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Trotz konstanter Ausgaben für Innovation: Laut KfW-Studie: Mittelstand droht Abstiegsgefahr

Von Immer weniger deutsche Mittelständler bringen Neuheiten an den Markt. Das hat unterschiedliche Ursachen.
KfW-Chefvolkswirt Zeuner Foto: (KfW-Bildarchiv) KfW-Chefvolkswirt Zeuner
Frankfurt. 

Neuheiten sind der Motor des Wirtschaftsgeschehens – doch der Anteil innovativer Mittelständler in Deutschland sinkt immer weiter. Der neue „Innovationsbericht“ der staatlichen Förderbank KfW weist für den Zeitraum 2013 bis 2015 einen erneuten Rückgang der Innovatoren-Quote auf 22 Prozent aus – gegenüber dem Zeitraum 2012 bis 2014 ein Minus von rund einem Viertel. Die Anzahl der mittelständischen Unternehmen mit neuartigen Produkten oder Prozessen ist gegenüber der letzten Studie um 237 000 auf nun 803 000 gesunken.

„Damit hat sich der langfristige Trend zu weniger Innovatoren zuletzt beschleunigt fortgesetzt“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Der Anteil dieser Unternehmen an allen Mittelständlern (mit einem Jahresumsatz bis zu 500 Millionen Euro) erreicht den niedrigsten Wert seit dem Start der Untersuchung 2002/2004. Damals lag dieser Anteil noch bei 42 Prozent.

Die Gesamtausgaben für Innovationen sind in den vergangenen drei Jahren mit 40 Milliarden Euro aber stabil geblieben, bei großen Mittelständlern (ab 50 Beschäftigte) sogar um drei Milliarden Euro gestiegen. Die Investitionen konzentrieren sich folglich auf immer weniger Firmen.

Besonders stark ist der Anteil der Produktinnovatoren gesunken – von in der Spitze 37 auf nur noch 16 Prozent. Und das wiederum lag am Minus bei imitierenden Produktinnovationen. Dagegen blieb die Quote der Prozessinnovatoren, die ein neuartiges Verfahren anwenden, mit 13 (in der Spitze 20) Prozent noch halbwegs konstant. Besonders ausgeprägt war der Rückgang zudem bei Kleinunternehmen (mit weniger als 10 Mitarbeitern), wo der Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz besonders hoch ausfällt, sowie bei Bau- und Dienstleistungsfirmen. Im forschungs- und entwicklungsintensiven Verarbeitenden Gewerbe (beispielsweise Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie) sank der Anteil der Innovatoren weniger deutlich.

Als wichtigsten Grund für den Rückgang sehen die Mittelständler Finanzierungsschwierigkeiten; allerdings ist der Zugang zu Krediten exzellent, so dass eine angestrebte Eigenfinanzierung eher wie eine selbst auferlegte Beschränkung wirkt. Auch der Fachkräftemangel wird als Innovationshemmnis genannt. Zudem geht der Rückgang bei den Unternehmensgründungen in Deutschland mit weniger Neuheiten einher. Als weitere Ursache nennt Zeuner den demografischen Wandel im Lande, da Ältere weniger zu Innovationen neigen als Jüngere.

Unter Umständen kommt noch hinzu: Früher konnte eine vergleichsweise simple Kopie einer Geschäftsidee (beispielsweise ein Eiscafe) schon eine regionale Innovation darstellen, heute werden digitale Neuerungen immer wichtiger – und da diese auf schnelles Wachstum angewiesen sind und meist zumindest deutschlandweit antreten, kann sich heutzutage nur noch ein einziges Unternehmen als Innovator fühlen.

Politik muss handeln

„Um die seit Jahren nachlassende Innovationstätigkeit in der Breite des deutschen Mittelstandes wiederzubeleben, gilt es, das Innovationssystem als Ganzes zu stärken“, sagt Zeuner. Die Politik solle sich nicht mit dem heutigen Stand zufriedengeben, sondern sich ehrgeizigere Ziele setzen. Mögliche Schritte wären, mehr Fachkräfte aus- und weiterzubilden, das Innovationsmanagement in Unternehmen zu verbessern oder mehr Menschen zur Existenzgründung zu motivieren. Gegen Finanzierungs-hemmnisse hat die KfW geeignete Instrumente aufgelegt, bei denen sie auch einen Teil des unternehmerischen Risikos übernimmt.

Eine wichtige Voraussetzung für Innovationen ist nach Zeuners Worten auch eine gesicherte Absatzperspektive: „Also brauchen die Unternehmen sichere Rahmenbedingungen – was bedeutet, dass der Euro und der Freihandel nicht in Frage gestellt werden dürfen.“ Die aktuell gute Konjunkturlage in Deutschland wird möglicherweise 2016 den langjährig rückläufigen Trend bei den Innovationen unterbrechen.

Und könnte eine steuerliche Förderung von Forschungs- und Entwicklungsausgaben – wie sie viele Verbände und Wissenschaftler fordern – helfen? Eine steuerliche Förderung habe den Vorteil, dass solch ein einfaches Instrument auch kleine Unternehmen erreiche, meint der KfW-Chefvolkswirt; allerdings dürften auch die Mitnahmeeffekte relativ hoch sein.

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