjahresquartal wurden 4,2 Millionen Miese. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdoppelte sich auf 14,5 Millionen Euro. Die Kosten für den Jobabbau und die gestiegenen Tarifgehälter haben laut Zieschang auch im größten Geschäftsfeld Luftverkehr den Gewinn sinken lassen: Das Ebitda ging um 11,8 Prozent auf 26,2 Millionen Euro zurück; beim Ebit weitete sich der Verlust von 1,0 auf 4,2 Millionen Euro aus. Und das obwohl der Umsatz dank der in Frankfurt gestiegenen Passagierzahl und der erhöhten Flughafen-Entgelte stieg.

Runter ging es trotz Umsatzanstieg auch mit dem Gewinn bei den ausländischen Flughafen-Beteiligungen der Fraport. Das Ebitda schrumpfte um fünf Prozent auf 32,1 Millionen Euro, das Ebit um 14 Prozent auf 11,7 Millionen Euro. Dafür machte Zieschang vor allem die Anlaufkosten für die Betriebsübernahme der 14 griechischen Regionalflughäfen verantwortlich. Aber die sollen sich schnell amortisieren: Zieschang erwartet, dass das Griechenland-Geschäft bei weiter deutlich steigenden Passagierzahlen in diesem Jahr das Konzern-Ebitda um 100 Millionen Euro erhöhen wird.

Antalya erholt sich

Hoffnung schöpft das Management inzwischen auch für seine Beteiligung am türkischen Flughafen Antalya. Im ersten Quartal gingen die Passagierzahlen zwar weiter zurück. Aber seit April kehren laut Zieschang die spendablen russischen Urlauber wieder in Scharen zurück. Nachdem 2016 das dortige Passagier-Aufkommen um knapp ein Drittel auf 19 Millionen zurückgegangen war, rechnet Zieschang für 2017 immerhin mit 22 Millionen Gästen und einer „schwarzen Null“ im Ergebnis – nach einem Verlust 2016.

Positiv entwickelt sich auch das Einzelhandels- und Immobilien-Geschäft am Frankfurter Flughafen, der Ertragsperle im Konzern. Dank der höheren Zahl von Passagieren – vor allem russischer – stiegen Ebitda und Ebit um jeweils drei Millionen auf 83 bzw. 62 Millionen Euro.

Für das laufende Jahr zeigte sich Zieschang optimistisch, die Zahl der Fluggäste in Frankfurt wie geplant um zwei bis vier Prozent zu steigern. Nach einem stolzen Plus von zehn Prozent im April steht hier nach den ersten vier Monaten ein Zuwachs von 3,9 Prozent. Die Mitte März erstmals in Frankfurt gestartete irische Billigfluggesellschaft Ryanair trug mit zwei Fliegern nur einen Prozentpunkt zu diesem Anstieg bei. Der Konzern-Umsatz soll 2017 von 2,59 auf bis zu 2,9 Milliarden Euro steigen. Das Konzern-Ebit und -Nettoergebnis werde aber sinken, bekräftigte Zieschang. Der Grund: 2016 hatte Fraport von den Philippinen Schadenersatz in Höhe 199 Millionen Euro erhalten; 40 Millionen Euro waren hinzugekommen, weil Fraport ihren Anteil am Flughafen St. Petersburg reduziert hatte.

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