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Kfz-Mechaniker und Autoverkäufer im Warnstreik: Lohnkonflikt: IG Metall kämpft gegen Tarifflucht

Frankfurter Kfz-Mechaniker und Verkäufer aus Autohäusern sind gestern in den Warnstreik getreten. Die Beschäftigten fürchten nach der Kündigung ihrer Tarifverträge schlechtere Löhne und weniger Urlaub.
Mit Autokorso und Kundgebung haben Kfz-Mechaniker und Autoverkäufer gegen die Kündigung der Tarifverträge protestiert. Foto: Holger Menzel Mit Autokorso und Kundgebung haben Kfz-Mechaniker und Autoverkäufer gegen die Kündigung der Tarifverträge protestiert.
Frankfurt. 

150 Autos, rote IG-Metall-Fahnen, der Lärm hunderter Trillerpfeifen: Mit einem Autokorso mitten durch die Innenstadt haben gestern knapp 650 Beschäftigte aus Frankfurter Kfz-Betrieben auf den Tarifstreit mit dem Kraftfahrzeuggewerbe Landesverband Hessen aufmerksam gemacht. Der Hintergrund: Bereits im Mai hatte der Landesverband alle Tarifverträge gekündigt, im Auftrag der hessischen Kfz-Unternehmen, die der Verband vertritt. Das sei Tarifflucht, kritisierte der Erster Bevollmächtigte der Frankfurter IG Metall, Michael Erhardt.

Der Verband sieht das anders. Die Verträge seien in die Jahre gekommen und müssten modernisiert werden, sagte Roger Seidl, Pressesprecher des Verbandes. Teile der Verträge seien noch aus den 1960er Jahren. An neuen Tarifverträgen sei man aber interessiert.

Die Neuverhandlungen übernimmt nun aber nicht mehr der Landesverband, der die Kfz-Innungen repräsentiert, sondern eine eigens dafür gegründete Tarifgemeinschaft. „Die, die Lust haben, mitzumachen“, sind nun die neuen Verhandlungspartner der IG Metall, sagte Roger Seidl. Nach seinen Angaben seien dies hessenweit momentan 150 Betriebe, darunter große Konzerne.

Tarifflucht nimmt zu

Zu wenige, findet jedoch die IG Metall. 4000 Betriebe gibt es in Hessen. Schon jetzt ziehen sich nach Ansicht der Gewerkschaft viele Betriebe aus der Verantwortung, verstoßen gegen die noch bis Ende September gültigen Verträge. Jetzt entlasse der Landesverband die Betriebe endgültig in die Freiwilligkeit. Für Michael Erhardt von der IG Metall Frankfurt ist das unverständlich. Die Konsequenz: „Gleiche Arbeit, ungleiche Bezahlung.“

Auch deswegen kämpft die IG Metall für den Erhalt eines Flächentarifvertrags für alle Mitarbeiter in hessischen Autohäusern und Kfz-Werkstätten. 36 000 Mitarbeiter, dazu rund 5700 Auszubildende, sind von der Kündigung der Verträge betroffen. Allein in Frankfurt sind es 4200 Beschäftigte.

Als Kundgebungsort hat die Gewerkschaft, nachdem sie schon vergangene Woche in Darmstadt gestreikt hatte, bewusst die Frankfurter Innung ausgewählt: Diese ist eine wichtige Stimme im Landesverband, der 22 Innungen hessenweit vereint. Michael Erhardt hofft, dass sich die Innung besinne und mit dafür sorge, dass für ganz Hessen ein einziger Tarifvertrag gelte.

„Kein Flickenteppich“

Einen „Flickenteppich“ wolle man unbedingt verhindern, erklärte auch Ralf Kutzner, geschäftsführendes Mitglied im bundesweiten IG-Metall-Vorstand. „Mit dem Vorgehen zertrümmern sie die Handwerksstruktur“, kritisierte er bei der Kundgebung das Kfz-Gewerbe. Zur Not verhandele man aber auch mit der Tarifgemeinschaft, erklärte Erhardt.

Die erste gemeinsame Verhandlungsrunde war am Mittwoch allerdings gescheitert. Dabei forderte die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung um fünf Prozent, Übernahmeregelungen für Auszubildende sowie die Anerkennung aller Tarifverträge. Die Arbeitgeber dagegen verlangen mehr Flexibilität in den Verträgen: Arbeiten bis 22 Uhr, für Teile der Belegschaft auch die 40-Stunden-Woche, eine zweite Entgelttabelle für Neuverträge.

Für Alexander Tefarikis, Betriebsrat in der BMW-Niederlassung Frankfurt, ist das eine Farce: „Die können den alten Vertrag nicht richtig lesen, warum brauchen wir dann einen neuen?“, kritisierte er bei der Kundgebung vor der Frankfurter Innung. Die Forderungen der Arbeitgeber seien längst in den Betrieben angekommen. Er zeigte sich kampfbereit: „In anderen Tarifgebieten hat es zwei Jahre gedauert, das können wir auch.“

Die IG Metall stellt sich schon jetzt auf weitere Streiks ein. In den nächsten Wochen will sie einen Ort nach dem anderen in Hessen bestreiken. Aber auch die Frankfurter Häuser müssten sich in den nächsten Wochen auf weitere Warnstreiks gefasst machen.

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