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Nach einem halben Jahr erst 9021 Anträge: Kaufprämie für Elektroautos wenig genutzt

Von Mit einer Kaufprämie sollte eigentlich die Nachfrage nach Elektroautos in Deutschland angekurbelt werden. Nun hat das zuständige Bundesamt ernüchternde Zahlen veröffentlicht.
Der elektrische BMW i3, in den Verkehrsminister Dobrindt einsteigt, ist mit 1567 Stück das meist verkaufte E-Auto aus deutscher Produktion. Bilder > Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa) Der elektrische BMW i3, in den Verkehrsminister Dobrindt einsteigt, ist mit 1567 Stück das meist verkaufte E-Auto aus deutscher Produktion.
Frankfurt. 

Lediglich 9021 Anträge auf Auszahlung einer Kaufprämie für Elektroautos sind beim zuständigen Bundesamt in Eschborn bis zum Jahresende eingegangen. Diese Zwischenbilanz dämpft die Euphorie all derer, die glaubten, dank des Umweltbonus’ erfahre der emissionsfreie Antrieb bereits 2016 einen kräftigen Schub. Die Zwischenbilanz nach knapp einem halben Jahr ist ernüchternd, eine Erfolgsgeschichte sieht anders aus.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt glaubt weiterhin an sein „Baby Kaufprämie“. Er ist sicher, dass sich diese Technologie durchsetzen wird. Das sei eine Frage der Zeit, die Akzeptanz müsse auch weiter wachsen. Die Kaufprämie für E-Autos werde genutzt, auch wenn dabei noch „ein Stück Dynamik“ fehle. Dies sei ganz natürlich. „Nur wegen einer Prämie kauft man sich nicht einfach gleich ein neues Auto.“ Dafür müsse Interesse geweckt werden, es müsse etwa auch mit dem Alter des bestehenden Fahrzeugs passen. Dobrindt verwies auch auf weitere Anreize wie die Kfz-Steuer-Befreiung für E-Autos. Die Fahrzeuge, die auf dem Markt sind, seien ausgereift, aber derzeit noch in zu wenigen Modellvarianten verfügbar, warb der CSU-Politiker.

BMW an der Spitze

Bis zum 1. Januar 2017 wurden insgesamt 9021 Anträge auf eine Prämie gestellt, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn mitteilte. Davon waren rund 5100 Anträge für reine Elektroautos und knapp 3900 für Plug-In-Hybride.

Top-Anbieter in Deutschland ist die Marke BMW. Auf drei Modelle des Münchner Autobauers entfielen 2592 Anträge, gefolgt von Renault mit 1658, Audi mit 1188 und VW mit 887.

Die Pläne der deutschen Autobauer

Elektroautos sollen nach den Plänen der deutschen Autohersteller im kommenden Jahrzehnt zum Massenprodukt werden. So wollen die Branchengrößen schon bis 2020 ihr Modellangebot von derzeit 30 auf knapp 100 mehr als verdreifachen.

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Deutschlands beliebtester Stromer laut Bafa-Rangliste ist der kleine Stadtflitzer Zoe aus dem Hause Renault, der in verschiedenen Modellvarianten 1575 mal verkauft wurde. Dicht auf den Fersen folgt der BMW i3. Für den Mittelklassewagen, der ab 35 000 Euro zu haben ist, wurden 1567 Anträge auf Umweltbonus gestellt. Bei den Plug-in-Hybriden hat BMW mit dem 225xe (875 Anträge) die Nase vorn. Gut im Rennen ist dabei auch der japanische Hersteller Mitsubishi mit dem Outlander (777).

Spitzenplatz für Tesla

Die Bafa-Liste verrät aber nicht die ganze Wahrheit über die Elektro-Favoriten der Deutschen. Denn die monatliche Zulassungstatistik des Kraftfahrtbundesamtes weist bis Ende November 1637 Neuzulassungen der US-Elektromarke Tesla aus. Deren Luxus-Modelle übersteigen allerdings den Maximalpreis für die Kaufprämie, der bei 60 000 Euro liegt. Tesla hat sich demnach auch ohne Förderungen einen Spitzenplatz in Deutschland erobert.

Der Blick auf die Deutschland-Landkarte endet mit einer Überraschung: Ausgerechnet in Angela Merkels Heimatland wohnen die größten Elektro-Muffel. Aus Mecklenburg-Vorpommern wurden nur 57 Anträge beim Bafa eingereicht. Die Hessen liegen mit 695 Anträgen im vorderen Mittelfeld. Dabei hatte die Kanzlerin einst große Pläne: Bis zum Jahr 2020 sollten eine Million elektrisch angetriebener Fahrzeuge über unsere Straßen rollen. Die CDU-Politikern wollte Deutschland zum Vorreiter der Elektromobilität im Straßenverkehr machen. Schnee von gestern.

Die Kaufprämie kann seit Anfang Juli 2016 beantragt werden. Die Förderung gilt rückwirkend für Fahrzeuge, die seit dem 18. Mai gekauft wurden. Für reine Elektrowagen mit Batterie gibt es 4000 Euro, für Hybridautos, die per Stecker geladen werden und einen ergänzenden Verbrennungsmotor haben, sind es 3000 Euro. Bund und Hersteller teilen sich die Kosten von insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Die Bundesregierung erwartet, dass so der Kauf von „mindestens 300 000 Fahrzeugen“ angeschoben wird.

Obwohl die Nachfrage bisher schwach ist, geht IG Metall-Chef Jörg Hofmann inzwischen davon aus, dass die Umstellung auf reine Elektroantriebe voraussichtlich wesentlicher schneller über die Bühne geht als bisher angenommen. Man war zunächst von einer längeren Übergangszeit ausgegangen, in der viele Hybrid-Fahrzeuge mit zwei Antriebssträngen auf den Markt kommen sollten.

Sorge um Jobs

„Wenn die Aussagen der Hersteller zutreffen, werden wir viel schneller in die Vollelektrifizierung gehen und der Hybrid wird nur noch in der Premiumklasse eine Rolle spielen. Das wirft für die Volumenhersteller ein ganz anderes Szenario auf“, sagte Hofmann.

Man könne derzeit noch nicht sicher sagen, zu welchem Zeitpunkt welche Jobs wegfallen werden, so der Gewerkschafter. Von den rund 880 000 Beschäftigten der deutschen Autobauer seien rund 250 000 im Antriebsbereich tätig. Viele Beschäftigungsprobleme würden auch durch die demografische Entwicklung gelöst, wenn viele ältere Arbeitnehmer in den Ruhestand gingen. Es sei aber zwingend notwendig, die übrigen für neue Tätigkeiten zu qualifizieren.

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