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Industrie: Linde-Fusion wackelt

Die geplante Milliardenfusion mit Praxair wird für Linde immer schmerzhafter: Aufseher fordern noch mehr Verkäufe von Geschäften. Ist nun die Schmerzgrenze überschritten?
Das Logo des Industriegasekonzerns Linde ist auf Gasbehältern im bayerischen Pullach zu sehen. Foto: Matthias Balk (dpa) Das Logo des Industriegasekonzerns Linde ist auf Gasbehältern im bayerischen Pullach zu sehen.
München. 

Die Hürden vor einer Fusion des Münchener Gasekonzerns Linde mit dem US-Rivalen Praxair zum weltgrößten Anbieter von Sauerstoff und Helium werden höher. Die von den Kartellbehörden gestellten Bedingungen sind schärfer als von beiden Konzernen geplant. Trotzdem geben die Fusionspartner ihr Vorhaben nicht auf. „Linde und Praxair setzen ihre konstruktiven Gespräche miteinander fort und diskutieren mit den Wettbewerbsbehörden, wie deren Anforderungen erfüllt werden können“, betonten die Münchener. Von Praxair lag zunächst keine Stellungnahme vor. Aus rechtlichen Gründen haben die Partner nur noch zwei Monate Zeit, alles in trockene Tücher zu bringen.

Linde zufolge summieren sich die Umsätze der Unternehmensteile, deren Verkauf die Wettbewerbshüter in mehreren Ländern fordern, nun auf mehr als 3,7 Milliarden Euro. Dieses Umsatzvolumen haben die Fusionspartner eigentlich als Teil ihrer Schmerzgrenze definiert. Wenn sie überschritten wird, haben sich Linde und Praxair vorbehalten, den mehr als 70 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss abzublasen. Branchenexperten bezweifeln allerdings, dass einer der Partner die Reißleine zieht, wenn die Schwelle nur um einige hundert Millionen Euro überschritten würde. Denn auch dann ließen sich die von beiden Konzernen erhofften Einspareffekte von rund einer Milliarde Euro noch realisieren. Offenbar ist nur die Schmerzgrenze beim Umsatz überschritten, die zweite Schwelle von 1,1 Milliarden Euro operativem Ergebnis, das mit den Verkäufen verlorengeht, nicht. „Letztlich hängt alles daran, ob man die Synergien von einer Milliarde Euro noch erreichen kann“, sagte ein Insider. „Sonst würden auch die Investoren auf die Barrikaden gehen.“

Aktie verliert leicht

An der Börse hielt sich die Enttäuschung über die Nachricht in Grenzen. Die Linde-Aktie gab um 0,8 Prozent auf 173,20 Euro nach. Die zum Umtausch in Anteile eines fusionierten Konzerns eingereichten Linde-Papiere verloren im Dax 1,2 Prozent auf 190,80 Euro. „Die Tatsache, dass man sich weiter in konstruktiven Gesprächen befindet, signalisiert uns, dass auf beiden Seiten weiterhin die Bereitschaft besteht, den Weg weiterzugehen“, sagte Commerzbank-Analyst Michael Schäfer. „Ich würde mich wundern, wenn beide Partner nicht alles dafür täten, den Deal durchzuziehen“, sagte Fondsmanager Arne Rautenberg von Union Investment. „Auch für Praxair ist der Deal hochattraktiv.“ Vor allem für Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hänge viel davon ab. Reitzle hat die Fusion zu seinem wichtigsten Vorhaben erklärt und bisher gegen alle Widerstände vorangetrieben.

Hoher Zeitdruck

Für problematischer halten Experten den Zeitdruck. Denn die Fusion muss nach deutschem Aktienrecht bis zum 24. Oktober über die Bühne gehen. Linde und Praxair müssten also schnell Käufer für die Unternehmensteile finden, von denen sie sich auf Geheiß der Wettbewerbshüter trennen müssen. Bereits vereinbart ist der Verkauf des Europa-Geschäfts von Praxair an die japanische Taiyo Nippon Sanso sowie großer Teile des US-Geschäfts von Linde an den deutschen Rivalen Messer. Die Verkäufe summieren sich auf 2,7 Milliarden Euro Umsatz und 700 Millionen Gewinn. Die US-Kartellbehörde FTC hat aber schon signalisiert, dass ihr das als Zugeständnis noch nicht reicht. Offen ist Linde zufolge auch noch die Freigabe durch Behörden in Brasilien, China, Indien und Südkorea. Auch in Argentinien und Chile stehen noch Entscheidungen aus, die allerdings nicht als maßgeblich für ein Gelingen der Fusion angesehen werden.

(rtr)

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