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Bundesbank gibt vorerst Entwarnung: Keine Finanzkrise durch Brexit

Von Die Bundesbank gibt vorerst Entwarnung, was die Folgen des anstehenden Brexit angeht. Auch mit den USA will man weiter über Regulierung sprechen, trotz des künftigen Präsidenten Trump.
Bundesbank-Vorstand Dombret Foto: Fredrik von Erichsen (dpa) Bundesbank-Vorstand Dombret
Frankfurt. 

Das europäische Finanzsystem hat das Brexit-Referendum nach Einschätzung der Bundesbank insgesamt gut verkraftet. Zwar sei es zu spürbaren Kurseinbußen von Bankaktien und einer deutlichen Abwertung der britischen Währung gekommen, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret bei der Vorstellung des „Finanzstabilitätsberichts 2016“ gestern in Frankfurt, doch „zu keiner Zeit bestand die Gefahr einer Finanzkrise“.

„Nichtsdestotrotz werden sich die langfristigen Folgen der Entscheidung erst zeigen, wenn absehbar ist, zu welchem Ergebnis die anstehenden Austrittsverhandlungen führen“, warnte Dombret. Es könne ein „harter Brexit“ bevorstehen, doch gehe er davon aus, dass die britische Seite die Errungenschaften der EU-Regulierung nicht wieder zurückdrehen werde. Auch die Kapitalmarktunion nicht nur innerhalb der EU, sondern auch mit Großbritannien „wäre selbstverständlich noch möglich, wenn die britische Seite interessiert ist“.

Nicht spekulieren wollte Dombret über die Folgen der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten; man müsse abwarten, welche Politik tatsächlich formuliert werde: „Wir wissen noch nicht, was das Wahlergebnis für die Verhandlungen im ‘Baseler Ausschuss’ bedeutet und ob die Vertreter der USA so weiterverhandeln wie bisher.“ In dem Ausschuss ringen Finanzaufseher aus aller Welt um weltweite Regeln für die Berechnung von Risiken in den Bankbilanzen; deutschen Kreditinstituten droht nach aktuellem Stand eine deutliche Mehrbelastung, weshalb Bafin-Chef Felix Hufeld ein Scheitern der Gespräche nicht ausgeschlossen hatte.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass weltweit harmonisierte Standards, die eine regulatorische Arbitrage vermeiden, im Sinne aller sind und viele Vorteile haben“, sagte der für die Banken- und Finanzaufsicht zuständige Dombret. „Deshalb gehe ich davon aus, dass die USA die Vorteile einer globalen Regelung weiterhin anerkennen werden und sich nicht zurückziehen.“ Er sei gegen eine Vertagung der Verhandlungen und habe den klaren Willen zu einer Einigung. Es sei Aufgabe des „Baseler Ausschusses“, bis Jahresende einen Vorschlag zu präsentieren, der genehmigt werden könne.

Entlastung für Kleine?

Trotz der Deregulierungsankündigung Trumps beharrt Dombret darauf, dass man „Erfolge“ erzielt habe: „Es ist nicht angezeigt, die aktuelle Regulierung auf breiter Basis zurückzufahren.“ Doch wäre er beispielsweise bereit, über ein Zurückfahren für kleine und mittlere Institute zu sprechen.

Pläne zu einer gemeinsamen Einlagensicherung in Europa sieht die Bundesbank nach wie vor kritisch. Auch der jüngste Kompromissvorschlag aus dem EU-Parlament, wonach ein europäisches Schutzsystem von 2019 an als Rückversicherung zu den nationalen Sicherungstöpfen einspringen soll, sei ohne jegliche Risikoreduzierung nicht tragbar, sagt Dombret. Lieber sollte man beim jetzigen System nationaler Einlagensicherungssysteme bleiben, als dass „die Folgen falscher nationaler Politikentscheidungen auf alle Sparer im Euro-Raum umgelegt“ würden: „Wir haben immer noch sehr, sehr große Unterschiede in den verschiedenen Mitgliedsländern.“

Das gelte vor allem für die Bestände notleidender Kredite, deren Ausmaß in Deutschland weit weniger problematisch sei als in anderen Staaten – namentlich nannte Dombret Italien.

Keine Immobilienblase

Am deutschen Immobilienmarkt sieht die Bundesbank trotz teils kräftig gestiegener Preise noch keine gefährlichen Übertreibungen. „Obwohl die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland seit dem Jahr 2010 deutlich steigen, gibt es aktuell keine Anzeichen für eine exzessive Kreditvergabe oder eine Abschwächung der Kreditvergabestandards“, sagte Vizepräsidentin der Zentralbank, Claudia Buch. Doch bestehe generell die Gefahr, dass Marktteilnehmer Risiken unterschätzten und nicht ausreichend berücksichtigten, dass die Vermögenspreise fallen und die Zinsen steigen könnten, sagte Buch. „Wir haben die Situation, dass Immobilien gekauft werden, weil die Zinsen niedrig sind“, ergänzte Dombret.

Dass die deutschen Banken immer mehr Wohnungsbaukredite mit langen Laufzeiten (mehr als zehn Jahre) vergeben, reduziert laut Buch die Zinsänderungs-Risiken für die privaten Haushalte, verlagert diese aber auf die Banken.

Durch das Niedrigzinsumfeld leide ohnehin deren Profitabilität, die Eigenkapitalrenditen fielen im internationalen Vergleich „eher schwach“ aus. Doch ein plötzlicher und deutlicher Zinsanstieg würde erst recht zu einem sehr deutlichen Einbruch der Ergebnisse führen, warnte Bundesbank-Vorstand Dombret: Was Finanzkraft und Liquidität der deutschen Banken angehe, stehe die Ampel auf Grün, hinsichtlich der Ertragskraft auf „Dunkelgelb mit der Gefahr, dass sie relativ bald auf Rot umschaltet“.

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