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IAA Frankfurt: Kanzlerin Merkel kritisiert Autohersteller: "Glaubwürdigkeit zurückgewinnen"

Von Die erste IAA nach dem Abgas-Skandal: Die Bundeskanzlerin, Hessens Ministerpräsident und Frankfurts Oberbürgermeister kritisieren zur Eröffnung der Messe die Autohersteller.
Natürlich traf Kanzlerin Angela Merkel auch VW-Chef Matthias Müller (links), allerdings protokollarisch fein abgestuft zu den anderen Unternehmenslenkern. Wolfsburg genießt im Kanzleramt derzeit nicht die höchsten Sympathiewerte. Foto: DANIEL ROLAND (AFP) Natürlich traf Kanzlerin Angela Merkel auch VW-Chef Matthias Müller (links), allerdings protokollarisch fein abgestuft zu den anderen Unternehmenslenkern. Wolfsburg genießt im Kanzleramt derzeit nicht die höchsten Sympathiewerte.
Frankfurt. 

Manchmal sind es subtile Botschaften, die die Bundeskanzlerin sendet. Im Programm des IAA-Rundgangs von Angela Merkel ist detailliert aufgeführt, bei welchem Autohersteller sie dem Chef die Hand schüttelt: „BMW, Begrüßung Harald Krüger“, „Opel, Begrüßung Michael Lohscheller“, „Daimler, Begrüßung Dieter Zetsche“, und so weiter. Nur ein Name fehlt auffälligerweise: Im VW-Konzern kommen nur Manager der zweiten Führungsebene vor, nicht aber Vorstandschef Matthias Müller. Natürlich gibt es am Ende dennoch Fotos mit Merkel und dem Volkswagen-Chef. Dennoch wird die protokollarische Leerstelle kein Zufall gewesen sein, hatte die Kanzlerin doch auch in ihrer Eröffnungsrede – anders als Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Frankfurts OB Peter Feldmann oder der Präsident des Branchenverbands VDA, Matthias Wissmann – als einzige wegen des Abgas-Skandals nicht nur abstrakt die Branche kritisiert, sondern einen Firmennamen ausdrücklich genannt: VW habe manipuliert.

Die Kritik der Kanzlerin an den Konzernen fiel deutlich aus: Unternehmen hätten „Regelungslücken exzessiv ausgenutzt“ und damit nicht nur sich selbst Schaden zugefügt, „sondern vor allem auch Verbraucher und Behörden getäuscht und enttäuscht“. Auch wenn dies nur eine Minderheit der Branche betreffe, müsse diese „alles daran setzen, Glaubwürdigkeit und Vertrauen so schnell wie möglich zurückzugewinnen“. Schärfere Bewertungen der Abgas-Manipulationen, die sie im Bundestagswahlkampf auch schon als „Betrug“ verurteilt hatte, wiederholte die CDU-Vorsitzende nicht.

Es führe auch kein Weg daran vorbei, dass „noch auf Jahrzehnte“ effiziente und sparsame Verbrennungsmotoren gebraucht würden. Und sie mahnte vor den versammelten Chefs der deutschen Automobilhersteller und Zulieferer an, dass auch ausländische Marken, von denen drei Millionen Diesel auf den inländischen Straßen fahren, einen „substanziellen Beitrag“ zur Lösung der Probleme leisten müssten.

„Ins Gesicht gelogen“

Zwischen den Reden stellte Grundschülerin Violina (7) kritische Fragen – schon vor der Kanzlerin an den Oberbürgermeister. „Fahren in der Stadt der Zukunft noch Autos, lieber Herr Feldmann?“ Der antwortete direkt: „Da bin ich mir sicher.“ Man müsse alles tun, damit diese Art von Mobilität weiter existiere. Die Hersteller kritisierte der SPD-Politiker scharf: „Viele Menschen haben das Gefühl, ihnen sei von einer Branche ins Gesicht gelogen, sie seien betrogen worden.“ Teile der Industrie hätten viel Kredit verspielt und Arbeitsplätze gefährdet, sie müssten die Verantwortung übernehmen: „Deshalb brauchen wir einen Neustart.“ Fahrverbote (für Diesel) seien jedoch keine Lösung, da sie eine „Enteignung gutgläubiger Verbraucher“ bedeuteten. Feldmanns Forderung nach mehr als einer Milliarde Euro für den Mobilitätsfonds für die Kommunen konterte Kanzlerin Merkel direkt: Es könne sein, dass die Summe nicht ausreiche, aber „geben wir sie erst mal aus“. Mit dem Geld sollen besonders von Stickoxid-Emissionen betroffene Städte die Infrastruktur für E-Mobilität verbessern oder öffentliche Nahverkehrsangebote attraktiver machen.

Ministerpräsident Bouffier fand im Saal „Harmonie“ des Congress Center der Messe Frankfurt deutlich moderatere Worte als Feldmann. Er monierte aber ebenfalls, die Hersteller sollten nicht über Grenzwerte diskutieren: „Wenn man sie nicht einhält, hat man Vertrauen verspielt.“ Doch unterstrich der CDU-Politiker: „Pauschalkritik hilft niemandem. Was wir brauchen, sind moderne Mobilitätskonzepte. Und das Auto ist auch in Zukunft ein Teil davon, nicht nur auf dem flachen Land, sondern überall.“

Die Elektro-Show

Die Branche gab sich reumütig. „Wir wissen genau, dass in einzelnen Unternehmen in unserer Branche im In- und Ausland gravierende Fehler passiert sind“, sagte VDA- Präsident Wissmann. Das mache selbstkritische Fragen und die Aufarbeitung von Fehlern notwendig: „Wir sind uns bewusst, dass Vertrauen verloren gegangen ist, und dieses zurückzugewinnen ist unser zentrales Anliegen.“ Das wird nicht einfach werden – vor der Tür gab in der Zwischenzeit der klagefreudige Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, fleißig TV-Interviews.

Der Kanzlerin zeigten die großen deutschen Hersteller, von BMW bis Mercedes, vor allem Elektroautos der Zukunft oder, wie Ford, gleich Carsharing-Konzepte. Opel hatte immerhin einen „Plug-In Hybrid“ für das neue SUV „Grandland X“ zu bieten – Merkel wünschte den gerade von Peugeot Citroën übernommenen Rüsselsheimern, dass „das deutsche Standbein des Konzerns stark bleibt“.

Am Audi-Stand ließ sie sich ein Modell der selbstfahrenden Luxuslimousine „Aicon“ erklären – und merkte launig an: „Da brauchen wir noch eine kleine Küche drin und so, aber das kommt dann schon.“ Und bei Bosch freute sich die Kanzlerin über ein E-Bike – bei Fahrrädern hat sich, anders als bei Autos, der Elektromotor bereits durchgesetzt.

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