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Kommunale Müllabfuhren warnen vor Grüner-Punkt-Verkauf

Den Grünen Punkt kennt jeder: Die beiden ineinander verschlungenen Pfeile zeigen an, dass die Verpackung recycelt werden soll. Die Firma, von der das Zeichen stammt, steht nun offenbar vor einem Verkauf - was manche Abfallmanager tief besorgt.
Ein Aufkleber mit dem Logo „Der Grüne Punkt” klebt auf einem Mülleimer. Foto: Marcus Brandt/Illustration Ein Aufkleber mit dem Logo „Der Grüne Punkt” klebt auf einem Mülleimer.
Köln. 

Die geplante Übernahme des Grünen Punktes durch den Entsorgungsriesen Remondis stößt auf scharfe Kritik von Seiten der kommunalen Müllabfuhren. 

„Wenn der größte deutsche Entsorger den größten dualen Systemanbieter kauft, dann würde sich die Wettbewerbssituation auf dem Markt deutlich verschlechtern”, sagte der Vizechef des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp, der Deutschen Presse-Agentur. „Das wäre in etwa so, als würde der Autokonzern Volkswagen mit Bosch Deutschlands größten Zulieferer kaufen - die Marktmacht wäre immens.”

Hasenkamp spricht für die 450 kommunalen Entsorgungsunternehmen in Deutschland, unter ihnen die städtischen Müllabfuhren. Die Unternehmen haben insgesamt 72 000 Mitarbeiter.

Laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung” und „Handelsblatt” steht die Grüner-Punkt-Übernahme durch Remondis kurz bevor. Remondis, das seinen Sitz in Lünen (NRW) hat, will sich zu „Marktgerüchten” nicht äußern. Der Grüne Punkt ist eine Marke des Kölner Unternehmens Duales System Deutschland (DSD). Es organisiert für Einzelhändler die Abholung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfall - dadurch müssen die Handelsfirmen das nicht selbst machen.

Kommunale Müllabfuhren buhlen um Aufträge von DSD und anderen, kleineren dualen Systemen. Hierbei stehen die Kommunalen in Konkurrenz zu Remondis - der Entsorgungsriese hat einen Jahresumsatz von zuletzt mehr als sechs Milliarden Euro (2016). 

Hasenkamp - zugleich Chef der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster - ist besorgt, dass Remondis über seine mögliche Tochterfirma DSD Einsicht in die Kalkulation der kommunalen Müllabfuhr erhalten könnte. „DSD wird zwar weiterhin dem günstigsten Abfallsammler den Zuschlag geben, könnte dessen Angebotsdetails aber an seine Remondis-Mutter weiterreichen.” Bei der nächsten Ausschreibung im gleichen Sammelgebiet drei Jahre später hätte Remondis einen Vorteil gegenüber der kommunalen und der mittelständischen Konkurrenz, da das Unternehmen deren Kalkulationsgrundlage kenne, so Hasenkamp.

Indem mit Remondis ein Konzern mit marktbeherrschender Stellung entstünde, würde sich der bereits laufende Konzentrationsprozess in der Entsorgungsbranche weiter verschärfen, warnt der VKU-Vize. „Wettbewerber werden aufgekauft oder verschwinden.” Schon jetzt gebe es in Südwestfalen und anderen Gebieten bei Ausschreibungen für gewisse Entsorgungsleistungen mitunter nur noch einen Bieter. Bei so wenig Wettbewerb würden die Preise tendenziell steigen, sagte der VKU-Vize. „Je weniger Marktteilnehmer es gibt, desto leichter können Monopolisten Preisdiktate durchsetzen.”

Dies ginge zu Lasten des Verbrauchers. An ihn würden die Handelskonzerne höhere Kosten zur Abfallentsorgung weiterreichen müssen. Nach VKU-Schätzung zahlt der Konsument in Deutschland im Schnitt pro Jahr etwa 13 Euro für die Abholung und Entsorgung von Verpackungen. Dieser Wert könnte in einem von einem einzelnen Konzern beherrschten Markt deutlich steigen, so Hasenkamp.

(dpa)
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