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Kapitän Weimer schwört seine Crew ein

Von Theodor Weimer hat am 1. Januar die Nachfolge von Carsten Kengeter an der Spitze der Deutschen Börse angetreten. In einer Neujahrsbotschaft an die Mitarbeiter hat er signalisiert, dass künftig ein anderer Wind in Eschborn weht. Der Neue versteht sich als Teamplayer.
Theodor Weimer will die Deutsche Börse in ruhigeres Fahrwasser steuern. Foto: Tobias Hase (dpa) Theodor Weimer will die Deutsche Börse in ruhigeres Fahrwasser steuern.
Frankfurt. 

Eine geplatzte Fusion, ein Ermittlungsverfahren gegen den Vorstandschef und eine kassierte Gewinnprognose: Mitarbeiter und Investoren der Deutschen Börse sind heilfroh, dass das Horrorjahr 2017 vorbei ist. Sie hoffen, dass der neue Vorstandschef Theodor Weimer Deutschlands größten Börsenbetreiber nun wieder in ruhigeres Fahrwasser führt. Der neue Börsenchef hat zu Beginn seiner Amtszeit ein starkes Signal an die Belegschaft gesendet. Theodor Weimer, der zu Jahresbeginn seinen Dienst in der Eschborner Zentrale der Deutsche Börse AG angetreten hat, streckt den Mitarbeitern die Hand aus und gibt sich in schwierigen Zeiten nach der gescheiterten Fusion mit der London Stock Exchange als Teamplayer zu erkennen.

Seine Neujahrsbotschaft an die Börsen-Mitarbeiter beschrieb er als „ein Bedürfnis, Ihnen die Zeilen zukommen zu lassen“. Darin gibt er das Ziel aus, das Dax-Unternehmen wieder in ruhigeres Fahrwasser steuern zu wollen. „Möge es für unser Haus, die Deutsche Börse, ein gutes Jahr nach dem turbulenten Jahr 2017 werden“, schrieb der Nachfolger von Carsten Kengeter, der über staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Verdachts auf verbotenen Insiderhandel aus dem Amt katapultiert wurde. Monatelange Schlagzeilen über Durchsuchungen, Ermittlungen und Rücktrittsspekulationen hatten den Börsenkonzern in seiner Handlungsfähigkeit gelähmt und schwer an seinem Image gekratzt.

Der frühere Vorstandschef der Hypovereinsbank schlägt auch eine andere Tonlage in seinem Schreiben an. Das ist angesichts des Stimmungstiefs verunsicherter Börsen-Angestellter im Eschborner „The Cube“ auch dringend notwendig. Er sei zuversichtlich, gemeinsam die Wende zu schaffen. „Wir haben alles, was wir brauchen: ein einzigartiges Geschäftsmodell, eine von anderen wertgeschätzte Technologie und – so weit ich das bisher habe erleben dürfen – eine motivierte und hochqualifizierte Mannschaft.“ Er habe damit eine erste Duftmarke gesetzt, kommentierte ein Mitarbeiter Weimers Worte.

In der Höhle des Löwen

Weimer kündigt an, sich noch im Januar den Mitarbeitern persönlich bei einem „Townhall-Meeting“ vorzustellen und ihre Fragen in der Höhle des Löwen zu beantworten. Sein neues Amt an der Spitze des größten deutschen Börsenbetreibers erfordere zugleich Führungswillen und Fingerspitzengefühl sowie eine Mischung aus Richtung vorgeben und aktivem Zuhören, skizziert Weimer seinen Führungsstil. Damit grenzt er sich deutlich von Vorgänger Kengeter ab.

Der 58-jährige Ex-HVB-Chef bitte seine Belegschaft um „tatkräftige Unterstützung“. Die Deutsche Börse sei ein besonderes Unternehmen an der Nahtstelle von Kapitalmarkt und Finanzplatz. Letzteren gelte es zu stärken, so sein Bekenntnis zur Banken- und Finanzmetropole Frankfurt.

Unterm Strich hat Weimer seinen Mitarbeitern Mut zugesprochen, die Herausforderungen „gemeinsam als Team“ bewerkstelligen zu können. „Der Kapitän braucht ein gutes Schiff und eine motivierte Mannschaft.“ Die Deutsche Börse verfüge über ein „einzigartiges Geschäftsmodell“.

Neujahrsempfang

Mit Spannung wird in Frankfurt Weimers erster großer öffentlicher Auftritt beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse am 22. Januar in Eschborn erwartet.

Nach wie vor unklar ist die Zukunft des Aufsichtsratsvorsitzenden. Joachim Faber hat zwar zu erkennen gegeben, dass er sich auf der Hauptversammlung für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stellen wolle. Doch seine Kandidatur steht auf wackligen Füßen. Der 67-Jährige ist unter Großaktionären, der hessischen Landespolitik und den Finanzplatz-Vertretern nicht unumstritten. Seine vermeintliche Nibelungentreue zu Ziehsohn Kengeter fällt ihm nun auf die Füße. Am plausibelsten erscheint, dass Faber noch einmal als Oberaufseher gewählt wird und nach einer einjährigen Schamfrist dann 2019 gesichtswahrend und mit gebührendem Abstand zum Kengeter-Abgang seinen Hut nehmen darf. Gerd Häusler gilt als Favorit auf den Posten des Oberaufsehers.

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