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Für 2017 zeigen sich die Unternehmen aber etwas zurückhaltender: Jobmotor in der Region läuft nicht mehr ganz so hochtourig

Von Die Briten wollen raus aus der EU, Donald Trump droht, den riesigen US-Markt abzuschotten, und der Fachkräftemangel wird immer spürbarer. Davon bleiben auch die Firmen im Rhein-Main-Gebiet nicht unbeeindruckt.
Vor allem das Baugewerbe legt kräftig zu. Foto: Marijan Murat (dpa) Vor allem das Baugewerbe legt kräftig zu.
Frankfurt. 

Die Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet bleibt auf Wachstumskurs – aber das Wachstumstempo lässt nach: Nachdem die Wirtschaft der Region 2015 noch um zwei Prozent gewachsen war und dieses Jahr aller Voraussicht nach um weitere 1,8 Prozent zulegen wird, rechnet das IHK Forum Rhein-Main für das kommende Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,5 Prozent. Für einen neuen Beschäftigungsrekord reicht es laut Industrie- und Handelskammer aber noch: „Für 2017 erwarten wir 2,244 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte“, sagte gestern Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt, anlässlich der Präsentation der regionalen Beschäftigungs- und Konjunkturprognose. Das entspräche einem Plus von 1,6 Prozent bzw. 35 000 Arbeitsplätzen. Für dieses Jahr rechnet das Forum – das auch die Kammern Mainz und Aschaffenburg umfasst – mit einem Anstieg um 1,8 Prozent bzw. 40 000 neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen auf 2,209 Millionen. 2015 waren sogar 52 000 Jobs hinzugekommen.

Die Wachstumsdynamik lässt nach.	 FNPInfograik 12/2016 Bild-Zoom
Die Wachstumsdynamik lässt nach. FNPInfograik 12/2016

Die Berechnungen des IHK Forums basieren auf einer Umfrage unter rund 8000 Unternehmen in der Region. Und von denen beurteilen gut 91 Prozent ihre derzeitige Geschäftslage als gut oder befriedigend. „Nach wie vor wirken der relativ geringe Ölpreis, das niedrige Zinsniveau und der schwache Euro wie ein kleines Konjunkturprogramm. Und diese Faktoren sorgen für eine hohe Konsumnachfrage, die der wichtigste Pfeiler der Konjunkturentwicklung bleibt“, kommentierte Müller die Situation der Firmen.

Ihre Aussichten für das kommende Jahr bewerten die befragten Unternehmen den Angaben nach aber zurückhaltender. Dementsprechend wollen nur noch 23 Prozent der Firmen ihren Personalbestand erweitern, 14 Prozent ihre Mitarbeiterzahl reduzieren. „Vor allem im außenwirtschaftlichen Bereich ist die Unsicherheit groß“, begründete Müller die Vorsicht der Unternehmen. Tatsächlich ist die Liste der Risikofaktoren lang: Der Brexit und die Drohungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump, den Heimatmarkt abzuschotten, könnten vor allem den Ausfuhren der exportorientierten Industrie einen herben Dämpfer verpassen. 12,8 Prozent der Exporte aus der Rhein-Main-Region gehen in die USA. 7,5 Prozent der Ausfuhren gehen in die USA. Negativ bemerkbar machen sich laut Müller inzwischen auch die konjunkturellen Probleme in der Türkei. So sei der IHK-Exportindikator um weitere sechs Prozentpunkte auf nur noch zehn Punkte gesunken. Entsprechend zurückhaltend zeigen sich die befragten Industrieunternehmen: Sie wollen im kommenden Jahr nur 1500 neue Stellen schaffen. Das entspräche einem Plus von 0,4 Prozent auf 386 5000 Arbeitsplätze.

Wie allen anderen Wirtschaftszweigen macht auch der Industrie darüber hinaus der zunehmende Fachkräftemangel zu schaffen, wie Müller ausführte. Vor allem der Mittelstand – der bisherige Jobmotor in der Region – habe es schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden. „Schon heute gibt jedes zweite mittelständische Unternehmen an, dass offene Stellen derzeit nicht besetzt werden können“, berichtete der IHK-Präsident.

Zumindest im Baugewerbe und in der Dienstleistungsbranche scheint dieses Problem den Beschäftigungsaufbau aber noch nicht zu hemmen. Weil die niedrigen Zinsen die Investitionen in Betongold befeuern, boomt vor allem die Bauwirtschaft. Mit 3000 neuen Jobs in diesem Gewerbe rechnet das IHK-Forum für dieses Jahr – ein Plus von 2,9 Prozent auf insgesamt rund 105 000 Arbeitsplätze. „Kein anderer Sektor wächst prozentual so stark“, stellte gestern Gunther Quidde, Geschäftsführer des IHK Forum fest. Gemäß den Umfrageergebnissen werde das Baugewerbe 2017 weitere 3000 Jobs schaffen. Der Dienstleistungssektor – der mit Abstand größte Wirtschaftszweig der Region – schafft laut IHK in diesem Jahr rund 32 500 Jobs und im kommenden weitere 28 500. Er käme dann auf insgesamt 1,43 Millionen Beschäftigte. Im Handel kommen 2016 zirka 2500 und 2017 rund 2000 neue Jobs hinzu – dann wären 310 000 Menschen dort beschäftigt.

Finanzbranche schwächelt

Davon kann die Finanzbranche in der Region nur noch träumen, wie schon die Jobabbau-Pläne der Commerzbank und der Deutschen Bank nahelegen. 41 Prozent der befragten Kreditinstitute erwarten demnach schlechtere Geschäfte. Weil die deutschen Banken außergewöhnlich stark vom Zinseinkommen abhängen, macht ihr die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) besonders zu schaffen. Hinzu kommt, dass die Geldhäuser nach der Finanzkrise 2008 mit Regulierungsauflagen zurechtkommen müssen, unter deren Last gerade kleine Institute ächzen. Und last but not least haben die Institute – deren IT veraltet und deren Innovationskraft gering ist – auch noch mit der digitalen Transformation zu kämpfen.

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