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Air-Berlin-Pleite: Lufthansa-Management wehrt sich gegen Vorwürfe

Bei Kunden ist die Empörung groß: Seit der Air-Berlin-Pleite sei Fliegen innerhalb Deutschlands teurer geworden. Das ruft das Bundeskartellamt auf den Plan. Doch Branchenführer Lufthansa widerspricht: Nichts habe sich geändert.
Wegen der großen Nachfrage setzt die Lufthansa derzeit eine Boeing 747-400 für den Flug zwischen Frankfurt und Berlin ein. Foto: Wolfgang Kumm (dpa) Wegen der großen Nachfrage setzt die Lufthansa derzeit eine Boeing 747-400 für den Flug zwischen Frankfurt und Berlin ein.
Frankfurt. 

Die Deutsche Lufthansa wehrt sich nach dem Aus des Konkurrenten Air Berlin gegen Vorwürfe der Preistreiberei. „Was kolportiert wird über angebliche Preissteigerungen, ist nachweisbar nicht zutreffend“, sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister der Zeitung „Welt am Sonntag“. Es handele sich um Einzelfälle, die es auch früher montagmorgens und freitagnachmittags gegeben habe. „Für etwa 95 Prozent der Passagiere hat sich beim Preis nichts geändert.“ Nur fünf, höchstens sechs Prozent müssten mehr bezahlen.

„Wie bei der Bahn“

Das Bundeskartellamt nimmt die Preise beim Branchenprimus unter die Lupe. „Wir haben die Deutsche Lufthansa gebeten, uns Informationen über ihre Preissetzung zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns die Daten ansehen und dann darüber entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten“, hatte der Chef der Behörde, Andreas Mundt, am Freitag gesagt.

„Nichts zu verbergen“

Hohmeister sagte dazu, man habe keine Geheimnisse, gute Argumente und nichts zu verbergen. „Wir können dem Kartellamt alles zeigen.“ Der Lufthansa-Manager zog einen Vergleich zur Deutschen Bahn AG, deren Preissystem auch keine festen Tarife habe, sondern auf eine steigende Nachfrage flexibel reagiere. „Wir können aber nachweisen, dass sich bei uns im Preissystem nichts geändert hat. Auch nicht innerhalb der Zwischenstufen in den Preisklassen.“

Nach dem Ausscheiden von Air Berlin fehlen jeden Tag zehntausende Plätze im Flugverkehr. Die Preise sind nach Einschätzung von Branchenfachleuten im Durchschnitt auf manchen Strecken um bis zu 30 Prozent gestiegen.

Hohmeister ist im Vorstand der Lufthansa verantwortlich für Drehkreuze und Airlines. Bild-Zoom Foto: Anthony Anex (KEYSTONE)
Hohmeister ist im Vorstand der Lufthansa verantwortlich für Drehkreuze und Airlines.

„Es ist einfach eine sehr spezielle Situation, wenn ein Wettbewerber wie Air Berlin vom Markt verschwindet und gleichzeitig die Konjunktur boomt“, sagte Hohmeister, der im Vorstand der größten deutschen Fluggesellschaft verantwortlich ist für die Drehkreuze Frankfurt, München, Wien und Zürich sowie für die einzelnen Airlines. Die Frage nach konkreten Auswirkungen auf die Ertragslage und mögliche Zusatzgewinne aus der Air-Berlin-Pleite will der Vorstand nicht detailliert beantworten. Es sei ein sehr komplexes Szenario, sagt er vage.

26 Klassen für ein Ticket

Die Lufthansa hatte schon mehrfach betont, dass sie ihre Preisstruktur nicht verändert habe. Die höheren Durchschnittspreise entstünden durch die deutlich größere Nachfrage. Die vollautomatischen Buchungssysteme riefen dadurch wesentlich schneller höhere Preisklassen für Tickets auf. Bei der Lufthansa gibt es – je nach Buchungszeitpunkt und Auslastung – 26 verschiedene Preisklassen für ein Ticket. Die Lufthansa verweist außerdem darauf, dass sie Kapazitäten aufgestockt habe und trotz hoher Kosten sogar Jumbos im Inlandsverkehr einsetze, um den Mangel auszugleichen.

„Der Wegfall von Air Berlin schadet dem Wettbewerb und verknappt momentan das Angebot insbesondere auf vielen innerdeutschen Flugstrecken. Uns liegen Beschwerden über erhebliche Preiserhöhungen zum Nachteil der Kunden vor“, hatte Mundt indes erklärt. Im Fokus stehe dabei die Preispolitik der Deutschen Lufthansa.

Der Chef der Fluglinie, Carsten Spohr, hatte vor kurzem 1000 neue innerdeutsche Flügen pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren.

Auch der britische Billigflieger Easyjet hatte jüngst angekündigt, über sogenanntes „Wet-Lease“ die eigene Flugzeugflotte vorübergehend aufzustocken. Die Airline wird künftig in Berlin größter Anbieter von Verbindungen sein. Sowohl die Lufthansa als auch Easyjet haben das Problem, dass sie nicht sofort mit einer Freigabe der Ex-Air-Berlin-Strecken und -Flugzeuge durch die Kartellbehörden rechnen können.

Preisrückgang ab Januar?

Außerdem müssen Flugzeuge umlackiert und Besatzungen neu geschult werden. Der dann zu erwartende Anstieg der Sitzplatz-Kapazitäten im Markt dürfte einen positiven Effekt haben, über den sich die Passagiere freuen werden. Hohmeister erwartet „ab Januar sinkende Durchschnittspreise und eine weitere Normalisierung auf den Hauptverkehrsstrecken“.

Die Zustimmung aus Brüssel ist erforderlich für den geplanten Verkauf großer Teile der insolventen Air Berlin an die Lufthansa-Tochter Eurowings und den britischen Konkurrenten Easyjet. Eine erste Entscheidung in Brüssel könnte nach Einschätzung aus Branchenkreisen schon am 7. Dezember fallen.

Möglich ist aber auch, dass die EU-Kartellbehörde eine vertiefte Prüfung verlangt. Dann würde sich das Verfahren weitere 90 Arbeitstage hinziehen. Die Neuordnung des deutschen Luftverkehrs und damit die Normalisierung der Ticketpreise könnten sich also noch länger hinziehen.

(dpa)

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