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Keine Beleidigungen mehr

Von Die Commerzbank hat die Geduld ihrer Aktionäre schon lange strapaziert. Wird unter dem neuen Vorstandschef Zielke alles besser? Die Hoffnung ist groß auf der Hauptversammlung.
Mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres „insgesamt nicht zufrieden“: Commerzbank-Chef Martin Zielke auf der Hauptversammlung. Foto: Patrick Reichardt (dpa) Mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres „insgesamt nicht zufrieden“: Commerzbank-Chef Martin Zielke auf der Hauptversammlung.
Frankfurt. 

Mit einem Foto der – mäßig erfolgreichen – Kicker von Eintracht Frankfurt und dem Slogan „Der richtige Wechsel kann alles entscheiden“ wirbt die Commerzbank um neue Kunden. Bei der Bank selbst hat der Wechsel des Vorstandschefs gerade stattgefunden, gestern in der Frankfurter Messehalle 11 hat der „Neue“ seinen ersten Auftritt auf einer Hauptversammlung. Mit freundlich-zurückhaltendem Beifall wird Martin Zielke empfangen – was für ein Kontrast zu den Aktionärstreffen vergangener Jahre, wo Vorgänger Martin Blessing sich als „Kapitalvernichter“, „Faktenverdreher“ oder „Pfui-pfui-Vorstand“ beschimpfen lassen musste. Und das unter teils tobendem Applaus der anwesenden Kleinaktionäre.

Zielke setzt auf seine sachlich-nüchterne Art. „Wir sind gut in das neue Jahr gestartet. Die Ergebnisse sind ordentlich ausgefallen“, trägt der langjährige Privatkunden-Vorstand vor. Von Januar bis März gewann das Institut – wie bereits bekannt – unterm Strich 151 000 Privatkunden hinzu. Damit liegt es gut im Plan: Bis Ende 2020 soll die Kundenzahl um zwei auf 14 Millionen steigen. Dennoch: Auch er sei mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres „insgesamt nicht zufrieden“, die Bank sei „nicht profitabel genug“, so Zielke – was aber für die gesamte Branche gelte. Ihm sei durchaus bewusst, was das Management den Aktionären mit der Streichung der Dividende zumute.

Wegen des auf mehr Digitalisierung setzenden Konzernumbaus lässt die Commerzbank die Dividende für 2016 und 2017 ausfallen, auch für 2018 machte Zielke den Aktionären nur wenig Hoffnung. „Wir müssen jetzt investieren, um langfristig Erfolg zu haben“, warb er um Verständnis. Ob eine Dividendenzahlung möglich sei, werde aber jedes Jahr neu geprüft.

Zielke will die vorgesehene Streichung von bis zu 9600 Arbeitsplätzen zum großen Teil über Vorruhestand oder Altersteilzeit bewerkstelligen. Der Vorstand habe sich mit dem Betriebsrat bereits auf ein Altersteilzeit-Programm ab April geeinigt, sagte er. Daran können Mitarbeiter teilnehmen, die derzeit mindestens 55 Jahre alt sind und normalerweise bis Mitte 2024 in Rente gingen. Die Bank hofft, die Zahl der Kündigungen so auf ein Minimum reduzieren zu können; derzeit liefen „intensive Diskussionen“ mit den Arbeitnehmervertretern. „Es bleibt unser Ziel, den Abbau möglichst sozialverträglich umzusetzen“, verspricht Zielke.

Die Gewerkschaft Verdi fürchtet, dass wegen der vielen Teilzeit-Beschäftigten am Ende bis zu 12 000 Mitarbeiter betroffen sein könnten. Ende 2016 hatte die Commerzbank 49 941 Beschäftigte, was 44 267 Vollzeitstellen entsprach. Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW sieht den Jobabbau ebenfalls kritisch: „Die Mitarbeiter müssen für die Probleme den Kopf hinhalten, die das Management nicht oder nur unzureichend in den Griff bekommt.“ Dennoch habe Zielke im ersten Jahr die richtigen Schritte gemacht.

Die Dauerkrise in der Schifffahrt ist allerdings eine zusätzliche Belastung; Kreditausfälle in der Branche kosteten sie seit 2012 immerhin 2,6 Milliarden Euro. Immerhin sind mittlerweile zwei Drittel des Kreditbestands abgebaut. Schließungen im Zweigstellennetz schloss der Commerzbank-Chef aus: „An unserem Netz von rund 1000 Filialen werden wir unverändert festhalten.“ Gebühren für Abhebungen eigener Kunden am Automaten will er ebenfalls nicht.

Die neue Langeweile bei der Commerzbank sei nach den riskanten Ausflügen der Vergangenheit – unter anderem die Dresdner-Übernahme auf dem Höhepunkt der Finanzkrise – durchaus wohltuend, meint Wolfgang Aleff von der Gesellschaft für Wertpapierinteressen (GfW). Ein anderer Aktionärsvertreter zeigt Zielke dagegen wegen vermeintlicher Fouls die Rote Karte – sogar mehrmals, was auf dem Fußballplatz nicht möglich wäre. Das sorgt ebenso für Heiterkeit wie der Auftritt eines Donald-Trump-Doubles. Der Mann schwärmt von hohen Monatsgebühren amerikanischer Banken und fragt allen Ernstes nach dem Verfasser der Komödie „Der Revisor“. „Nikolai Wassiljewitsch Gogol“, antwortet ihm Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller.

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