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Luftfahrt: Kritik an Brüssel wegen Niki

Die Zukunft des Ferienfliegers Niki scheint nach der Übernahme durch die British-Airways-Mutter IAG gesichert. In der Union aber gibt es Unmut über das Vorgehen Brüssels. Wann die frühere Air-Berlin-Tochter wieder abheben kann, bleibt offen.
Niki-Maschine im Landeanflug: Der österreichische Ferienflieger soll nun bei der British-Airways-Mutter IAG landen. Foto: Rainer Jensen (dpa) Niki-Maschine im Landeanflug: Der österreichische Ferienflieger soll nun bei der British-Airways-Mutter IAG landen.
Wien. 

Nach dem Verkauf der insolventen österreichischen Fluggesellschaft Niki an die British-Airways-Mutter wird Kritik an den Wettbewerbshütern in Brüssel laut. „Die EU-Wettbewerbsbehörde hat einen Interessenten vergrault, der bereit war, für Niki rund 200 Millionen Euro zu zahlen. Nun wird die Fluggesellschaft für die lächerliche Summe von 20 Millionen an die britische Holding IAG verscherbelt“, sagte der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach. Den Schaden hätten die Gläubiger und die deutschen Steuerzahler, sagte er mit Blick auf einen Hilfskredit des Bundes. Eigentlich hatte die Lufthansa zuvor bereits eine Übernahme von Niki ausgehandelt, den Kauf wegen Bedenken der EU-Wettbewerbshüter dann aber abgesagt.

Stattdessen will der zu IAG gehörende spanische Billigflieger Vueling große Teile der Air-Berlin-Tochter Niki für 20 Millionen Euro übernehmen. Die spanisch-britische Holding ist auch bereit, die Fluglinie bis zur Übernahme mit einer Finanzspritze von bis zu 16,5 Millionen zu stützen. 740 der 1000 Mitarbeiter sollen übernommen werden.

IAG ist der drittgrößte europäische Luftfahrtkonzern. Zu ihm gehören neben British Airways und Vueling Iberia und Aer Lingus. Auch dem Verkauf an IAG muss die EU-Kommission zustimmen. IAG muss die Übernahme zunächst anmelden. Wann Brüssel grünes Licht gibt, ist offen. Ebenso, wann Niki wieder abheben kann. Dies hängt auch von luftfahrtrechtlichen Genehmigungen ab.

Betriebsratschef Stefan Tankovits geht davon aus, dass Niki nicht vor März wieder fliegt. Zunächst müssten IT-Verkaufssysteme umgestellt werden. Was mit vor der Insolvenz erworbenen Niki-Tickets wird, ist Experten zufolge Sache des künftigen Besitzers. Dieser übernimmt im Rahmen der vereinbarten Transaktion nur Vermögenswerte von Niki. Der Käufer trete demnach nicht in Ticketbuchungen ein.

Lufthansa wollte für die Air-Berlin-Tochter Niki 190 Millionen Euro zahlen. Der Bund hat erst einen Teil seines Überbrückungskredits von 150 Millionen Euro für die insolvente Air Berlin zurück erhalten: Easyjet hat für Teile von Air Berlin 40 Millionen Euro gezahlt, die Lufthansa 18 Millionen für die kleinere Tochter LGW. Zur Tilgung sollte auch der Erlös aus dem geplatzten Niki-Verkauf an Lufthansa genutzt werden. Nun werden mit dem Verkaufserlös aber die Gläubiger von Niki befriedigt, nicht die von Air Berlin.

Michelbach forderte eine genaue Untersuchung. Das gelte besonders für das Handeln von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag warf Brüssel vor, den Abbruch der Gespräche durch Lufthansa provoziert zu haben, „um einem bestimmten Investor eine Übernahme zum Schnäppchenpreis zu ermöglichen“. Damit hat die Kommission nach seinen Worten „ihre Neutralitätspflicht in grober Weise verletzt“.

Niki-Betriebsratschef Tankovits begrüßte die Übernahme durch IAG. „Unter den Umständen war es die beste Lösung.“ Der Konzern will den Kauf über eine neue, österreichische Tochter von Vueling abwickeln. Der Erwerber übernehme die Niki-Markenrechte, alle Start- und Landerechte der Niki Luftfahrt GmbH sowie bis zu 15 Mittelstreckenjets der Typen Airbus A320 und A321, teilte der vorläufige Niki-Insolvenzverwalter Lucas Flöther nach Unterzeichnung des Kaufvertrages mit. Laut IAG soll ein „attraktives“ Paket aus Start- und Landerechten an Flughäfen wie Wien, Düsseldorf, München, Palma de Mallorca oder Zürich erworben werden. Nach Darstellung von IAG-Chef Willie Walsh passt Niki perfekt in die Strategie von Vueling. Die Flugzeuge selbst sind im Kaufpreis nicht enthalten. Die Niki-Jets sind allesamt geleast und gehören teilweise bereits der Lufthansa.

Bis wann die Wettbewerbshüter der EU-Kommission die Übernahme prüfen werden, ist noch unklar. Die EU-Regeln sehen vor, dass sie Übernahmen innerhalb von 25 Tagen nach Anmeldung prüfen müssen. Nur wenn sie zum Beispiel die Gefahr größerer Wettbewerbsverzerrungen sehen, können sie eine eingehende Untersuchung einleiten, die mehrere Monate dauern kann. Zur Frage, ob die IAG auf eine Übernahmegenehmigung ohne Auflagen hoffen kann, äußerte sich eine Kommissionssprecherin nicht.

Niki-Insolvenzverwalter Flöther und IAG standen unter Zeitdruck. Denn die Airline lief Gefahr, die Betriebserlaubnis und damit die wertvollen Start- und Landerechte an den Flughäfen zu verlieren. Die Tochtergesellschaft der insolventen Air Berlin hatte Mitte Dezember Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt.

(dpa,red)

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